Wenn ich erzähle, daß ich heute den halben Nachmittag Klimmzüge gemacht habe, denkt bestimmt jeder, ich hätte mich in der „Mucki-Bude“ gequält. Das wäre natürlich schon mal deswegen falsch, weil ich niemals in eine solche hineingänge. Schließlich wöllte ich ja trainieren und nicht posen, denn nur dafür ist sie ja da. Aber der Verdacht wird noch viel falscher, weil ich durchaus nicht trainiert, sondern… gesucht habe! Ich muß hier vorausschicken, daß ich wahrscheinlich eine extrem fremdartige körperliche Konstitution habe. Normalerweise ist es ja so, daß ältere Menschen größere Gehörprobleme haben als junge, natürlich auch als sie selbst noch jung waren. Da meine Mutter bereits im Alter von Mitte 50 Hörprobleme bekam, war ich mir sicher, daß mir das auch droht. Verschärfend kam hinzu, daß ich 6 Jahre lang Disko gemacht habe und ebenfalls 6 Jahre lang im Heizkraftwerk beschäftigt war und wer beides schon mal kennengelernt hat, der weiß um die Gehörbelastung. Aber wie sagte doch schon Mephisto sinngemäß: „Alle Theorie ist grau, teurer Freund!“. ![]()
Und so kommt es auch, daß ich selbst jetzt mit 70 nicht von Hörschäden berichten muß, die natürlich nicht gerade das schönste Ereignis darstellen würden. Ich habe im Gegenteil festgestellt, daß ich extrem(st) gut höre. Es ist medizinisch erwiesen, daß Hörverluste immer im hohen Frequenzbereich beginnen, weshalb auch meine Mutter über die „Musikschwelgungen“ meines Vaters berichtete, daß sie immer nur „Bum-Bum“ höre. Mir kam es aber mit der Zeit verdächtig vor, daß ich PKWs mit eingebauter Marderscheuche perfekt enttarnen konnte, woraufhin ich begann, mich zu informieren und dies kam dabei heraus:
Diese Geräte arbeiten mit Hochfrequenzen, Billiggeräte mit meist 12 kHz und bessere häufig mit 24 kHZ. Beides trifft sich bei 12 kHz, denn eine Halbwelle von 24 ist 12 kHz. …Und das ist genau ein hörbarer Bereich! Für den Menschen gerade noch, aber für Tiere mittendrin, weshalb sie auch die Flucht ergreifen, wenn ihnen ein für sie ganz normaler Ton mit bis zu 110dB in die Ohren knallt. Tjaaa…, wenn man nun aber wie ich diesen Frequenzbereich deutlich wahrnimmt, ist man der „Gearschte“! Mir fallen jedesmal fast die Ohren ab. Der größte Krachmacher in meinem Umfeld ist der PKW-Lader einer Mitbewohnerin. Diesen kann ich aber gücklicherweise in den Skat drücken, denn ich MUSS ihn mir ja nicht anhören. Wenn ich in Tiefgarage bin, während er läuft, gehe ich einfach einen Schritt schneller und die Sache ist gegessen.
Heute aber hatte ich einen solchen Störenfried in meinem Zimmer und… fand ihn nicht! Normalerweise breiten sich tiefe Töne kreisförmig und hohe linear aus, aber hier war es anders. Die Töne waren mit um die 10 kHz extrem hoch, aber nicht zu lokalisieren. Es war nur klar, daß sie ausRichtung der Außenwand kamen. Um auszushließen, daß sie vom Nachbarn kommen, ging ich fragen. Das war allerdings(wie schon vermutet) aussichtslos, denn meine Nachbarn sind in den 80ern. Erst später erfuhr ich, daß ein weiblicher Geburtstagsgast des Hausherrn(! Wußte ich nicht! Asche auf mein Haupt.) es auch gehört hatte. Sie war wesentlich jünger. Das war schon mal wichtig für meine Psyche, denn obwohl das Geräusch im exakten 1Sekunden-Abstand erfolgte, weiß ich ja nicht, ob mein Geist schon am Ende ist.
Dann aber erschien Licht am Ende des Korridors: Meine Frau hatte gesehen, daß die Ladestation des Mähroboters von dem Mieter des EG genau 3m unter meinem Fenster steht.
Der Zufall wollte es, daß ich nach langer Flucht aus meinem Zimmer 10min vor 20°° das Vorhandensein des Geräusches prüfte und das auch feststellen mußte, nach dem Weggehen aber wieder umkehrte, weil ich etwas vergessen hatte und… da war es weg! Ich bin aber trotzdem noch besorgt, denn ich sinniere: Ist meine Abstammungsgeschichte schlüssig? Stamme ich vielleicht von einem Marder ab? Hat man mir vielleicht meine Herkunft verschwiegen?!
Da tun sich Abgründe auf!

