Alte Säcke

Des öfteren errege ich mich über alte Säcke, die nicht mehr so richtig in der Lage sind, ein Fahrzeug ordentlich zu führen und deshalb nur den Verkehr aufhalten. Besondere Kandidaten sind dabei die „Altbiker“, die in Erinnerung des Hochgefühls auf dem ersten Motorrad nun im Alter das Geld für einen richtig schweren „Bock“ haben, dabei allerdings den Verkehr nicht durch Langsamkeit aufhalten, sondern durch einen Unfall, der wie auch immer dadurch entsteht, daß sie dasselbe Gefühl haben wie damals, aber der Körper macht nicht so mit. Gestern habe  ich wieder so einen Typen erlebt… Mich! 🙁
So hatte ich doch pünktlich zur bestandenen Führerscheinprüfung meiner Tochter ein gebrauchtes S51 gekauft, das ich nur noch in einer Werkstatt finalisieren lassen wollte. Ich könnte zwar alles auch noch selbst machen, aber ich habe darauf einfach keinen Bock mehr und außerdem sollte es sein zweites Leben in Profihand beginnen. Diese Werkstatt befindet sich nun aber an der Grenze zwischen Heidenau und Pirna und die Abholung per Transporter hätte mich wieder Geld gekostet, was ich nicht ausgeben wollte.
Das hieß also für mich, trotz eines durchrutschenden Kickstarterhebels, unsicherer Gasannahme sowie Zündaussetzern selbst zu fahren.

So haben wir es zum ersten Mal gesehen

Gesagt-getan! Also fertig machen, Kupplung ziehen, 2. Gang rein, losrennen und Kupplung loslassen und wenn´s nicht anspringt, noch mal Kupplung ziehen, draufspringen, 1. Gang rein, wieder runterspringen und schieben, bis Leben kommt! …Puuuh! Tja, dieses Prozedere hatte ich noch im Kopf wie eh und je… – in den Beinen aber nicht mehr! Irgendwann verhaspelte ich mich, versuchte zu korrigieren, bis mir die Fußraste in die Wade schlug und mich dermaßen aus der Spur brachte, daß ich mich am Torpfosten festhalten mußte.
– Ich ahnte nicht, daß dies einer der schmerzhaftesten Momente seit meinem letzten Bandscheibenvorfall werden sollte! Ich hatte das Gefühl, mein linker Arm müßte jetzt eigentlich neben mir liegen. Deshalb saß ich erst mal 3 Minuten auf dem Moped und holte Luft. Dann jedoch erbarmte sich eine mitleidvolle Seele, die mir den entscheidenden Schubs zum Start gab. Mein persönliches Heldentum ergibt sich nun aus der Tatsache, daß ich die Fahrt trotz Schmerzen angetreten habe und es bis nach Heidenau geschafft habe, ohne daß das Moped ein einziges Mal ausgegangen wäre.
Meine Schulter allerdings wollte keinen Helden akzeptieren und traktierte mich die Hälfte der folgenden Nacht mit ihren Nicklichkeiten. Nach der mitternächtlichen Einnahme von morphiumhaltigen Tropfen war ich zum Glück genügend betäubt, um bis 11°° Uhr zu schlafen. Beim Frühstück dann schaltete ich mir den Fernseher ein und hatte einen schönen Tagesbeginn. Irgendwann wollte ich dann den Sender wechseln und griff ganz spontan und unvorsichtig mit der linken Hand nach der Fernbedienung! – In diesem Moment knackte es in meiner Schulter! Merkwürdigerweise erstarb mein Schmerzensschrei, noch bevor er begann. Es tat nämlich gar nicht weh und auch sonst hatte ich das Gefühl, daß die Schmerzen plötzlich nachlassen. Da hatte ich mir doch wohl die Schulter nur fast ausgekugelt, die dann aber nur auf der Kante saß und beim unvorsichtigen Griff wieder zurücksprang. Ich merke es zwar noch, aber im Prinzip ist wieder alles paletti.

Mein Gott, immer diese alten Säcke!

PS: Für alle, die es noch nicht wissen oder wahrhaben wollen: Ein 30 Jahre altes S51 ist wertvoller als ein moderner Motorroller, und zwar nicht aus antiquarischen Gründen! 🙂

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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8 Antworten auf Alte Säcke

  1. Reinhold sagt:

    Schönes Moped – ichdenke mal du wirst noch viel Freude damit haben.

    • Bernd Bernd sagt:

      Das kann man so oder so sehen: Meine Tochter wird die Freude des Fahrens haben und ich die Freude der Reparaturen. 😉

  2. Wozu Fernsehen alles gut ist… (-:

  3. Numanoid sagt:

    Mit den Dingern hält man, im Gegensatz zu den neumodischen Mofas und Mopeds, wenigstens nicht den übrigen Straßenverkehr auf.

    • Bernd Bernd sagt:

      Allerdings sind sie sehr unsozial. Aus ihnen wird nur beim ersten Kauf von 2 Leuten Nutzen gezogen: Vom Verkäufer durch den Verkaufspreis und vom Käufer durch die Nutzung.
      Bei Rollern der Jetztzeit haben mehr Leute einen Nutzen: Beim ersten Kauf Käufer und Verkäufer und dann aller drei Jahre Recycler und Verkäufer! 😉

  4. Philipp sagt:

    So ein altes Ding wär mir auch lieber als diese modernen.

    Ich sag gern fahrende gelbe Tonne. Gerade diese „Scooter“, an denen ist ja mehr Plaste dran als sonstewas. Furchtbar.

    Gescheite Roller oder Mofas, wie die Hercules bei uns drüben damals, gibts ja heute gar nicht mehr.

    Grüße

    Philipp

    • Bernd Bernd sagt:

      Habe gerade mal schnell nachgesehen, was es damals so im „gelobten Land“ an Mopeds gab und muß sagen: „Ja, das war der richtige Wind“. Warum der Livestyle derzeit so aus dem Ruder gelaufen ist, weiß kein Schwein. Jedenfalls sagte mir einer, dem ich Kennung zutraue: „Wenn die modernen Roller im Schnitt nach drei Jahren die Hufe hochreißen, kannst du sie sofort komplett in die Tonne drücken“. Das glaube ich gern! Wie war das doch gleich mit der ´geplanten Obsoleszens´? 😉
      Wikipedia sagts!

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