Alterssturheit

Heute – an einem geschäftlich unterirdischen Tag – hatte ich doch tatsächlich wieder mal eine Entlassung an der „Frieda“: Name und Station bekommen –> oben abholen, alles paletti also. Nun ja – oben ist aber niemand. 2 Schwestern erzählen mir, der Herr wäre schon runtergegangen. Auf den Hinweis, lieber obenzubleiben meinte er, es gäbe ja nur einen Weg. Das beweist: Mit mir hat er nicht gerechnet, denn ich kannte noch einen anderen. Die Folge davon war logisch: Ich verfehlte ihn unten, denn er war schon wieder oben –> die Schwestern, welche ich traf, fuhren mit mir im Lift runter, also hatte mich keine andere gesehen –> also neues Taxi rufen, weil altes nicht gekommen!  Herrlich, langsam müßte auch die allerletzte Schwester wissen, daß bei uns in Dresden die Taxis IMMER kommen. Sei es, wie es sei: Ein Kollege wurde praktisch für nichts hereingerufen, denn inzwischen kreuzten sich mein Weg und der des Patienten. Dem Herrn kam es überhaupt nicht in den Sinn, daß er selbst der Auslöser des Tohuwabohus war, indem er nicht am Ort verblieb. Man ist ja schließlich älter und weiß besser, wie Dinge organisiert werden.
Auf dem Weg in seinen Wohnort passierten wir Dresden-Plauen, wo ich ihm von einer demenzkranken Frau erzählte, die von Bühlau aus bis hier zum Plauenschen Grund immer steif und fest behauptete, ich hätte keine Ahnung und würde völlig falsch fahren. Erst hier erkannte sie die Richtigkeit. Wir erörterten dann die verschiedenen Erscheinungsformen der Demenz und deren Begleiterscheinungen wie z.B. Alterssturheit.
Na sieh mal einer an…

Quod erat demonstrantum!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Alterssturheit

  1. Einhornreiter sagt:

    Wer von Bühlau nach dem Plauenschen Grund nach einem Taxi ruft, hat tatsächlich keine Ahnung. Als kundenfreundlicher Mitmensch könntest du der alten Dame endlich mal beibringen, dass für diese Strecke ein Motorboot dreimal kostengünstiger ist.

    • Bernd Bernd sagt:

      Diese Idee hatte ich ja ebenfalls, aber der Bootsverleih hatte nur noch Wüstenschiffe im Angebot und diese lehnte die Dame ab, weil die so hin und her wackeln. Außerdem könne sie sowieso nicht schwimmen.

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