{"id":1051,"date":"2011-12-04T18:37:39","date_gmt":"2011-12-04T17:37:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=1051"},"modified":"2011-12-04T18:44:22","modified_gmt":"2011-12-04T17:44:22","slug":"grauer-star","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=1051","title":{"rendered":"Grauer Star"},"content":{"rendered":"<p>Heute habe ich meinen freien Tag und die Sonntags-Dienstverpflichtung meiner im Handel t\u00e4tigen Frau genutzt, um mit einem Kind und ohne Kegel das neuerstandene Milit\u00e4rhistorische Museum in unserer Stadt zu besuchen.<br \/>\nMein Libeskind, das war vielleicht eine Pleite! Ich wu\u00dfte ja, da\u00df die Gestaltung des Geb\u00e4udes vom obengenannten Architekten konzipiert wurde und fand es erstens unn\u00f6tig, zweitens architektonisch neben der Spur und drittens nach den ersten Prognosen viel zu teuer. Was mich aber umgehauen hat war eine Erkenntnis erst kurz vor der Wiederer\u00f6ffnung: Auch die Ausstellung wurde von ihm konzipiert!<br \/>\nNun frage ich mich ernsthaft, ob man als Stararchitekt auch per se ein Star-Milit\u00e4rhistoriker ist. Mir graut jetzt regelrecht davor, ihn jemals in meinem Taxi bef\u00f6rdern zu m\u00fcssen, denn er wird mir sofort beweisen, da\u00df er auch ein Star-Taxifahrer ist. Ich gebe ja offen zu, da\u00df ich ein grunds\u00e4tzliches Problem mit dem Wort &#8222;Star&#8220; habe. Ich wei\u00df dann immer nicht: Ist es ein Stern, eine Augenkrankheit oder ein Vogel.<br \/>\nDeshalb habe ich mit meiner Titelzeile erst einmal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn man bezeichnet ihn wohl als Stern und grauhaarig ist er auch. Das mit dem Vogel&#8230; nun ja, da k\u00f6nnte man sich vielleicht auf das Erscheinungsbild &#8222;seiner&#8220; Ausstellung beziehen.<\/p>\n<p>Womit wir wieder daselbst angekommen w\u00e4ren.<br \/>\nWir bekamen beim Eintritt die Empfehlung, mit dem Lift zur 4. Etage hinaufzufahren und die Ausstellung dann treppab zu erkunden. Das haben wir nat\u00fcrlich prompt getan und kamen zu der Erkenntnis, da\u00df man eigentlich in der 2. Etage anfangen kann. In der vierten z. B. findet man Beweise f\u00fcr Zerst\u00f6rungen durch Bombenabw\u00fcrfe in drei verschiedenen europ\u00e4ischen St\u00e4dten sowie einen Aussichtspunkt auf Dresden aus dem Inneren eines ziemlich blickdichten K\u00e4figs heraus.<br \/>\nIn der dritten wiederum befindet sich eine moderne Archivanlage mit elektronisch gesteuerten Rollregalen, die man \u00fcber einen Touchscreen an der Vorderfront aufrufen kann. Dadurch f\u00e4hrt am aufgerufenen Regal eine L\u00fccke auf, in die man dann hineingeht und die Exponate betrachtet. Leider ist die Steuerung schon (oder noch?) au\u00dfer Betrieb, so da\u00df die Rollregale von Hand so verschoben wurden, da\u00df zwischen jedem Regal etwa ein halber Meter Platz zum Hineingehen bleibt. Das ist eigentlich kaum zumutbar, aber mir graust es bei dem Gedanken, die Sache w\u00fcrde funktionieren! Man stelle sich vor, bei den derzeit hoch bejubelten Besucherzahlen m\u00f6chte jeder das Regal seines Interesses aufrufen und dann nat\u00fcrlich auch in aller Ruhe betrachten. Das erg\u00e4be Anstellschlangen, gegen die der Verkauf von Bananen in der HO-Kaufhalle ein Schei\u00dfdreck w\u00e4re! Und wie wird eigentlich verhindert, da\u00df nicht in der Zwischenzeit ein ungeduldiger Besucher die Regale anders positioniert, wodurch der gerade noch geruhsame Betrachter zwischen die zusammenfahrenden Regale ger\u00e4t und somit Teil der Ausstellung wird?<br \/>\nAb der zweiten Etage wurde es dann ein wenig interessanter. Allerdings bin ich auch nicht wirklich schlauer geworden. Lustig und mit &#8222;Aha&#8220;-Effekt versehen war nat\u00fcrlich die 1:1 Darstellung einer \u00b4Stube\u00b4 der NVA. Positiv anzumerken sei auch ein Schaukasten, in welchem auf einer politischen Weltkarte die B\u00fcndnisse der NATO sowie auch der Staaten des \u00b4Warschauer Vertrages\u00b4 farblich gekennzeichnet waren. Nun ist es ja nicht so, da\u00df ich nicht w\u00fc\u00dfte, welche Staaten dies alles waren, aber es war das erste Mal seit 1990, da\u00df ich in meinem Land den korrekten Begriff &#8222;Warschauer Vertrag&#8220; statt f\u00e4lschlicherweise &#8222;Warschauer Pakt&#8220; lesen durfte.<br \/>\nEin paar Schritte weiter durfte ich einen Fauxpas erleben, f\u00fcr den man im realen Alltag der NVA leicht nach Schwedt geschickt werden konnte (verst\u00e4ndlich nur f\u00fcr Insider \ud83d\ude09 ): In einer Vitrine fand man lebensgro\u00dfe Puppen in verschiedensten Uniformen. Darunter war auch ein Offizier des Kommandos <a title=\"Luftstreitkr\u00e4fte \/ Luftverteidigung\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftstreitkr%C3%A4fte_der_Nationalen_Volksarmee\" target=\"_blank\">LSK\/LV<\/a> . Zu seiner vollst\u00e4ndigen Dienstuniform trug er ein K\u00e4ppi. Dieses tr\u00e4gt man allerdings nur zum Kampfanzug, intern &#8222;Ein Strich-Kein Strich&#8220; genannt. Bis hierher w\u00e4re es noch mit einem mi\u00dfbilligenden Kopfsch\u00fctteln und dem erhobenen Zeigefinger des Vorgesetzten getan gewesen, aber jetze kommt\u00b4s janz dicke : Dieses K\u00e4ppi war ein &#8211; Bundeswehrk\u00e4ppi! Na wenn das kein Fall f\u00fcr den MiSt ist! &#8211; Ach so, wer es nicht wei\u00df: MiSt ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u00b4Milit\u00e4rstaatsanwalt\u00b4(hihi).<br \/>\nSehr erleichtert war ich auch, da\u00df ich meine bisherigen Fahrg\u00e4ste nicht belogen habe. Immer wenn ich ausw\u00e4rtige G\u00e4ste vom Flughafen am Milit\u00e4rmuseum vorbeifuhr, machte ich damit Werbung, da\u00df wir in Dresden die einmalige M\u00f6glichkeit besitzen, Waffensysteme zu pr\u00e4sentieren, die sich in einem m\u00f6glichen \u00b4hei\u00dfen\u00b4 Krieg im Anschlu\u00df an den kalten gegen\u00fcbergestanden h\u00e4tten. Dieses Thema hat man im Museum auch so umgesetzt, und zwar in 1 (in Worten &#8222;einer&#8220;) Vitrine mit Modellen. Mein Lob auch daf\u00fcr!<br \/>\nEin besonderes Schm\u00e4ckerchen am Schlu\u00df war der Besuch des Ausstellungsbereiches &#8222;Schutz und Zerst\u00f6rung&#8220;.<\/p>\n<p>Hierzu steht auf der Website des MHM folgendes:<\/p>\n<blockquote>\n<h5>Totale Zerst\u00f6rung<\/h5>\n<p>Am Ende des Parcours wird der Besucher mit der zerst\u00f6rerischen Gewalt der Atombombe konfrontiert. Die Atombombe ist ein zeitloses Symbol f\u00fcr die potentielle Zerst\u00f6rungskraft des Menschen gegen sich selbst. In einer Installation greift der K\u00fcnstler Ingo G\u00fcnther das Aufblitzen der 1945 \u00fcber Hiroshima detonierten Bombe auf. Durch ein in zuf\u00e4lliger Zeitabfolge ausgel\u00f6stes Blitzlicht werden die Schatten der Besucher f\u00fcr einige Sekunden auf eine Wand projeziert. Der Besucher wird so in die Inszenierung mit einbezogen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dumm war nur, da\u00df man das vor Ort nirgendwo lesen konnte und so war es f\u00fcr die Leute ein Riesenspa\u00df, sich vor der (nachfluoreszierenden) Wand zu positionieren und anschlie\u00dfend den dadurch entstandenen Schatten ihrer selbst zu fotografieren &#8211; mit Blitzlicht! Atomschlag als Familienhappening &#8211; wie geil ist das denn!<br \/>\nUm es nun auf den Punkt zu bringen: Wir haben den roten Faden der Ausstellung nicht gefunden. Vielleicht ist es so, da\u00df sich Herr Libeskind auf einer viel h\u00f6heren Stufe der Erkenntnis befindet und m\u00fchevoll versucht hat, uns hinaufzuziehen. Bei genauem Nachdenken sage ich mir aber:<\/p>\n<p>Nee la\u00df mal, Daniel, ich bleibe lieber unten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich meinen freien Tag und die Sonntags-Dienstverpflichtung meiner im Handel t\u00e4tigen Frau genutzt, um mit einem Kind und ohne Kegel das neuerstandene Milit\u00e4rhistorische Museum in unserer Stadt zu besuchen. Mein Libeskind, das war vielleicht eine Pleite! 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