Rückgabe

Wäre ich gläubig, würde mein heutiges Abendgebet folgendermaßen lauten: „Oh Gott, bitte sei gnädig mit deinem Diener und nimm den Tag, den du mir gegeben, wieder zurück!“
Eine erste Einstimmung gab mir eine Touristin am späten Vormittag, als ich etwa 1,5 Stunden den Standplatz „Hilton“ hütete. Sie trat nämlich mit der Frage nach dem Eingang F der Frauenkirche an mich heran. Ich schaute an ihr vorbei zur Frauenkirche, um den nächstliegenden Eingang erkennen zu können. Und siehe da – oh Wunder – es war der Eingang F! Nun müßte man ja vermuten, sie äußert sich in der Form: „Ach ich altes Schussel!“ oder ähnlichem. Aber auf den Spruch, der dann kam, hätte ich niemals getippt. Sie folgte nämlich meinem Fingerzeig, erkannte den mit „F“ überschriebenen Eingang und meinte dann fragend: „Das ist also die Frauenkirche?!“ – Leute!! Was haben wir Dresdner nur verbrochen, daß wir solche Touristen bekommen! Kann man sich denn nicht vor einer Städtetour halbwegs informieren, wie die Sehenswürdigkeiten in etwa aussehen, um sie dann auch zielgerichtet ansteuern zu können?!
Zum Glück meldete sich 5 Minuten später mein Funkgerät mit einer Vermittlung, was meine Laune sofort hob – denn ich wußte noch nicht, was mich jetzt erwartet.
In einem Café im Zentrum nahm ich eine ältere „Dame“ auf, die mir ihren Wohnort in etwa 8 km Entfernung ansagte. Irgendwie schienen mir aber sowohl ihre Bekleidung als auch ihr Gebaren etwas mysteriös. Auf Nahdistanz im Taxi roch ich dann auch den Grund. Sie war halt mittelprächtig alkoholisiert – um 11:30 Uhr! Schon auf der Fahrt wühlte sie laufend in den Taschen und überlegte laut, ob sie auch alles dabeihabe. Ganz wohl war mir dabei natürlich nicht. Am Ziel angekommen, gewannen meine Befürchtungen Gestalt: kein Geld! In der Hoffnung, daß sich in der Wohnung etwas findet ging ich bis vor die Wohnungstür mit. Allerdings war auch dort außer planlosem Herumgerenne nichts Effektives an Geldbeschaffung zu bemerken. Mein Hinweis, auf die Sparkasse zu fahren zeitigte nur den mentalen Ausbruch: „Scheiß Sparkasse!“. Da das alles zu nichts führte, rief ich einfach die Polizei an, um wenigstens mein Recht am Fahrpreis zu sichern. Diese kam auch recht bald und nahm mit Routine das Heft des Handelns in die Hand. Die ganze Konfusion der Frau zeigte sich dann in einer Szene während des Gesprächs: Als die beiden Beamten mit der Frau in die Wohnung traten, ging auch ich hinterher und stellte mich zwischen beide. Daraufhin sah mich die Frau an und sagte: „Sie habe ich heute auch schon mal gesehen!“, woraufhin einer der Beamten mit kaum verhehlter Heiterkeit bemerkte, ich sei ja auch ihr Fahrer gewesen. Darauf sie: „Oh ja, mit ihnen fahre ich gern wieder!“, worauf es mir entfuhr: „Das glaube ich gern, wenn´s nicht´s kostet!“
Die ganze Sache endete schließlich wie das Hornberger Schießen. Im Portemonnaie der Dame fand sich schließlich genug Kleingeld zum Begleichen der Rechnung.

Ich glaube, hier gibt es eine Baustelle für die Verwandten.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Rückgabe

  1. K. Singh sagt:

    Hallo liebe Freund !!!!!!!!!!!!!!!!!!!! 🙂 🙂 🙂

    Habe gegeben eine Kollege Deine Telefon Numer fuer bestellen Taxi in Dresden hoffe ist alles gute gegangen? LG Dein Singh

    • Bernd Bernd sagt:

      Der Anruf ist gutgegangen. Ansonsten konnte ich persönlich aber nicht helfen, denn ich habe auch einen Feierabend. Aber ich habe ihn weitergeleitet.

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