„Es geht gar nicht weit“

Dieses ist ja der bewußte Satz, der einen Taxifahrer die Augen verdrehen läßt. Ich durfte ihn mir heute auch anhören, und zwar im Verein mit Offenbarungseiden über das Hinterland des Taxigeschäftes. Ich meine – Man muß ja als Fahrgast gar keine Interna wissen, aber wenn man welche erfährt, versteht sie gar nicht und will trotzdem darauf reagieren, dann ist das schon skurril…
Heute erhielt ich einen Vorbestellungsauftrag mit dem Hinweis „Fahrgast kommt raus“. Das heißt für mich, ich brauche oder soll nicht klingeln. Ich fuhr also die immense Entfernung von 300m zum Abholort und wartete brav die 15 Minuten Vorlaufzeit ab. Pünktlich 1 min vor Bestellzeit kam schließlich ein Herr auf mich zu. Noch bevor ich ihn zum Einsteigen auffordern konnte, schmetterte er mir entgegen: „Die kommen schon!“ Tja, er war nicht mein Fahrgast, sondern ein älteres Ehepaar, welches exakt zur Bestellzeit am Wagen erschien. Kurz darauf fiel der Satz des Grauens, woraufhin ich die Dame bat, mir bitte nicht die Höchststrafe zu verpassen. Nachdem wir etwas ins Gespräch darüber kamen, meinte sie: „Ein Fahrer hat mal zu mir gesagt, wenn ich so lange vorher bestelle, verlöre er viel Zeit. Deshalb habe ich dann immer erst 2 Stunden vorher bestellt“. Ich habe ihr dann die Sinnlosigkeit dieses Verbesserungsvorschlages klargemacht, indem ich ihr etwas von einer Viertelstunde Vorlaufzeit bei jeder Vorbestellung erzählte. Was kam, hätte man eigentlich ahnen könne: „Da werde ich in Zukunft eine Viertelstunde vorher bestellen.“ – Oh Himmel, was habe ich bloß verbrochen?! Schließlich waren wir soweit, daß man eigentlich direkt bestellen könnte. Nun kam aber die Frage, ob das denn dann auch immer klappt. Richtig, es klappt nicht immer, aber das geschieht nur in höchstens 2% aller Fälle. Davon kann man dann noch die Hälfte abziehen, die nur wenig später eintrifft. Ich meine, 5 Minuten wartet man sowieso oft, wäre also vertretbar. Was spräche also dagegen, die Vorlaufzeit zu kürzen. Sie kann auch gut und gern auf 5 Minuten reduziert werden, denn das klappt eben zu 95%. Warum sollen wir diesen 95%igen Zeitverlust auf unserem Rücken austoben lassen, wenn er sinnlos ist?
Natürlich gibt es wie bei fast jedem Problem noch eine oder mehrere Lösungen. In diesem Fall hätte ich eine. Diese heißt: Prämienzeitlohn auf Basis des Mindestlohnes! Dann wäre mir die Länge der Vorlaufzeit egal.

Also dann frischauf an´s Werk, Mindestlohn eingeführt und Vorlaufzeit eine halbe Stunde!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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Eine Antwort auf „Es geht gar nicht weit“

  1. Steffen sagt:

    Das ging mir gestern auch so .. Autohof Washintonstr .. Nettes älteres Ehepaar grad von der Kur zurück .. ich war noch nicht richtig ausgestiegen hieß es schon „Es geht aber nicht weit“ .. das erinnerte mich gleich wieder an Deinen Beitrag 🙂 .. ich sagte den Leuten das ist doch nicht schlimm, allerdings bräuchten sie nur die Zieladresse sagen, weit ist relativ .. Fahrgäste nebst Gepäck ins Auto und los ging’s .. letztendlich standen 10,40 auf dem Zähler .. da möchte ich nicht Wissen was bei den lieben Leutchen weit ist 🙂 ..

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