Tag des Vergessens

Nachdem Dresden vor Kurzem einen Tag gegen das Vergessen(der Bombenangriffe; d.A.) feierte, habe ich heute einen Tag des Vergessens eingefügt. Das erste Vergessen des Tages stellte ich bereits fest, als ich nach der ersten Tour am anderen Ende der Stadt ankam: Ich hatte mein Wechselgeldportemonaie vergessen! Glücklicherweise war das eine Rechnungsfahrt und ich hatte für´s Erste keine Probleme. Noch glücklicher war, daß der Flughafen nicht weit entfernt war und ich deshalb Geldautomat und Geldwechsler zur Verfügung hatte. Gesagt, getan – ich fuhr dorthin, hob eine „Wechselgeldcharge“ ab und tauschte sie in taxigeeignete Stückelung. Bei dieser Gelegenheit fiel mir eines auf: Warum machen wir Taxifahrer es uns eigentlich so schwer?! Wir fahren tagtäglich hin und her, um am Ende eines Tages eine bestimmte Menge Geldes in der Tasche zu haben. Ich hatte es doch heute viel einfacher: Ich hebe das Geld einfach ab! So habe ich keine Arbeit, kann die Zeit für mich selbst nutzen und habe trotzdem Geld! Meint ihr nicht, das wäre besser?
Sei´s drum, weil ich ein arbeitsscheueramer Mensch bin, fuhr ich trotzdem wie immer. In einer kurzen Phase der Ruhe, der Besinnung und des – Hungers bemerkte ich dann das zweite Vergessen: Ich hatte trotz der Mitnahme eines leckeren Sülzsalates einen Löffel vergessen! Nun könnte man ja sagen: „Na dann iß ihn eben einfach nicht!“ Aber stellt euch das nicht so leicht vor. Wenn man diesen Salat mag und der Appetit darauf unbändig wird, dann ist das ähnlich wie bei einem Junkie auf Entzug – das geht gar nicht! Also woher den Löffel nehmen?? Ich durchforstete meine Maßnahmen gegen das Vergessen, konnte aber nur mit einem Satz Plastebecher gegen das Vergessen meiner Kaffeetasse aufwarten. Hier erinnerte ich mich – An einen Witz, der noch aus Wehrmachtszeiten stammen müßte: „Wenn du einen Deutschen mit einem Eßbesteck und einem Kochgeschirr in den Bau steckst, kommt der ein paar Wochen später mit dem Panzer ´rausgefahren!“ Sollte heißen: Mach was draus! – Und ich machte. So habe ich nämlich immer einige Utensilien bei mir. Leider ist weder Kochgeschirr noch Eßbesteck dabei, aber zu einem Kamm und einem Nagelpflegeset reicht´s noch immer. Schließlich will ich ja mal „Mister Taxi“ werden! 😉  Mit der im Nagelset enthaltenen Schere und so einem Plastebecher müßte doch irgendwas gehen?!
Und es ging! Ich machte einen Schnitt, den man sich folgendermaßen vorstellen muß: Man lege einen Becher auf die Seite und schneide dann von der Trinköffnung ausgehend 3mm über dem Auflagepunkt hinauf bis kurz vor den Boden des Bechers. So erhält man ein stabiles Konstrukt zum Löffeln des Salats. Ich habe ihn sehr genossen! 🙂
Nun ja, was soll ich noch sagen…

Es war zwar ein Tag des Vergessens, aber umsatzmäßig ganz gewiß kein Tag zum vergessen!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Tag des Vergessens

  1. Huuh sagt:

    So lange du zwecks Broterwerb das Haus verlässt und nicht das Taxi vergisst, ist doch noch einiges bei dir in Ordnung.

    Das mit dem Lebensunterhalt per Geldautomat und ohne Arbeit ist keine neue Idee. Ich mache das seit einigen Jahren. Dresden ist eine Stadt der Gespenster, und ich habe mich eingereiht in diese Armee. Kein Geldautomat kommt gegen uns an, jedenfalls nicht vor Monatsmitte. Ich weiß, dass uns viele unter „Gesindel“ einordnen, und wenn man neutral ist, sich umschaut und das Bild in die Zukunft hinein projiziert, kann man bei unserem Anblick tatsächlich an eine Plage denken. Die etwas gemäßigteren Leute nennen uns aber weiterhin Rentner.

    Im letzten Monatsdrittel sieht es bei manchen von uns Klappergestalten oft schon weniger rosig aus. Wir bleiben dann zu Hause oder gleich im Bett, damit man uns nicht mehr sieht.

    Auch die Studienmacher der Europäischen Union sehen anscheinend nur, wenn wir uns am Geldautomaten die Taschen voll stopfen. Vor zwei Wochen veröffentlichte die SZ das Ergebnis einer Studie der EU, nach der 99 (!) % der Dresdener glückliche Menschen sind. Ich habe das im ersten Augenblick in Zweifel gezogen. Nach meinem Eindruck strotzen mindestens 120 % der Einwohner Dresdens vor Glück, und es gibt da ja noch die Dunkelziffer, die, so schätze ich, überglücklich ist.

    Nun ja, 99 % leuchtet uns wohl aus Gewohnheit besser ein…

    Sülzsalat. Brrr! Da schmeißt ja selbst mein Einhorn den Löffel weg.

    • Bernd Bernd sagt:

      Meinst du echt, es gibt den Löffel ab?! Das wäre ja schrecklich! Könnte man den Salat irgendwie „aufpeppen“? Vielleicht wäre irgendwas 120%iges gut… Was denkst du?

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