{"id":395,"date":"2010-09-22T21:55:22","date_gmt":"2010-09-22T19:55:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=395"},"modified":"2010-09-27T23:41:58","modified_gmt":"2010-09-27T21:41:58","slug":"der-wilde-osten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=395","title":{"rendered":"Der wilde Osten"},"content":{"rendered":"<p>Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Person (Klaus vom Cab-Log Berlin) will ich heute mal aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudern und dabei meine eigenen Erlebnisse als roten Faden\u00a0 verwenden.<br \/>\nNachdem ich einige Jahre ausschlie\u00dflich in meinem Beruf, den man heutzutage Industrieelektroniker, Mechatroniker oder \u00b4was wei\u00df ich\u00b4 nennt, gearbeitet habe, fand ich irgendwann als Techniker in die \u00b4Diskoszene\u00b4, nat\u00fcrlich nur nebenberuflich. Das w\u00e4re aber schon wieder ein eigenes Thema und deshalb will ich nur kurz erw\u00e4hnen, da\u00df ich irgendwann davon die Schnauze voll hatte, weil jeder 15j\u00e4hrige Gernegro\u00df behauptete, er kenne viel bessere Musik und h\u00e4tte viel, viel bessere Tontechnik und BlaBlaBla&#8230;! Deshalb habe ich sofort die Chance genutzt, als unsere Staatsoberen ein Gesetz zur nebenberuflichen Aus\u00fcbung eines Taxigesch\u00e4fts erlie\u00dfen. Ursache daf\u00fcr waren Eingaben der B\u00fcrger, da\u00df die Versorgung mit Transportleistungen unzureichend ist, so ungef\u00e4hr lautete das Amtsdeutsch. Voraussetzungen waren eigentlich dieselben wie heute: Polizeiliches F\u00fchrungszeugnis, eine Art T\u00dcV f\u00fcr das Auto sowie gesundheitliche Eignung.<\/p>\n<p>Das einzig DDR-spezifische war nur die Meinungseinholung des arbeitsrechtlichen Vorgesetzten, ob man auch \u00b4tragbar \u00b4ist. Wenn alles pa\u00dfte, bekam man beim VEB Taxi Dresden die Verkabelung f\u00fcr das Taxischild sowie den Einschub f\u00fcr den &#8222;BOTAX&#8220; eingebaut und konnte dann unter Einsatzleitung ebendieses VEB seine Dienste planen.<\/p>\n<div id=\"attachment_401\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/botax1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-401\" class=\"size-full wp-image-401\" title=\"botax\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/botax1.gif\" alt=\"DDR-Taxameter\" width=\"450\" height=\"167\" srcset=\"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/botax1.gif 450w, http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/botax1-300x111.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><br \/>\n<p id=\"caption-attachment-401\" class=\"wp-caption-text\">Gefunden bei http:\/\/www.ddr-rechentechnik.de\/<\/p><\/div>\n<p>Daf\u00fcr mu\u00dfte nur ein Pfennigbetrag f\u00fcr die Ausleihe des Taxameters und des Taxischildes entrichtet werden. Die obligatorische Ordnungsnummer gab es f\u00fcr uns in Form eines Kunststoffschildes im Format A5 mit aufgedruckter Nummer.<br \/>\nSo ger\u00fcstet konnte man nun v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig in den Kampf ziehen. Aber wie schon gesagt: Es gab zwar auch \u00b4Saure Gurken Zeiten\u00b4, aber im Prinzip waren Taxen knapp, wodurch man eben gewisse Privilegien geno\u00df.<br \/>\nInteressant ist dabei aber auch eine Kleinigkeit der Firmen und Fahrer untereinander: Es gab nat\u00fcrlich auch damals eine Taxigenossenschaft, die wie heute die privaten Taxiunternehmer b\u00fcndelte und das Betreiben einer Zentrale m\u00f6glich machte. Bei diesen Firmen wurden Fahrzeuge aller Marken eingesetzt, die eigentlich nur am Dachschild als Taxi erkennbar waren. Beim VEB Taxi &#8211; also dem volkseigenen Modell &#8211; waren fast ausschlie\u00dflich Wolgas im Einsatz (siehe auch mein Artikel <a href=\"http:\/\/www.taxiblog-dresden.de\/?p=115\" target=\"_blank\">\u00b4Herrliche(r) Wolga\u00b4<\/a>). Ich wei\u00df nicht, wer genau der Initiator war, aber wir \u00b4Zetteltaxen\u00b4mu\u00dften im Gegensatz zu den etatm\u00e4\u00dfigen Fahrzeugen unser Dachschild auf der rechten Fahrzeugseite befestigen, warum auch immer.<br \/>\nZetteltaxen konnten es eigentlich recht locker angehen lassen, denn w\u00e4hrend alle anderen Umsatzlohn bekamen (soviel zum von Aro angesprochenen Thema Festgehalt) und auch unbedingt auf Schnitt fahren mu\u00dften, konnten wir es uns leisten einfach wegzufahren, wenn ein St\u00e4nder nicht lukrativ erschien.<br \/>\nInteressant ist auch eine Erkenntnis betreffs der Frage, mit welcher Gruppe Fahrg\u00e4ste man die h\u00f6chsten Ums\u00e4tze macht. Heute mu\u00df man eigentlich die Kassenfahrten nennen, aber f\u00fcr damals w\u00fcrde ich dann doch die &#8211; Vietnamesen in die erste Reihe r\u00fccken.\u00a0 Unser Land war voll von ihnen und sie waren schon immer sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtig. Dadurch und durch die Tatsache, da\u00df sie auch harte W\u00e4hrung in geringen Mengen besa\u00dfen hatten sie beste Voraussetzungen Gesch\u00e4fte zu machen. Soweit ich mich erinnern kann, habe ich alle meine wenigen Fernfahrten mit ihnen gemacht.<\/p>\n<p>OK, das soll\u00b4s erst mal gewesen sein. Fragen werden gern beantwortet.<\/p>\n<p>PS: Dieser Artikel geht auch speziell an Torsten Bentrup aus Paderborn. Als ich mein Blog er\u00f6ffnete schrieb er mir, da\u00df er gespannt sei auf den \u00b4Wilden Osten\u00b4. Also Torsten: Das ist die erste Tranche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Person (Klaus vom Cab-Log Berlin) will ich heute mal aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen plaudern und dabei meine eigenen Erlebnisse als roten Faden\u00a0 verwenden. 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