Winterland

So ein richtig kerniges Winterwetter ist zwar nicht jedermanns Sache, aber hat für uns Taxifahrer zumindest einmal den Vorteil des erhöhten Bedarfs. Prozentual steigt besonders stark die Zahl der fahrwilligen SeniorInnen, denen der – meist kurze – Weg zu ihren Erledigungen zu gefährlich ist. Das ist für mich aber auch in Ordnung, denn erstens habe auch ich eine Mutter, die nicht mehr gut zu Fuß ist und zweitens muß man doch nicht immer Fernfahrten machen, um Umsatz zu generieren. Wenn Schlag auf Schlag eine Kurzfahrt nach der anderen stattfindet, ist das doch auch in Ordnung. Weniger lukrativ wird die Sache aber meist dann, wenn die Prozedur des Ein- und Aussteigens länger dauert als die ganze Fahrt. Davon wissen meist die Fahrer von Großraumtaxen wie ich einer bin ein Lied zu singen. Der schönste Spruch älterer Damen ist immer der hier: „Aber wieso schicken die denn so ein großes Auto?! Die wissen doch, daß ich allein fahre.“ Von computergestützter Vermittlung braucht man ihnen aber dann nichts zu erzählen, das wäre dasselbe, als würde man ihnen ein Backrezept auf Chinesisch vorlesen. Die Vorstellungskraft vermittelt ihnen nämlich folgendes Bild: Nach dem Bestellanruf bei der netten Dame(natürlich bestimmt die Frau des Chefs) geht diese in den Aufenthaltsraum der Fahrer und sagt: „Rudi, nimm dir ma die kleene C-Klasse und fahr zu de Frau Meyer. Die will wieder ma zu´n Friseer!“ Tja, Gottchen, Frau Meyer: So läuft das halt nicht mehr. Wenn sie nicht explizit sagen „Kein Großes“, dann kann schon mal eins kommen. Und glauben sie vielleicht, mir macht ihr Frust Spaß?!
A propos Winterwetter und Fernfahrten: Wenn man auch das ganze Jahr keine Fernfahrten bekommen sollte, bei Mistwetter klappt´s bestimmt! Das brachte mir in den letzten Wintern schon Aue, Hoyerswerda und andere „exotische“ Ziele ein, deshalb war heute mal Weißwasser dran. Wie das allerdings so ist, geschieht einem das nicht am Anfang oder in der Mitte der Schicht, sondern so mehr gegen Ende, damit man auch was davon hat! Mein Spannemann wollte schließlich 18°° Uhr auf´s Auto und ich hatte 18:30 Uhr einen Zahnarzttermin. Da hieß es also bei Abfahrt um 14:30 Uhr: „Flinke Füße“! Und was soll ich euch sagen: Alles geschafft! Ich war in drei Stunden hin und wieder zurück. Zurückzuführen war das auf zwei Fakten: Erstens waren die Straßenbedingungen fast so normal wie an einem feuchten Herbsttag und zweitens waren mehr als 80% der Verkehrsteilnehmer nicht in der Lage, dies zu erkennen. Auf diese Weise hatte ich beim Überholen fast immer ein Geschwindigkeitsplus von 30-40 km/h.

Nach solchen Touren schmeckt das Weißbier dreimal so gut! – Prost!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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