Therapie erforderlich!

Am heutigen späten Vormittag erhaschte ich mal eine Fahrt zum Flughafen. Sonst eigentlich immer eine runde Sache glaubte ich heute eher an Murphy´s Gesetze, denn eigentlich hatte ich eine geplante Fahrt. – Nun gut: Das Erledigen der geplanten Fahrt im Anschluß habe ich abgeblasen, denn dann hätte der Fahrgast recht lange warten müssen. Das will man ja nun auch nicht.
Aber nicht der Geschäftsgang dieser Tour ist erzählenswert, sondern eine Begebenheit unterwegs:

Auf der Hansastraße (dem Vor-Zubringer zur Autobahn) bemerkte ich, daß meine Fahrspur die langsamere ist. Ich prüfte deshalb auf eine Lücke in der linken Spur, befand sie als groß genug und setzte den Blinker. Und nun begann der Spaß! Der Wagen links hinter mir war zwar ausreichend weit entfernt, erhöhte aber sofort nach Beginn meines Blinkens die Geschwindigkeit. Auch jetzt war er aber noch weit genug hinten, daß ich rüberziehen konnte. Merkwürdigerweise schien aber irgendeine geheimnisvolle Verbindung zwischen meinem Lenkrad und seinem Gaspedal zu bestehen. Je weiter ich in seine Spur eintauchte, um so schneller wurde er. Irgendwann war dann allerdings Schluß, denn durch mich hindurchfahren konnte er ja nicht. Statt dessen zog er die Lichthupe und ließ sekundenlang nicht mehr los. Ich habe mich dann natürlicherweise nicht weiter für ihn interessiert und zog davon. Die Autobahn war schnell erreicht und fast ebenso schnell wieder verlassen, aber – an der Stelle, wo sich A4 und A13 trennen, rauschte einer 2 Spuren neben mir vorbei und hupte 2mal lang und kräftig.
Und seitdem überlege ich wie bei einem Gemälde von Picasso: Was will mir der Künstler damit sagen? Zuallererst sei zu konstatieren, daß er 2mal lang hupte. Das wäre also nach Lesart des Herrn Morse ein „M“. Was also bedeutet dieses „M“? Vielleicht „Mist!“ oder „Mach das nicht noch mal!“ oder „Mit dir rechne ich noch ab!“ oder vielleicht schlicht und einfach „Mamiii!“? Auf jeden Fall war eines klar: Er hatte ein internes Problem. Nun gibt es ja deren viele, die in Kreisen der Neurologen alle einen Namen haben. Ich glaube hier aber eher an das bei Ärzten vielleicht eher unbekannte Stellvertretersyndrom. Dieses entsteht, wenn ein Mensch trotz seiner Meinung nach adäquater Leistung ständig nur in der zweiten Reihe steht, also höchstens Stellverteter wird. Solche Menschen können es partout nicht ertragen, auch noch außerhalb ihrer Arbeitswelt nur Zweiter zu sein. Wichtig kann es deshalb auch sein, den Grad ihrer Erkrankung festzustellen. Je länger nämlich die Erregung über „ungeheuerliches Geschehen“ anhält, umso länger ist besagter Fahrer auch nicht in der Lage, sich auf die momentanen Verkehrssituationen zu konzentrieren.

Wissen würde ich gerne folgendes: Wenn ich nicht zum Flughafen Dresden gefahren wäre, sondern nach Tegel und er vielleicht nach Potsdam, hätte er am Kreuz Schönefeld auch noch gehupt und wenn ja, wie lange?

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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