Ghost-Guest

Manchmal erlebt man auch nach 20 Jahren Praxis Dinge, die noch neu sind, zumindest für einen selbst.
So landete ich heute am Mittag mangels Alternativen vor dem Krankenhaus Friedrichstadt, wo mir von den zwei anwesenden Kollegen eröffnet wurde, hier stehe man sich genauso die Räder in den Bauch wie an der Uniklinik. Insofern war meine Wahl ja richtig. Wenn überall alles gleich ist, kann man auch überall sein. Nach etwa einer halben Stunde waren wir nur noch zu zweit und ich beschloß, die verbleibende reichliche Zeit für einen kleinen Schönheitsschlaf zu nutzen…
…munter wurde ich durch Geräusche am Auto! Ein junger Mann versuchte die Beifahrertür zu öffnen, schaffte es aber nicht und ging daraufhin hinter das Auto. Ich rief ihn noch mal heran und fragte, was los sei. Schließlich war ich ja nicht der Erste, so daß er mit mir hätte fahren wollen. Er sah mich ausdruckslos an und meinte: „Nichts! Alles gut“. Daraufhin ging er über die Straße, setzte sich auf den Bordstein und guckte in die Gegend. Später legte er sich sogar aufgestützt hin.
Irgendwann stand er plötzlich auf, kam über die Straße und stieg wortlos bei mir zur Mitteltür ein. Auf meine Frage, was das soll, bekam ich keine Antwort. Darauf, was er jetzt hier drin machen wolle, kam nur „warten“.Was soll ich noch groß erzählen, er war quasi für jegliche Art von Kommunikation immun. Ich tat also, was zu tun war und rief unseren Freund und Helfer an. Man versprach mir, jemand zu schicken, sobald ein Streifenwagen frei wird. Dies geschah dann etwa eine halbe Stunde später. Hier wurde nun klar, was wir schon vermuteten: Der junge Mann stammte aus der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses. Er war weiß Gott nicht getürmt, sondern hatte einfach – Ausgang! Ich vermute, das war für ihn ähnlich, als ob man ihn zuhause rausgeschmissen hätte. Und so hat er einfach vor dem Krankenhaus gewartet, daß er wieder rein darf –

wahlweise natürlich auch in meinem Taxi, weil es da so gemütlich ist und ich so lieb aussehe! 😉

 

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Gesundheit, Polizei, Taxi abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.