Berufswechsel

Ein 6-Sitzer mit Gepäck im äußersten Südosten der Stadt, das ist doch mal Hoffnung pur! Wenn das zum Flughafen gänge – Nicht auszudenken! Also nichts wie hin an die „HMANN“ und gelauert. Dann etwa 25 Minuten vorher plötzlich „Tütelü!“. Ein Auftrag, vom Kaufland 2 Damen abzuholen und nach Hause zu fahren, und zwar gar nicht mal sooo nah. Also Gas, hin, Damen rein und ab. Unterwegs dann Smalltalk. Meine Ansage: „Wenn man als Taxifahrer was verdienen will, muß man fix sein und deshalb werde ich im Anschluß ganz fix zurückfahren“, wegen der Vorbestellung natürlich. Darauf meinte eine der Damen: „Können sie sich denn nicht überall hinstellen?“. „In Dresden schon“, antwortete ich. Darauf sie: „Dann stellen sie sich doch hin, wo mehr los ist, am Flughafen oder dem Krankenhaus!“ —> „Das hat keinen Sinn, denn da stehen schon eine Menge Kollegen“ —>“Das ist doch aber egal, weil…“ – Hier war ich mit meiner Geduld am Ende. „Möchten sie mir meinen Beruf erklären?“, habe ich sie gefragt, „Ich mache das inzwischen 13 Jahre netto und weiß, was ich tue!“ Daraufhin murmelte sie irgendwas mit abschließendem „Sage ich eben nichts mehr!“ Hat sie auch durchgehalten. War OK. Nur noch böser Blick beim Aussteigen.
Und wenn mir denn schon mein Beruf erklärt wird, sollte ich ihn vielleicht wechseln? Da wäre zum Beispiel Wahrsager. Ich würde mich eventuell „Little Houdini“ nennen. Als ich nämlich pünklich zur Vorbestellung wieder zurück war, es tatsächlich zum Flughafen ging, es dort aber wieder mal nicht so richtig vorwärtsgehen wollte, meinte mein Vordermann: „Das wird bestimmt wieder 16:30 Uhr, daß wir hier wegkommen“. Ich sagte ihm, daß das egal wäre, weil sowieso meine letzte Fahrt, außer – sie geht in die falsche Richtung! Ich muß nämlich zum Fahrerwechsel nach Südosten, deshalb sind Norden und Westen tabu. Dann kam doch noch Kundschaft. Wo wollen sie hin? – Radebeul, also Westen! Diesen Fahrgästen erzählte ich von meinen Unkenrufen und daß ich mich nun noch mal an der Geblerstraße hinstellen müßte, damit ich nicht 20km leer nach Hause fahren muß. Gewiß hätte ich dann das „Glück“, daß ich wieder am Flughafen lande.
So kam es, daß ich etwa 15 Minuten später dort einen Auftrag erhielt.

Das Ziel brauche ich allerdings nicht gesondert erwähnen.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Berufswechsel

  1. Antara sagt:

    Wieso Wahrsager?
    Ich würde eher Lotto spielen.
    Ach ja Houdini war Entfesselungskünstler, kein Wahrsager.

    • Bernd Bernd sagt:

      Selbst wenn Houdini Entfesselungskünstler war, kann doch „Little Houdini“ Wahrsager sein, oder nicht? Der Apfel rollt manchmal etwas weg vom Stamm! 😉

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