{"id":3570,"date":"2017-10-26T20:06:19","date_gmt":"2017-10-26T18:06:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=3570"},"modified":"2017-10-26T20:07:16","modified_gmt":"2017-10-26T18:07:16","slug":"gastbeitrag-aus-koblenz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=3570","title":{"rendered":"Gastbeitrag aus Koblenz"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Taxifahrer, diesen Brief habe ich zum Thema Deregulierung im Netz ver\u00f6ffentlicht. Je mehr der rund geht, desto eher werden wir geh\u00f6rt. Er ist adressiert an die Verantwortlichen f\u00fcr unser Begr\u00e4bnis:<\/p>\n<p><em>Liebe Politiker,<\/em><\/p>\n<p><em>was sind wir f\u00fcr Euch wenn ihr uns am Taxistand seht? Vielleicht nur Studenten mit Nebenjob, eventuell Deutscher mit Migrationshintergrund. Ein Niemand, der sonst keine Arbeit findet oder Versager, der in der Schule nicht aufgepasst hat? Jemand der macht was er m\u00f6chte, Regeln missachtet und immer zu schnell f\u00e4hrt und dann noch viel Geld von seinen Fahrg\u00e4sten als Bezahlung f\u00fcr eine Autofahrt verlangt und die Notwendigkeit der Taxifahrt in einer Notsituation ausnutzt? Sonst seht ihr nichts? In diesem Fall solltest du genauer hinschauen. Denn so bin ich nicht. Ich bin ein wertvoller Mitarbeiter mit einer liebevollen Familie. Ich bin auch ein kleiner Selbst\u00e4ndiger mit einem Taxi und einem angestellten Fahrer, dessen Herz schl\u00e4gt, wenn er einer \u00e4lteren Dame die Taschen nach oben tragen darf und daf\u00fcr angel\u00e4chelt wird, ein wenig Trinkgeld bekommt und beim n\u00e4chsten mal wieder gern gerufen wird. Ich bin Familienvater, vielleicht ehemaliger Arbeitsloser und freue mich heute \u00fcber einen abwechslungsreichen Job. Wahrscheinlich auch ein Mitarbeiter mit wenig Deutsch Kenntnissen, der im Taxigewerbe vollst\u00e4ndig integriert wurde und das ohne Integrationsbeauftragte oder nur ein Rentner, der sich etwas dazu verdienen m\u00f6chte und sich freut noch gebraucht zu werden. Vielleicht auch Unternehmer, der sich mit viel Einsatz und Herzblut mit einer oder mehr Taxen eine Existenz aufgebaut hat. Ich bin Selbst\u00e4ndig, da mir die gef\u00fchlte Freiheit als Unternehmer mehr wert ist als der mehr oder weniger gut bezahlte Job als Angestellter, manage eine kleine Firma, bin mein eigenes Personalb\u00fcro, Finanzbuchhalter, Steuerberater, Web Designer und Fahrer rund um die Uhr, auch dann, wenn Ihr am feiern seid. Ich habe keine Lobby, die sich um mein Gewerbe k\u00fcmmert, weil im beh\u00f6rdlich festgelegten Taxi-Tarif daf\u00fcr nichts einkalkuliert wird. Meine \u00f6rtlichen Volksvertreter interessieren sich nicht f\u00fcr mich oder mein Schicksal und ich will sie nicht st\u00f6ren. Ich bin \u00fcber f\u00fcnfzig und werde langsam m\u00fcde. Kennen liberale Politiker keine Gnade, wenn es um die Deregulierung eines Marktes und dessen Marktteilnehmer geht. Ich f\u00fchle mich gefangen in meinem Taxi und der Sorge um die Existenz, meiner Zukunft und die kleine privat angesparte Altersvorsorge. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine neue berufliche Orientierung sind sehr begrenzt.Trotzdem, tief in mir bleibt die Hoffnung, dass ihr uns nicht den Kapitalisten mit ihrem Investorenkapital, Autokonzernen oder App Entwicklern mit vorgegaukelten Sharing Economy Gedanken zum Fra\u00dfe vorwerft. Lasst uns die zu hohen Preisen erworbenen Konzession und das Taxi, das ist ein Teil unserer Altersvorsorge! Verscherbelt nicht unser Leben an einen ruin\u00f6sen Wettbewerb gegen Autokonzerne, Banken und illegale Marktteilnehmer, die das bestehende Gewerbe doch nur zerst\u00f6ren wollen, um es zu eigenen Bedingungen und Preisen neu aufzubauen. Wir haben doch keine Chance gegen die geballte Kraft des Kapitals.<\/em><\/p>\n<p><em>Ist Euch die Gewinnmaximierung weniger Kapitalgeber wirklich wichtiger als unser Lebenswerk? Jeder sollte sein Auskommen haben, unser Einsatz als Retter in der Nacht, Krankenbef\u00f6rderer, Koffertr\u00e4ger und Seelentr\u00f6ster verdient ein wenig Respekt genauso wie jede andere Arbeit. Denkt daran, eines Tages wird vielleicht auch deine Arbeit von Investoren mit deren Kapital und einem erfolgreichen Lobbyismus geschluckt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Magistrat von M\u00fcnchen erkannte bereits 1642, dass die Personenbef\u00f6rderung im Interesse der B\u00fcrger ist und f\u00fchrte u.a. die Bef\u00f6rderungspflicht ein. Vergleichbar mit heutigen Taxiordnungen wurde 1804 die erste Droschkenordnung in M\u00fcnchen eingef\u00fchrt. Damals waren es Lohnkutscher, heute bezeichnet man uns als Taxifahrer.<\/em><\/p>\n<p><em>Liebe Politiker \u2013 dereguliert bitte nicht einen Markt, der seit Jahrhunderten aus gutem Grund reguliert wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/em><\/p>\n<p><em>Dirk Schwartz &#8211; Taxiunternehmer aus Koblenz<\/em><br \/>\n<em>www.koblenz-taxi.com<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PS: Diesen offenen Brief schrieb Dirk als Kommentar zu einem meiner Beitr\u00e4ge. Ich fand ihn aber so interessant, da\u00df ich ihn hervorgeholt und selbst als Beitrag deklariert habe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Taxifahrer, diesen Brief habe ich zum Thema Deregulierung im Netz ver\u00f6ffentlicht. Je mehr der rund geht, desto eher werden wir geh\u00f6rt. 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