Bloody Friday

Anläßlich des heutigen Freitags kam mir wieder eine blutrünstige Geschichte in den Sinn, die sich ebenfalls an einem Freitag ereignete:
Ich holte damals eine etwa 50jährige Frau von zu Hause ab. Zusammen mit ihrer anschließend abzuholenden Mutter wollte sie zum Friseur. Am Haus der Mutter verließ sie das Taxi, um diese zu holen und – kam nicht wieder! Nach etwa 5-10 Minuten wurde es mir zu dumm und ich ging zum Haus, um nachzuschauen. Nach erfolgloser Suche am Klingelschild und danach ratlosem Warten auf dem Hof hörte ich plötzlich von oben das dünne Stimmchen einer älteren Dame: „Taxifahrer, Taxifahrer!“ Am geöffneten Fenster des Treppenhauses stand sie und sagte: „Können sie mal ins Haus gehen, meine Tochter ist gestürzt!“ Sie drückte oben auf den Türöffner und ich trat ein, um auf der ersten Treppe ein Bild des Wahnsinns zu entdecken: Besagte 50jährige Tochter lag mit dem Rücken auf der Treppe, wobei ihr linkes Bein treppab lag, während das rechte steil nach oben zeigte und an der Wand klemmte, da die Treppe an dieser Stelle eine Kurve machte. Ich kniete mich also auf die Treppe, um mit den Knien ihren Körper vor dem möglichen Abrutschen zu sichern und holte daraufhin ihr Bein von der Wand nach unten. Nachdem ich dies unter massivem Stöhnen ihrerseits geschafft hatte, schaute ich sie an, um mit ihr zu sprechen und… erstarrte! Um ihren Kopf herum hatte sich eine riesige Blutlache gebildet! Eigentlich kann ich kein Blut sehen, aber irgendwie funktioniert man dann eben doch. Ich hielt sie also weiterhin mit Knien und rechter Hand in Position und angelte mit der freien Hand das Handy hervor(zum Glück bin ich einer der vielgeschmähten“Handy-am-Gürtel-Träger).
Und nun kam eines der Highlights der ganzen Aktion: Während ich die Nummer wählte, fragte die Mutter – die die ganze Zeit eine halbe Treppe höher stand – „Was machen sie denn da?“ Darauf ich: „Ich rufe den Rettungsdienst an.“ Nun kommts: „Aber das geht doch nicht, wir müssen doch zum Friseur!“ (???)
Der Rest ist schnell erzählt. Der Rettungsdienst war innerhalb von 4 Minuten da, übernahm die Sache und so konnten ich und die Mutter der Frau sich um die Dinge kümmern, die für uns persönlich am wichtigsten waren. Ich ließ mir also die Rechnung bezahlen und die Mutter ließ sich von mir 2 Beutel Müll auf dem Hof in die Tonne stecken. Die Treppe war ja schließlich belegt.

Bin ich nicht herzlos?!

PS: Wie ich später erfuhr, litt die gestürzte Frau an Leberzirrhose. Ich weiß allerdings nicht, ob sie wegen Alkohol oder wegen keinem Alkohol stürzte.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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