Herzkasper

Gestern brachte ich einen älteren Herrn von der Herzklinik nach Hause. Er erzählte, daß er vor drei Tagen mit dem Rettungswagen eingeliefert worden sei. „Ich hatte nämlich einen Herzinfarkt. Zwar glücklicherweise nicht gleich einen Schlaganfall, aber immerhin einen Herzinfarkt!“ Bezugnehmend auf den Unterschied zwischen Teufel und Beelzebub konnte ich mir den sarkastisch, lapidaren Kommentar: „Sie Glückspilz!“ nicht verkneifen. Ich glaube, das hat er in seiner privaten Erinnerungsbibliothek unter: „Häää? Was?“ abgelegt.
Weiterhin erzählte er, die Schmerzen in seinem linken Arm seien unerträglich geworden und er habe keine Luft mehr bekommen. Und weil er wußte, daß das Symptome eines Herzinfarktes sind, hat er sofort die Notdurft angerufen!
Der Mann hatte vollkommen recht:

Herzinfarkt ist Scheiße!

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Einsamkeit

Oft kommt es vor, daß ich meinen Fahrgästen eine der Geschichten erzähle, die auch hier zu lesen ist. Meist finden sie diese sehr lustig und mein Hinweis, daß es hier noch mehr davon gebe, wird dankbar angenommen. Wahrscheinlich kommen sie auch auf diese Seite zum Lesen, aber davon merke ich nie etwas, denn sie kommentieren niemals.
Ach…

…ich bin ja so allein!

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Eulen und andere Vögel

„Wat dem Eenen sin Uhl, dat is dem Annern sin Nachtijall!“ sagt der Volksmund. Ein Beispiel dafür durfte ich heute erleben:

Wem unter uns hat schon das Sturmtief „Friederike“ positive Empfindungen abgerungen. Mal ganz abgesehen von Verletzten oder gar Toten dieses Wetterereignisses hatte auch Otto Normalverbraucher keine Freude daran. Ursache des allgemeinen Mißmuts ist u.a. auch das Nicht-Weiterkommen bei Reisen aufgrund von Flugausfällen und Bahn-Streckensperrungen. Und hier nun greift das Thema: Wer ist hartgesotten, immer einsatzbereit und kaum aufzuhalten? – Na klar, der Taxifahrer! Und deshalb weiß man auch sofort, an wen man sich in solchen Wettersituationen wendet!
Die Fahrt nach Berlin hat meinen dieswöchigen Umsatz quasi aus dem dritten Kellergeschoß wenigstens ins erste geholt. Da sage mal einer, Wetterkatastrophen sind zu nichts gut! – …wer hat das gesagt?! Iiiich??! Nie im Leben!

Ich würde doch nie etwas so Böses sagen!!

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Werbe-Dödel

Heute erhielt ich eine herrliche e-Mail. Die war so klasse, daß ich sie hier samt meiner Antwort präsentieren möchte:

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Am 29.12.2017 um 12:42 schrieb Franzi:

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Liebe Franzi,

am Ende deiner Mail gab es ein Feld zur Abbestellung deiner Werbung. Abgesehen davon, daß man sich dann noch mehr Werbung einhandelt weiß ich auch nicht, warum ich das tun sollte! Ich habe mich selten so köstlich amüsiert! Eine derartige Ansammlung von absolut idiotischen Sprechblasen, von Rechtschreibfehlern durchsetzt, habe ich selten erlebt. Wen willst du eigentlich damit hinter´m Ofen hervorlocken, liebste Franzi – oder wie auch sonst immer du heißen mögest? Hätte man solche Werbung in unserer ach so geliebten DDR praktiziert, wäre die noch viel früher pleite gegangen.

Ich weiß jetzt auch nicht, wie du es zu Geld bringst ohne diesen Schwachsinn… vielleicht Arbeit? Ansonsten laß dir die Suppe nicht verhageln, ich werde bestimmt noch viel Freude an dir haben und die Leser meines Blogs ebenfalls.

Alsdann tschüß bis zum nächsten Klops!

 

Laßt uns also auf die nächsten Ergüsse warten!

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Der böse Blick

Heute mittag bog ich wie so oft an der Kreuzung Pirnaer Ldstr.  – Stephensonstr. aus Ostrichtung kommend nach links ab. Dabei passiert es höchstens zu 10%, daß einen ein Radfahrer in der Gegenrichtung kreuzt. Heute war es schlicht GANZ anders: In meiner Gegenrichtung kam ein Mann etwa um die 60 auf dem Radweg herange – joggt!
Das erste Fahrzeug in meiner Schlange war zu zeitig durch, um mit ihm in Konflikt zu geraten, der zweite allerdings versperrte dem Jogger kurzzeitig den Weg, was diesen dazu veranlaßte, sich mehrfach umzudrehen und den Autofahrer drohend anzusehen. Er hatte wahrscheinlich irgendwann mitbekommen, daß sich Radfahrer speziell auf dem Radweg im Prinzip um gar nichts mehr kümmern und wollte dieses Privileg auch für sich in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zu Radfahrern allerdings hatte er auf dem Radweg das Handycap, daß er quasi eine 100%ige Fehlerquote hinlegte. Während Radfahrer hier nur mit solchen Lappalien wie Durchfahren bei Rot auffallen, ist bei ihm schon die Benutzung desselben regelwidrig.

Ich finde, daß die Gemeinschaft der Radfahrer an dieser Stelle massiv eingreifen sollte, denn erstens blockieren solche Jogger massiv ihren Highway und zweitens kann es nicht sein, daß noch jemand einen Autofahrer böse anfunkelt!

Dies ist allein das Recht der Radfahrer!

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Schnorrer-Seniorin

Vorige Woche erhielt ich einen Auftrag in Striesen, der nach Flieger oder Bahn aussah, sich im Endeffekt auch als Hbf herausstellte. Fahrgast war eine reifere Dame mit dem Wunsch, daß man das Gepäck aus der Wohnung hole. Ich also hin und ab in den 4. Stock wie ein junges Reh – mit meinem Rücken! Aber was macht man nicht alles für die Kundschaft! Am Hbf waren es dann 15,50 €. Sie gab 20 €, von denen ich als Endpreis ausging. – Aber nein: es gab noch mehr! Es gab nämlich noch genau 50 ct, damit ich einen 5er Schein zurückgeben kann. Ist sie nicht nett?! Ich warf kurz ein, daß das Herunterholen des Gepäcks aus der Wohnung eigentlich eine Extra-Leistung darstellt, worauf sie antwortete: „Deshalb bedanke ich mich auch besonders bei ihnen.“ – Ja, sie ist nett.

Sie hat sich sogar noch nachträglich bedankt, das ist wunderbar.

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Wo liegt England

Mein vorletzter Auftrag heute führte mich zu einem Logistiker, von wo aus ein dem Namen nach nicht in ein Land einordenbarer Mann in ein Hotel der Innenstadt gebracht werden wollte. Welches das war, stand bereits im Auftrag, was dem geneigten Taxifahrer sagen soll: „Da du ja sowieso kein Englisch sprichst, sagen wir dir gleich, wohin es geht.“ Als ich den Mann aufgenommen hatte, entspann sich ein  a u s g i eb i g e r  Dialog. Die nachfolgenden Zitate wurden eigentlich in englisch gehalten, seine Worte in rot, meine in blau:

„Hier…“
„Ich weiß, wohin es geht.“
„Schauen sie…“
„Ich weiß! OKAY!“

Das hatte er offenbar verstanden – das OKAY. Unterwegs wollte ich ihn mit der Geschichte der Straße beglücken, an dem sein Hotel liegt, aber er machte ein unbeteiligtes bis verständnisloses Gesicht.fragezeichen

„Konnten sie mich nicht verstehen?“
„Entschuldigung, ich spreche nur englisch, kein deutsch.“

„Ich sprach die ganze Zeit englisch!“
„Mmhhh, ja…“

Und nun sitze ich vor dem Computer und suche das andere England.

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Allergrößte Not

Am letzten Sonnabend war ich ausnahmsweise auch mal am Wochenende „in der Spur“. Manches läuft anders als unter der Woche, aber eine bestimmte Sache läuft wie eh und je ab: Das Nichtablaufen! Ich meine damit, daß man selten das Glück hat, eine Toilette zu erwischen, wo man seine allergrößte Not lindern kann. Man könnte ja einfach zu einer solchen hinfahren und wäre befreit, aber in diesen Minuten könnte man auch einen Auftrag verlieren. Deshalb hofft man immer auf das Glück, denn vielleicht winkt es einem beim Auftraggeber. Ist dieser allerdings eine Privatperson, hat man Pech. Privatpersonen sind beim Toilettengang tabu. Also hoffte ich am frühen Nachmittag an der Banane auf einen günstigen Wind in Form einer Vorbestellung, der mich in eine Firma treibt.
Groß war deshalb mein Glück, als ich die VB erhielt und die einen Firmennamen zeigte! Ja das war doch optimal! Die Firma befand sich in einer kleinen, schnell zu übersehenden Baracke. Die sah nicht besonders aus, aber es ist ja nun nicht meine Aufgabe, den Erfolg einer Firma am Aussehen ihres Sitzes festzumachen. Die Hauptsache ist ja, sie haben eine Toilette. Auftragsgemäß klingelte ich und es öffnete mir eine junge Dame, die ich für die Sekretärin hielt und deshalb direkt zur Sache kam, indem ich sie um den Besuch der Toilette bat. Merkwürdigerweise sagte sie laut in einer slawischen Sprache etwas in die Nebenräume, woraufhin mehrstimmiges Kichern ertönte. Eine der Kicherinnen war eine junge Frau, die ich im Foyer entdeckte. Ich dachte bei mir: „So ärmlich, wie die gekleidet ist, hat die wohl kaum Grund zur Heiterkeit. Sie aber lachte aus vollem Halse… und da kamen mir schwere Bedenken! Nicht nur, daß ihr Hemd nicht einmal den Po zu bedecken vermochte und auch von obenher etwas herauszufallen drohte, auch das Lachen kam mir bekannt vor. Man hört es in dieser Form oft in Filmen über verschwiegene Etablissements.
In diesen Sekunden lobte ich die Tatsache, daß ich nun mal keine 30 mehr bin, sondern straff auf die Rente zugehe. Anderenfalls hätte ich beim Wasserlassen wohl das eine oder andere Problem gehabt.

Gern hätte ich den Toilettengang weggelassen, aber hierhin kommen nun mal nur Männer, die in allergrößter Not sind.

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Gastbeitrag aus Koblenz

Hallo Taxifahrer, diesen Brief habe ich zum Thema Deregulierung im Netz veröffentlicht. Je mehr der rund geht, desto eher werden wir gehört. Er ist adressiert an die Verantwortlichen für unser Begräbnis:

Liebe Politiker,

was sind wir für Euch wenn ihr uns am Taxistand seht? Vielleicht nur Studenten mit Nebenjob, eventuell Deutscher mit Migrationshintergrund. Ein Niemand, der sonst keine Arbeit findet oder Versager, der in der Schule nicht aufgepasst hat? Jemand der macht was er möchte, Regeln missachtet und immer zu schnell fährt und dann noch viel Geld von seinen Fahrgästen als Bezahlung für eine Autofahrt verlangt und die Notwendigkeit der Taxifahrt in einer Notsituation ausnutzt? Sonst seht ihr nichts? In diesem Fall solltest du genauer hinschauen. Denn so bin ich nicht. Ich bin ein wertvoller Mitarbeiter mit einer liebevollen Familie. Ich bin auch ein kleiner Selbständiger mit einem Taxi und einem angestellten Fahrer, dessen Herz schlägt, wenn er einer älteren Dame die Taschen nach oben tragen darf und dafür angelächelt wird, ein wenig Trinkgeld bekommt und beim nächsten mal wieder gern gerufen wird. Ich bin Familienvater, vielleicht ehemaliger Arbeitsloser und freue mich heute über einen abwechslungsreichen Job. Wahrscheinlich auch ein Mitarbeiter mit wenig Deutsch Kenntnissen, der im Taxigewerbe vollständig integriert wurde und das ohne Integrationsbeauftragte oder nur ein Rentner, der sich etwas dazu verdienen möchte und sich freut noch gebraucht zu werden. Vielleicht auch Unternehmer, der sich mit viel Einsatz und Herzblut mit einer oder mehr Taxen eine Existenz aufgebaut hat. Ich bin Selbständig, da mir die gefühlte Freiheit als Unternehmer mehr wert ist als der mehr oder weniger gut bezahlte Job als Angestellter, manage eine kleine Firma, bin mein eigenes Personalbüro, Finanzbuchhalter, Steuerberater, Web Designer und Fahrer rund um die Uhr, auch dann, wenn Ihr am feiern seid. Ich habe keine Lobby, die sich um mein Gewerbe kümmert, weil im behördlich festgelegten Taxi-Tarif dafür nichts einkalkuliert wird. Meine örtlichen Volksvertreter interessieren sich nicht für mich oder mein Schicksal und ich will sie nicht stören. Ich bin über fünfzig und werde langsam müde. Kennen liberale Politiker keine Gnade, wenn es um die Deregulierung eines Marktes und dessen Marktteilnehmer geht. Ich fühle mich gefangen in meinem Taxi und der Sorge um die Existenz, meiner Zukunft und die kleine privat angesparte Altersvorsorge. Die Möglichkeiten für eine neue berufliche Orientierung sind sehr begrenzt.Trotzdem, tief in mir bleibt die Hoffnung, dass ihr uns nicht den Kapitalisten mit ihrem Investorenkapital, Autokonzernen oder App Entwicklern mit vorgegaukelten Sharing Economy Gedanken zum Fraße vorwerft. Lasst uns die zu hohen Preisen erworbenen Konzession und das Taxi, das ist ein Teil unserer Altersvorsorge! Verscherbelt nicht unser Leben an einen ruinösen Wettbewerb gegen Autokonzerne, Banken und illegale Marktteilnehmer, die das bestehende Gewerbe doch nur zerstören wollen, um es zu eigenen Bedingungen und Preisen neu aufzubauen. Wir haben doch keine Chance gegen die geballte Kraft des Kapitals.

Ist Euch die Gewinnmaximierung weniger Kapitalgeber wirklich wichtiger als unser Lebenswerk? Jeder sollte sein Auskommen haben, unser Einsatz als Retter in der Nacht, Krankenbeförderer, Kofferträger und Seelentröster verdient ein wenig Respekt genauso wie jede andere Arbeit. Denkt daran, eines Tages wird vielleicht auch deine Arbeit von Investoren mit deren Kapital und einem erfolgreichen Lobbyismus geschluckt.

Der Magistrat von München erkannte bereits 1642, dass die Personenbeförderung im Interesse der Bürger ist und führte u.a. die Beförderungspflicht ein. Vergleichbar mit heutigen Taxiordnungen wurde 1804 die erste Droschkenordnung in München eingeführt. Damals waren es Lohnkutscher, heute bezeichnet man uns als Taxifahrer.

Liebe Politiker – dereguliert bitte nicht einen Markt, der seit Jahrhunderten aus gutem Grund reguliert wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Schwartz – Taxiunternehmer aus Koblenz
www.koblenz-taxi.com

 

PS: Diesen offenen Brief schrieb Dirk als Kommentar zu einem meiner Beiträge. Ich fand ihn aber so interessant, daß ich ihn hervorgeholt und selbst als Beitrag deklariert habe

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Recht so

Gerade eben habe ich am Fraunhofer Winterbergstraße abgesetzt. Nach „Danke“ und „Tschüß“ dann Rückwärtsgang rein, Gas und… – Vollbremsung! Hinter mir stand einer und blockierte die Ausfahrt. Nach einiger Rangiererei aber gelangte ich endlich neben ihn und was lese ich da auf einem Schild n seinem Heck: „ZUSTELLFAHRZEUG“!

Es ist doch immer wieder schön, wenn Dinge für ihren ursprünglichen Zweck benutzt werden.

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