Zähne des Wahnsinns

Ich hatte heute eine ältere Dame im Wagen, die mich erst beinahe in den Wahnsinn trieb und dann beinahe selbst diesem verfallen wäre. Sie sagte mir eine exakte Adresse an und es ging los… mit dem „Gebatsche“. Das ist ein wunderbarer sächsischer Begriff: „batschen“. Es bedeutet so viel wie schmatzen. Meistens geschieht das beim Essen. Die Dame hatte allerdings nichts im Mund außer – ihrer Zahnprothese! Und damit läßt sich´s herrlich batschen! Da kann man nämlich so herrlich dranrum“zuhtschen“(saugen), daß man denkt, eine ganze Herde Schweinchen hockt im Kofferraum. Vor allem dann, wenn der Prothesenträger etwas schwerhörig ist, gewinnt das Problem enorm an Fahrt. Darauf hinweisen kann man natürlich auch nicht, denn das wäre ja unhöflich. Also erträgt man es tapfer und hofft, das Ziel sei bald erreicht. Das war – nein wäre es auch bald! Denn als ich besagte Straße erreichte, begann ich die Hausnummern runterzuzählen. Als ich dann bei x+4 angekommen war und meinte: „Das übernächste Haus ist es.“, begann die Dame zu hyperventilieren und war der Meinung, dies ist nicht besagte Straße, sondern ich müßte links abbiegen. Hier mußte ich aber entschieden insistieren! Ich sagte ihr: „Entweder ist die gesagte Adresse falsch oder ihr Linksabbiegen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht“. Die Dame fing jetzt fast an zu weinen und beschwor mich, doch bitte, bitte links abzubiegen. Gesagt, getan! 30 Meter weiter fanden wir das Haus. Die Hausnummer war richtig, nur die Straße nicht.

Wie wär´s mit einem klitzekleinen Adressbüchlein?!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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4 Antworten auf Zähne des Wahnsinns

  1. Shan Dark sagt:

    Die Straße kann man ja schon mal schnell durcheinander hauen, wenn man so mit seinen Zähnen beschäftigt ist.
    „batschen“ – danke – tatsächlich ein herrlicher und ur-sächsischer Begriff, den ich schon lange nicht mehr gehört habe, da ich mittlerweile schon lang ‚driem‘ wohne.

    • Bernd Bernd sagt:

      Ursächsische Begriffe habe ich in ausreichender Menge am Lager, sie müssen nur meistens erst wachgekitzelt werden. Vor ein paar Tagen fiel mir z.B. bei passendem Anlaß das „Querschln“ ein.

  2. Shan Dark sagt:

    „Querschln“ sagt mir jetzt leider gar nix… hm? :O

    • Bernd Bernd sagt:

      „Querschln“ läßt sich am besten mit „Herumquirlen“ oder „-wuseln“ beschreiben. Wenn z.B. Die Hausfrau beim Wochenendputz ist und nebenbei noch den Sonntagsbraten zubereitet, während sich ihr Filius ständig in ihrer Reichweite aufhält, dann kommt schon mal die Anfrage: „Was querschlst du mir stendisch zwischen de Beene rumm?!“

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