Taxi als Maßanzug

Was, gibt´s nicht?! Gibt´s doch! Edgar, ein Kommentator des heutigen Artikels von Sash hat den Ausschlag gegeben, daß ich mich heute einem Thema widme, das mich als Taxi-VAN-Fahrer eigentlich weniger tangiert: Behinderte Fahrgäste. Mit „weniger tangiert“ meine ich natürlich nicht: „Die interessieren mich nicht“, sondern: „Die interessieren sich nicht für mich“. Tatsächlich, kein behinderter Fahrgast bestellt ein Großraumtaxi, wenn er nicht wirklich mit vielen Leuten zum Feiern fährt. Die Gründe dafür sind naheliegend. Darüber, in welch beleidigender Form mir manche Fahrgäste bei meinem Auftauchen begegnen, macht man sich gar keine Vorstellung. Am wenigsten akzeptiert man dann die eigene Unzulänglichkeit, indem man besagtes Großraumtaxi nicht einfach ausgeschlossen hat. Für viele ältere bis alte Leute gilt einfach noch die Vorstellung: „Ein Taxi ist eine Limousine und alles andere ist Betrug“. Manchmal ist es direkt ein Wunder, daß die Leute kein Pferdefuhrwerk erwarten.
Dabei ist es doch soo einfach! Für einen erfahrenen Taxifahrer gilt der Ratschlag: „Zeig mir deine ganze Gestalt und ich sage dir, welche Autos du bestellen mußt! Wenn die Leute das erst einmal wissen, dann ist es doch ganz einfach, es bei der nächsten Bestellung… – einfach wieder vergessen zu haben! Und dann komme wieder ich und höre Sprüche wie: „Ein größeres Auto haben sie wohl nicht gehabt? Ich habe doch extra gesagt, für eine Person! Wenn ich das nicht gesagt hätte, schicken die mir wohl einen LKW – oder was?!“
In Gedanken sehe ich dann immer meine Hand an dessen bzw. deren Hals. In der Realität allerdings machen wir meist schon nach 5 Minuten wieder Witze. Das kostet jedesmal unglaublich viel Nerven, aber auch die Einsicht:

Leute, bin ich nicht ein unglaublich guter Schauspieler des Real-Life-Formats?! 😀

PS: Eines habe ich vergessen zu erwähnen: Eine Frau mit starker Gehbehinderung jubelte: „Endlich mal ein Auto, wo ich richtig bequem einsteigen kann!“ Die Dame war etwa 1,95m groß! 🙂

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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