Wo liegt England

Mein vorletzter Auftrag heute führte mich zu einem Logistiker, von wo aus ein dem Namen nach nicht in ein Land einordenbarer Mann in ein Hotel der Innenstadt gebracht werden wollte. Welches das war, stand bereits im Auftrag, was dem geneigten Taxifahrer sagen soll: „Da du ja sowieso kein Englisch sprichst, sagen wir dir gleich, wohin es geht.“ Als ich den Mann aufgenommen hatte, entspann sich ein  a u s g i eb i g e r  Dialog. Die nachfolgenden Zitate wurden eigentlich in englisch gehalten, seine Worte in rot, meine in blau:

„Hier…“
„Ich weiß, wohin es geht.“
„Schauen sie…“
„Ich weiß! OKAY!“

Das hatte er offenbar verstanden – das OKAY. Unterwegs wollte ich ihn mit der Geschichte der Straße beglücken, an dem sein Hotel liegt, aber er machte ein unbeteiligtes bis verständnisloses Gesicht.fragezeichen

„Konnten sie mich nicht verstehen?“
„Entschuldigung, ich spreche nur englisch, kein deutsch.“

„Ich sprach die ganze Zeit englisch!“
„Mmhhh, ja…“

Und nun sitze ich vor dem Computer und suche das andere England.

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Allergrößte Not

Am letzten Sonnabend war ich ausnahmsweise auch mal am Wochenende „in der Spur“. Manches läuft anders als unter der Woche, aber eine bestimmte Sache läuft wie eh und je ab: Das Nichtablaufen! Ich meine damit, daß man selten das Glück hat, eine Toilette zu erwischen, wo man seine allergrößte Not lindern kann. Man könnte ja einfach zu einer solchen hinfahren und wäre befreit, aber in diesen Minuten könnte man auch einen Auftrag verlieren. Deshalb hofft man immer auf das Glück, denn vielleicht winkt es einem beim Auftraggeber. Ist dieser allerdings eine Privatperson, hat man Pech. Privatpersonen sind beim Toilettengang tabu. Also hoffte ich am frühen Nachmittag an der Banane auf einen günstigen Wind in Form einer Vorbestellung, der mich in eine Firma treibt.
Groß war deshalb mein Glück, als ich die VB erhielt und die einen Firmennamen zeigte! Ja das war doch optimal! Die Firma befand sich in einer kleinen, schnell zu übersehenden Baracke. Die sah nicht besonders aus, aber es ist ja nun nicht meine Aufgabe, den Erfolg einer Firma am Aussehen ihres Sitzes festzumachen. Die Hauptsache ist ja, sie haben eine Toilette. Auftragsgemäß klingelte ich und es öffnete mir eine junge Dame, die ich für die Sekretärin hielt und deshalb direkt zur Sache kam, indem ich sie um den Besuch der Toilette bat. Merkwürdigerweise sagte sie laut in einer slawischen Sprache etwas in die Nebenräume, woraufhin mehrstimmiges Kichern ertönte. Eine der Kicherinnen war eine junge Frau, die ich im Foyer entdeckte. Ich dachte bei mir: „So ärmlich, wie die gekleidet ist, hat die wohl kaum Grund zur Heiterkeit. Sie aber lachte aus vollem Halse… und da kamen mir schwere Bedenken! Nicht nur, daß ihr Hemd nicht einmal den Po zu bedecken vermochte und auch von obenher etwas herauszufallen drohte, auch das Lachen kam mir bekannt vor. Man hört es in dieser Form oft in Filmen über verschwiegene Etablissements.
In diesen Sekunden lobte ich die Tatsache, daß ich nun mal keine 30 mehr bin, sondern straff auf die Rente zugehe. Anderenfalls hätte ich beim Wasserlassen wohl das eine oder andere Problem gehabt.

Gern hätte ich den Toilettengang weggelassen, aber hierhin kommen nun mal nur Männer, die in allergrößter Not sind.

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Gastbeitrag aus Koblenz

Hallo Taxifahrer, diesen Brief habe ich zum Thema Deregulierung im Netz veröffentlicht. Je mehr der rund geht, desto eher werden wir gehört. Er ist adressiert an die Verantwortlichen für unser Begräbnis:

Liebe Politiker,

was sind wir für Euch wenn ihr uns am Taxistand seht? Vielleicht nur Studenten mit Nebenjob, eventuell Deutscher mit Migrationshintergrund. Ein Niemand, der sonst keine Arbeit findet oder Versager, der in der Schule nicht aufgepasst hat? Jemand der macht was er möchte, Regeln missachtet und immer zu schnell fährt und dann noch viel Geld von seinen Fahrgästen als Bezahlung für eine Autofahrt verlangt und die Notwendigkeit der Taxifahrt in einer Notsituation ausnutzt? Sonst seht ihr nichts? In diesem Fall solltest du genauer hinschauen. Denn so bin ich nicht. Ich bin ein wertvoller Mitarbeiter mit einer liebevollen Familie. Ich bin auch ein kleiner Selbständiger mit einem Taxi und einem angestellten Fahrer, dessen Herz schlägt, wenn er einer älteren Dame die Taschen nach oben tragen darf und dafür angelächelt wird, ein wenig Trinkgeld bekommt und beim nächsten mal wieder gern gerufen wird. Ich bin Familienvater, vielleicht ehemaliger Arbeitsloser und freue mich heute über einen abwechslungsreichen Job. Wahrscheinlich auch ein Mitarbeiter mit wenig Deutsch Kenntnissen, der im Taxigewerbe vollständig integriert wurde und das ohne Integrationsbeauftragte oder nur ein Rentner, der sich etwas dazu verdienen möchte und sich freut noch gebraucht zu werden. Vielleicht auch Unternehmer, der sich mit viel Einsatz und Herzblut mit einer oder mehr Taxen eine Existenz aufgebaut hat. Ich bin Selbständig, da mir die gefühlte Freiheit als Unternehmer mehr wert ist als der mehr oder weniger gut bezahlte Job als Angestellter, manage eine kleine Firma, bin mein eigenes Personalbüro, Finanzbuchhalter, Steuerberater, Web Designer und Fahrer rund um die Uhr, auch dann, wenn Ihr am feiern seid. Ich habe keine Lobby, die sich um mein Gewerbe kümmert, weil im behördlich festgelegten Taxi-Tarif dafür nichts einkalkuliert wird. Meine örtlichen Volksvertreter interessieren sich nicht für mich oder mein Schicksal und ich will sie nicht stören. Ich bin über fünfzig und werde langsam müde. Kennen liberale Politiker keine Gnade, wenn es um die Deregulierung eines Marktes und dessen Marktteilnehmer geht. Ich fühle mich gefangen in meinem Taxi und der Sorge um die Existenz, meiner Zukunft und die kleine privat angesparte Altersvorsorge. Die Möglichkeiten für eine neue berufliche Orientierung sind sehr begrenzt.Trotzdem, tief in mir bleibt die Hoffnung, dass ihr uns nicht den Kapitalisten mit ihrem Investorenkapital, Autokonzernen oder App Entwicklern mit vorgegaukelten Sharing Economy Gedanken zum Fraße vorwerft. Lasst uns die zu hohen Preisen erworbenen Konzession und das Taxi, das ist ein Teil unserer Altersvorsorge! Verscherbelt nicht unser Leben an einen ruinösen Wettbewerb gegen Autokonzerne, Banken und illegale Marktteilnehmer, die das bestehende Gewerbe doch nur zerstören wollen, um es zu eigenen Bedingungen und Preisen neu aufzubauen. Wir haben doch keine Chance gegen die geballte Kraft des Kapitals.

Ist Euch die Gewinnmaximierung weniger Kapitalgeber wirklich wichtiger als unser Lebenswerk? Jeder sollte sein Auskommen haben, unser Einsatz als Retter in der Nacht, Krankenbeförderer, Kofferträger und Seelentröster verdient ein wenig Respekt genauso wie jede andere Arbeit. Denkt daran, eines Tages wird vielleicht auch deine Arbeit von Investoren mit deren Kapital und einem erfolgreichen Lobbyismus geschluckt.

Der Magistrat von München erkannte bereits 1642, dass die Personenbeförderung im Interesse der Bürger ist und führte u.a. die Beförderungspflicht ein. Vergleichbar mit heutigen Taxiordnungen wurde 1804 die erste Droschkenordnung in München eingeführt. Damals waren es Lohnkutscher, heute bezeichnet man uns als Taxifahrer.

Liebe Politiker – dereguliert bitte nicht einen Markt, der seit Jahrhunderten aus gutem Grund reguliert wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dirk Schwartz – Taxiunternehmer aus Koblenz
www.koblenz-taxi.com

 

PS: Diesen offenen Brief schrieb Dirk als Kommentar zu einem meiner Beiträge. Ich fand ihn aber so interessant, daß ich ihn hervorgeholt und selbst als Beitrag deklariert habe

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Recht so

Gerade eben habe ich am Fraunhofer Winterbergstraße abgesetzt. Nach „Danke“ und „Tschüß“ dann Rückwärtsgang rein, Gas und… – Vollbremsung! Hinter mir stand einer und blockierte die Ausfahrt. Nach einiger Rangiererei aber gelangte ich endlich neben ihn und was lese ich da auf einem Schild n seinem Heck: „ZUSTELLFAHRZEUG“!

Es ist doch immer wieder schön, wenn Dinge für ihren ursprünglichen Zweck benutzt werden.

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Weicheier

Nun war also wieder Wahl – in Österreich und Niedersachsen. Schön und gut, Wahlen sind, wie Wahlen eben sind: mal dramatisch, mal langweilig. Darüber aber will ich hier keine Meinung abgeben. Mir geht es heute um meine Erkenntnis, daß in der Öffentlichkeit keiner mehr scharfe Laute in der Sprache benutzen will. Solche wären z.B. ein „ß“ oder ein „sch“. Während der Berichterstattungen im Fernsehen war nämlich ständig von der österreichichen bzw. niedersächsichen Wahl die Rede. Das kommt vielleicht daher, daß das „sch“ im Sächsischen schon immer fröhliche Urständ feierte und wer will schließlich heutzutage mit „denen“ in Verbindung gebracht werden. Obwohls fleischt grade in Sachsen am gemiedlischsten zugeht. Hier kannste jedn Morschen e weesches Ei essn un keener dudd sich dran schdörn! In der feinen Gesellschaft ist das allerdings verpönt… oder heißt das „Gesellchaft“?
Die deutsche Sprache hatte ihre Buchstaben nun aber eigentlich nicht für den alten Fritzen, sondern höchstens für den alten Fritz. Deshalb finde ich das Vermeiden von „sch“ und „ß“ einfach nur…

…Cheise!

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Hunger – Selbstgemacht

Es wäre doch gelacht, wenn meine geliebte Lieblingszeitung nicht wieder einmal einen Artikel bringt, der mir zugleich die Wut- und die Schamesröte auf die Stirn treibt! Seht selbst!

Dynamo-Mamam

Aus der ´Sächsischen Zeitung´ vom 7.10.17

Nun könnte man ja sagen: „Na klar, Plastegeld ist die Zukunft!“ – Aber dann muß es auch immer funktionieren! Bargeld funktioniert seit Hunderten von Jahren und wenn ich auf Plastegeld umstelle, dann muß auch ein Sinn dahinterstecken, wie z.B. Diebstahlsicherheit ö.ä.. Was zum Teufel sollte mich verleiten, solcherart Zahlungsweise für die Verpflegung während eines Fußballspieles einzusetzen? Sind denn die Preise dort schon im Hunderterbereich? Das ganze Konzept ist meiner Ansicht nach komplett hanebüchen, denn Bezahlsysteme mit Vorkasse sind immer abzockverdächtig!
Nun könnte einer fragen: „Aber wieso bei dir Schamesröte?!“
Ganz einfach: das ist das blanke Fremdschämen für meine Geschlechtsgenossen, die wahrscheinlich mehr als 80% der Hereingefallenen ausmachen.

Wie um Gottes Willen soll ich dann noch über Frauen am Steuer schreiben dürfen!?

PS: Hier ein kleiner Nachtrag für Leute, die sich über den Begriff „Plastegeld“ statt „Plastikgeld“ wundern. Es ist einfach so, daß ich erstgenannten Wessibegriff nicht mag.
Hier kommt Berndis kleine Sprachschule 😉 : „Plast“ ist ein chemisch erzeugter Stoff, „Plaste“ sind dessen Plural. „Plastik“ dagegen ist ein dreidimensionales Abbild wie z.B eine Statue. Ausgehend davon ist also eine Münze mit seinen hervortretenden Motiven ein plastischeres Geld als eine EC-Karte.  😉

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Tschüß, Flasche!

Vor einigen Tagen bekam ich einen Auftrag, dem anfangs nicht anzusehen war, worauf alles hinauslaufen würde. Er wurde mit Name, Adresse und Fahrziel Krankenhaus ´Weißer Hirsch´ übergeben. Zur Bestellzeit kamen dann Vater und Sohn aus dem Hause, wobei nur der Sohn der Fahrgast war. Alles war in Ordnung… bis der junge Mann – bereits im Wagen sitzend – eröffnete, er werde erst einmal einen guten Schluck aus der Bierflasche nehmen. Während ich nur sachte insistierte, schnappte sein Vater fast über! Ich verstand: „Ach so, du fährst zum Entzug und willst dich zünftig verabschieden?“ „Genau!“ Aber nicht bei mir im Taxi! Wenn du es durchaus nicht sein lassen kannst, dann setz dich draußen hin, trink deine Flasche aus und dann fahren wir ganz entspannt los.“
Die Wirkung meiner Worte ging allerdings nach hinten los: Er faselte etwas von ´seinem Recht´und ´schon immer so gewesen´ und derlei mehr Schwachsinn. Er führte die Flasche zum Mund, um den Kronenkorken mit den Zähnen zu entfernen: Typische Alkoholiker-Öffnungsmethode, weil man die Hände kaum noch in der Gewalt hat, um den Öffner zu benutzen. Auch dieser Kandidat hatte seine Hände nicht mehr unter Kontrolle, denn ich drehte ihm die Flasche aus der Hand wie einem Baby. …und genauso greinte er denn auch! „Scheiß Taxifahrer!“ „…beschweren“, “ …lizei“ usw. usw. usw…
Ich habe erst nicht begriffen, warum er wegen einer Flasche solch einen Aufriß macht, denn ob er die inner- oder außerhalb des Taxis trinkt, ist ja nun egal. Mir ging erst ein Licht auf, als er mit Händen und Füßen wild gestikulierend an seinen Rucksack stieß. Schließlich weiß ich noch aus Armee- und Baustellenzeiten, wie ein Rucksack voller Bier klingt! Hätte er die alle vorher trinken müssen, wäre er ja während der Fahrt verdurstet.
Jedenfalls habe ich ihn rausgeschmissen und die Zentrale vorgewarnt. Ich weiß nicht, ob er noch hingekommen ist. Das muß ich auch nicht, denn…

…irgendwann endet auch mal eine Beförderungspflicht!

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Mobbing

Langsam glaube ich wirklich, daß Max Verstappen gemobbt wird, denn bei jedem Rennen kollidieren einige Wagen, aber Max ist jedesmal dabei. Ich sitze hier gerade vorm Fernseher, ziehe mir den frustrierenden Rest des Singapur-Rennens rein und bedaure das arme Kerlchen. Ich glaube, er hat nur in 20% aller Rennen das Ziel gesehen. Auch heue wieder wude er in die Zange genommen. Vettel und Raikkönen haben ihn mit vereinten Kräften in die Mitte genommen, um ihn zu „killen“. Dabei ließ sich Vettel nicht einmal von seiner Chance auf Wiedererhalt der WM-Führung beirren. Hauptache, Max ist weg!
Aber ich will nicht meckern, sondern auch einen Vorschlag machen: In Zukunf sollte man Max generell auf Pole setzen bzw. zu einer anderen Zeit als alle anderen starten lassen. Auf diese Weise entgeht er den Attacken und kann ungefährdet gewinnen. Er ist ja sowieso der beste, das sagt er ja selber. Übrigens wäre das auch die optimale Variante, falls er selbst die Ursache der Crashs wäre.

Aber das ist ja reine Utopie!

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Urschrei

Es gibt in meiner Arbeit immer wieder Situationen, wo ich nicht weiß, ob ich lachen oder heulen soll. So hatte ich heute ein älteres Ehepaar aus ländlicher Gegend(exakter gesagt aus einer Gegend, wo Fuchs und Hase zum Gutenachtsagen nicht einmal mehr zueinanderfinden). Die Frau war mehr unauffällig, halt so, wie Frauen mit diesem Hintergrund sind. Der Mann hingegen war recht übereifrig und beratungsresistent.
Ihr Wohnort war mir nämlich nicht so richtig geläufig, weshalb sich der Herr gemüßigt fühlte, mir jeden Stein am Wegesrand zu erklären. Wir waren zum Beispiel weit vor dem Ziel soweit, daß an einer Stelle rechts abzubiegen sei und nach einer weiteren Strecke vor der ehemaligen Kneipe wieder rechts. Wir haben uns dann noch über ebendiese kurz unterhalten, wobei klar wurde, daß wir wirklich dieselbe meinten.
Als wir nun zur ersten Rechtsabbiegestelle kamen, ertönte von hinte: „Hier rechts!“ Darauf war ich ein ganz kleines bißchen angefressen, weil er anscheinend glaubte, ich sei dement. Ich warnte ihn deshalb vor: „Wenn sie vor der ehemaligen Kneipe wieder sagen ´Hier rechts´, dann schreie ich. Das Ergebnis war, daß ich an besagter Stelle einen markerschütternden Schrei ausstieß, der den Herrn wahrscheinlich kurzzeitig versteinern ließ, seine Frau aber zu einem deftigen Lacher reizte.
Was soll ich noch sagen, von „Rechts ist frei“ über „Vorsicht, da kommt einer!“ oder auch „Passen sie auf, die Kurve ist eng“ konnte ich mir die gesammelten Werke unnützer Ratschläge anhören. Es fehlte nur noch, daß er sagt: „Vergessen sie nicht das Luftholen, sonst ersticken sie nämlich!“
Wenn das so weitergeht, verzichte ich auf jegliche Eigeninitiative und fahre nur noch auf Anweisung. Ich weiß zwar nicht, ob ich dann überhaupt noch ankomme oder ob ich das überlebe, aber…

..ich hätte sooo eine mentale Entspannung!

PS: Hauptsache, er vergißt nicht, die Sache mit dem Luftholen zu erwähnen!

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Ich als Psychologe

Es ist doch immer wieder schön, wenn man feststellt, daß die Welt noch in Ordnung ist. Das ist dann der Fall, wenn Dinge erahnbar sind und sogar die Klischees passen.
Ich hatte dieses Vergnügen heute, als ich ein älteres Paar chauffierte. Im Gespräch ging es um Bauen im Allgemeinen und Besonderen und ich erfuhr, daß deren Schwiegersohn Architekt ist. Ich warf dann ein, daß meine Tochter auf dem Weg zum Bauingenieur sei und somit eine der ersten, die die oft überspannten Wünsche der Architekten vom Kopf auf die Füße zu stellen gezwungen sei, denn Architekten seien nun mal nicht studierte Leute mit einem enormen Fachwissen, sondern „Künstler“. Die beiden bestätigten mir, daß sich auch ihr Schwiegersohn mehr so als einsamer Wolf fühle, der zwar keine Schafe reiße, diese aber ob ihres Schafseins bedauere und glücklich ist, daß sie ihn haben.
Nun aber schoß sofort meine hobbypsychologische Ader nach vorn und ich mutmaßte: Wenn das so ist, fährt er bestimmt einen Saab! „Jaa!“ Unisono fuhr dieses aus den überraschten Passagieren hervor. „Wie kommen sie darauf?“ Und so breitete ich meine Hypothese zum Autokauf vor ihnen aus:

Angelehnt an einen Radiobeitrag vor vielen Jahren, in dem es um Vorlieben bestimmter Charaktere für bestimmte Autotypen ging, habe ich diesen Gedanken immer bei mir behalten und auch versucht anzuwenden. So war damals davon die Rede, daß Mercedesfahrer häufig Leute sind, die ihren inneren Machtanspruch häufig im Beruf nicht ausleben können und deshalb im „Bonzenauto“ Kompensation suchen. Eine besondere Spezies in dieser Kategorie ist der „Stellvertretertyp“. Er ist der Meinung, daß er viel besser sei als sein Chef, aber trotzdem immer in der zweiten Reihe stehe.
BMW hingegen steht tatsächlich wie in seiner Werbung für Freude am Fahren und selbstverständlich für Geschwindigkeit.
Tatsächlich sagte eine Statistik, die die Prozentualität der Unfallursachen auf die Fahrzeugtypen umlegt:
50% der Unfälle wegen erzwungener Vorfahrt gehen zu Mercedes und etwa 40-50% wegen überhöhter Geschwindigkeit zu BMW.

Aber nun zu Saab. Wofür steht Saab? Wenn wir ehrlich sind, ist er weder besonders schön, noch repräsentativ, noch sportlich, noch… was weiß ich alles noch.
Eines aber ist er ohne Diskussion: anders! Dieses Auto signalisiert jedem: „Du kannst dich strecken, wie du willst, aber ich bin anders!“
Die Sache mit BMW und Mercedes belegte die Statistik, die mit Saab belege ich, … und zwar mit meinem Volltreffer!

Und nun sagt mal bitte ganz unparteiisch: Bin ich gut?!

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