Sil-Neujahr

In Taxikreisen erzählt man sich immer, wie Silvester gelaufen ist. Da kann ich nun weiß Gott nicht mitreden. Schließlich fahre ich nur Tagschicht und ich werde einen Teufel tun, das wieder zu ändern!
Deshalb habe ich meinem heutigen Beitrag obigen Titel gegeben, damit jeder weiß, worum es geht.

Ich habe meinen ersten Dienst des neuen Jahres ganz bewußt erst um 9 Uhr und ein bißchen begonnen. Es war nicht deswegen, weil ich noch betrunken gewesen wäre von meiner „geilen Silvesterparty“(Schließlich war ich um 22:30 Uhr im Bett!), sondern weil mein Spannemann dann noch etwas Umsatz machen kann (und den hat er!) und ich auf diese Weise weniger Gefahr laufe, Trunkenbolde aufnehmen zu müssen. Allen guten Wünschen zum Trotz waren die ersten beiden Fahrten trotzdem mit Kunden dieser Gattung, aber glücklicherweise ohne Probleme. Bei meiner dritten Fahrt (oder sollte ich sagen ´Nicht-Fahrt´) sah das dann schon anders aus! Der junge Mann, der aus der ´Scheune´ kam, wollte nach Pirna, aber halt erst noch schnell eine rauchen. Nun ja… ich bin ja kein Unmensch! Also rauch in Gottes Namen und dann fahren wir los. Dumm nur, daß während der kurzen „Rauchunterhaltung“ das Wort „Geld“ fiel, sowie „bißchen weniger“ und „Rabatt“, „ohne Uhr“… , na ja die ganze Palette von Eiereien über´s Bezahlen. Aus diesem kühlen Grunde wollte ich vorab gerne einen Schein oder einen Ausweis gezeigt bekommen, mit welcherlei Artikeln der Kunde leider nicht dienen konnte. Wir beiden Königskinder kamen also nicht zusammen, was den jungen Mann zu Anwürfen hinriß wie: „bescheuerte Kutscher“, „habt´s nicht mehr nötig“, „zu faul zum Geldverdienen“ und halt noch mehr solcher Weisheiten. Es war also auf jeden Fall genug Munition, um meine Halsschlagadern auf ungeahnte Durchmesser zu bringen, aber… Nein! Nichts dergleichen geschah mir! Ich war einfach nur enttäuscht und traurig. So jung und schon so doof! Dabei war er nicht einmal unsympathisch! Auch ist ja nicht gesagt, daß ich am Ende der Fahrt kein Geld bekommen hätte. Aber soll ich denn solche Experimente mit planungsresistenten Erdenbürgern schon am ersten Tag eines Jahres machen?! Wenn er schon nicht weiß, wie lange sein Geld für Alkohol reicht, dann muß er doch wenigstens seine Ausweispapiere bei sich haben! Die hätte ich mir abgeschrieben oder fotografiert, einen Schuldschein unterschreiben lassen und dann wäre er zu Hause gewesen!
Sei es, wie es sei – ich habe einen guten Tagesumsatz gehabt und zwar höchstwahrscheinlich

Nicht trotz, sondern wegen dieser Ablehnung!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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