Hilfssheriffs

Heute erhielt ich wieder einmal ein schönes Beispiel der in Dresden ach so geliebten Schulmeisterei. Wenn ein Verkehrsteilnehmer also der Meinung ist, ein anderer habe sich nicht rechtmäßig verhalten, weist er ihn in irgendeiner Form nachdrücklich darauf hin.
Das geschah, als ich einen Kunden aus der Kreischaer Ecke nach Johannstadt fuhr. Als ich – aus Lockwitz kommend – an der Michaelisstr. nach links abbiegen wollte, nahm ich natürlich die für Linienbusse reservierte Linksabbiegespur, da diese für die Benutzung durch Taxis erlaubt ist. Als ich dann an der roten Ampel des Langen Weges anhalten mußte, stand neben mir ein Lieferwagen mit einem Bekannten aus meiner nächsten Umgebung am Steuer. Nachdem ich Aufmerksamkeit heischend hupte, schaute er zu mir und drohte spaßig belehrend mit dem Zeigefinger. Vor dem Gedankenaustausch kam aber schon das Grün der Ampel und die Aufklärung mußte warten.
Heute nachmittag schon traf ich ihn wieder und wir konnten den Sachverhalt in aller Heiterkeit aufklären. Es ging tatsächlich darum, daß er es für frech von meiner Seite hielt, daß ich die Busspur benutzte. Auf die Frage, wieso ich das darf, konnte ich mit gutem Gewissen die Richtlinien für den Betrieb von Taxen in Dresden angeben. Diese stehen nun aber nicht in der Straßenverkehrsordnung und sind dem Außenstehenden deshalb unzugänglich.  – Und hier greift nun eine Eigenart der meisten Menschen in unserer Stadt und Region: „Was ich selbst nicht kenne, das gibt es auch nicht!“ Und genau deshalb wird man bei uns „verhupt“ für Handlungen, die vollkommen legal sind.
Besonders auffällig ist dies auch in Bezug auf die Taxispur aus der Güntzstraße auf den Sachsenplatz. Dort werde ich in etwa 60% aller Fälle „verdrängelt“, komischerweise meist von Frauen. 😉
Um das Ganze zusammenzufassen: Kann man denn nicht einfach die Leute fahren lassen, wie sie fahren, solange sie einen selbst nicht behindern?!

Ich würde es manchmal lieben, wenn man mich mehr ignorierte! 😉

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Ethik, Taxi, Verkehr abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Hilfssheriffs

  1. Huuh (rrah!) sagt:

    Wie ich hier schon mal sagte, bin ich meistens auf dem Pferd in DD unterwegs. Meine Erfahrung ist: Die meisten Leute ignorieren mein Pferd. Einige ignorieren aber auch mich, und es gibt Leute, die ignorieren uns alle beide. Ich kann mich alles in allem also nicht beklagen.

    Äpfel biete ich heute gar nicht erst an.

  2. Tobias sagt:

    Richtige Schulmeisterei hab ich in DD eigtl. nur einmal erlebt. Und das waren zwei Auswärtige 😀

    Ansonsten habe ich das Gefühl, dass sich viele Dresdner, gerade, wenn sie gerade aus einem Stau kommen, wie die Bekloppten benehmen. Da wird bei Spätrot über die Ampel geknallt, gerast was das Zeug hält und gegenseitige Rücksichtnahme ist Fehlanzeige!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.