Der Feind von nebenan

Als Taxifahrer hat man es nun wahrlich nicht leicht, sein Geld zu verdienen. Nach jeder einzelnen Tour gibt es eine Jagd vergleichbar der nach dem goldenen Kalb. Es ist leicht vorstellbar, daß es einige juckt, ihren Umsatz mehr oder weniger legal zu verbessern, sei es auch um den Preis des Austricksens von Kollegen. Dieses ist, wenn es denn stattfindet, eigentlich schon ein Riesen-Ärgernis. Es ist aber nichts gegen die Tatsache, daß sich schon Kollegen untereinander unlauterer Methoden bezichtigen und nicht einmal auf die Idee kommen, daß es vielleicht ganz einfache oder halt auch etwas verworrene Gründe gab, die die betreffende Situation hervorriefen. So ungefähr nach dem Motto: Ich klage dich an und deine Unschuld mußt du beweisen!
So geschah es mir heute, daß ich mir eine Freigabe für einen 5-Sitzer an einem der hiesigen Hotels „angelte“. Als ich dort ankam, waren aber keine 5 Personen mehr anwesend, sondern nur noch zwei! Auf meine Anfrage: „Für 5 Personen?“ antwortete einer: „Einige sind schon weg“. Somit nehme ich doch an, daß die fehlenden 3 irgendwie anders wegkamen. Während die beiden Herren einstiegen, fuhr ein weiteres Taxi vor (aus meiner eigenen Firma), was ich nicht weiter beachtete. Ich brachte die Herren zu ihrem Ziel und damit war es auch gut …oder eben nicht:
Etwa 3 Stunden später traf ich den Kollegen von vordem an einem stadtäußeren Taxistand wieder, wo er mich massivst beschimpfte wegen ´Wegladens´. Erst nach mehrfacher Nachfrage erfuhr ich, worum es eigentlich geht. Folgendes war passiert: Im besagten Hotel wollten 7 Menschen zum selben Fahrziel. Sie bestellten aber keinen 7-Sitzer, sondern zu je 5 und 2. So kam es, daß bei meiner Ankunft nur noch die beiden Herren anwesend waren, weil die anderen bereits mit einem „anliefernden“ Großraumtaxi abgefahren waren. Mit ihrer Ansage: „Einige sind schon weg“ glaubte ich natürlich, daß die 3 anderen gemeint sind. In Wirklichkeit waren aber die 5 anderen gemeint. Da ich nun keinen Einblick in die Vermittlung habe, konnte ich natürlich nicht wissen, daß es 2 Bestellungen gab. Die beiden Herren wären also die Fahrgäste meines Kollegen gewesen, während meine ´weggeladen´ wurden. Nun warf mir also mein Kollege vor, ich hätte das bewußt gemacht, denn ich hätte ja erst an der Rezeption fragen müssen. Na klasse! Mach das mal, wenn die Leute das Auto entern!
Und was lehrt uns das?

Um als Betrüger abgestempelt zu werden brauchst du keine schlagzeilenheischende Presse, auch keine mißlaunigen Fahrgäste, sondern nur solche Kollegen!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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