Verkaufsoffener Sonntag

Bei uns in Dresden läuft derzeit eine heiße Diskussion über verkaufsoffene Sonntage. Derzeit geht es offiziell nur um Sonntage im Vorfeld von Weihnachten, aber glaubt mir, die Messer sind gewetzt und sobald die Öffnungsbefürworter auch nur die geringste Schwäche zeigen brechen alle Dämme! Bezeichnend für diese Art von Wahlkampf ist, daß in den Zeitungen täglich Anzeigen von Befürwortern des verkaufsoffenen Sonntages geschaltet werden. Die Frage, wer diese wohl sind, erübrigt sich eigentlich: Firmeninhaber bzw. deren Manager! Das ist ja auch klar, denn welcher Angestellte hat schon das Geld für Gegenanzeigen. Wenn die Entscheidung über diese Sonntage vom Volke getroffen würde, bräuchte man diese Anzeigen wegen Nutzlosigkeit gar nicht, denn schließlich sind Angestellte des Handels mit ihren Angehörigen extrem in der Überzahl gegenüber Eigentümern und Managern. Leider aber wird im Stadtrat darüber entschieden und in diesen hat man nicht immer Einblick. Zum Glück gibt es auch dort Gegner, aber die brauchen Unterstützung!

Deshalb bitte ich an dieser Stelle alle, die immer oder zeitweise bei mir mitlesen um ihre Meinung: Sonntagsöffnung JA oder NEIN? Schon morgen könnte es nämlich euer Problem sein, dann wenn erstmal ein Präzedenzfall geschaffen ist.

PS: Wer unbedingt sonntags shoppen gehen will verrät mir bitte, wo er das Geld dafür hernimmt. Vielleicht lerne ich noch was!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Handel, Regionales und Lokales abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten auf Verkaufsoffener Sonntag

  1. Wir kämpfen hier in Berlin ständig mit den Kirchen, die die ohnehin sehr spärlichen Möglichkeiten zur Sonntagsöffnung immer wieder versuchen zu untergraben. Über die Interessenlage der Angestellten will ich nicht philosophieren — es gibt da sicher beide Ansichten, die einen, die am Sonntag zum Arbeiten gezwungen wären, das aber nicht wollen, und die anderen, für die das Vereinbarkeit mit anderen Aktivitäten wie Studium verbessern würde, von Sonntagszuschlägen ganz zu schweigen.

    Klar ist nur: Eine Weltstadt, in der alle Läden am Sonntag zu sind, ist ein Witz. Das schadet dem Tourismus, dem notleidenden Handel genauso. An mir als Einwohner würde der Handel natürlich nicht signifikant mehr verdienen, denn ich habe dadurch ja nicht plötzlich mehr Geld (bei Touristen ist das schon was Anderes, die können sich durchaus aussuchen, wo sie ihr Geld ausgeben). Aber ich könnte das, was ich habe, entspannter ausgeben.

    Leider ist es zur polnischen Grenze etwas zu weit von hier, denn da ist das mit der Sonntagsöffnung erstaunlicherweise gar kein Problem, obwohl die das erzkatholischste Land sind, das man sich vorstellen kann.

    Nur hier machen die Kirchen immer Streß. Echt nervig.

  2. Klaus sagt:

    Meine Meinung zu diesem Thema habe ich hier mal aufgeschrieben.

  3. Bernd sagt:

    Erst mal kurz was technisches: Bitte in Kommentaren keine Links, die nicht in einem neuen Tab öffnen!
    Zum Thema: Ich glaube, ich bin hier auf Hardcoreshopper gest0ßen! So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Erst mal kurz zum Thema Kirche: Die ist für mich keine Institution und ihre Meinung ist nur zu den Themen relevant, die den Glauben und sie selbst betreffen.
    Ich meine, man sollte wenigstens einen Tag in der Woche haben, wo man mal wirklich entspannt. Einen zusätzlichen Tag zum Einkaufen gibt es ja schließlich schon – den Sonnabend. Es mag sein, daß jüngere gar nicht mehr wissen, daß da auch einmal gearbeitet wurde, nicht nur im Dienstleistungsbereich. Deshalb sollten am Sonntag auch nur die arbeiten, deren Arbeit an diesem Tag auch WIRKLICH nötig ist. Dazu zähle ich das Einkaufen nicht. Wer seine Einkäufe von Montag bis Sonnabend nicht gebacken kriegt, dem fehlt entweder Organisationstalent oder er arbeitet zuviel, wodurch er keine Zeit dazu hat. Um das zu ändern, lassen wir doch schnell mal andere noch länger arbeiten, damit wir selbst unser Leben in den Griff kriegen. Jetzt haben wir allerdings ein neues Problem: Die Beschäftigten des Handels könnten ja ebensolche Einkaufsprobleme haben, müssen aber nun die ganze Woche arbeiten! Für die müssen wir nun einen 8. Wochentag einführen, der natürlich auch verkaufsoffen sein muß, damit die am verkaufsoffenen Sonntag arbeitenden Menschen endlich auch mal shoppen gehen können. Die haben dann nämlich massig Geld wegen der vielen Sonntagszuschläge (Einblendung von lautem Gelächter!).

  4. Klaus sagt:

    @Bernd
    Zum technischen:
    Ich vermute mal, dass target=blank in Deinem Kommentarfeld nicht funktionieren wird. Aber ich kann es das nächste Mal ja versuchen. Für Deine Leser gibt es ja immer noch die rechte Maustaste. 😉
    Zum übrigen:
    Ich bin nun wohl das Gegenteil eines Hardcoreshoppers. Ich arbeite Sonntags! Ich sehe nur nicht ein, dass die Kirchen es allen Menschen zu verbieten hat. Noch sind wir ein säkularer Staat. Und die Gewerkschaften sollten ähnlich viel Energie in’s Aushandeln anständiger Manteltarifverträge stecken, wie sie das zum Blockieren tun.
    Und so nebenbei, kann man bei Dir den weiteren Kommentarverlauf eines einzelnen Posts nicht als E-mail Benachrichtigung abonieren? Ich habe nichts gefunden. Nur das Abo über RSS für alle Kommentare.

  5. Bernd Bernd sagt:

    @Klaus
    Aber, aber, Klaus! Natürlich funktioniert target=“_blank“, sonst hätte ich es doch nicht gemacht!
    Ich arbeite auch (manchmal, wenn ich will) sonntags, wobei mir die Kirchen absolut egal sind, wie ich schon schrieb. Es ist mir schon fast peinlich, daß die da mit drinhängen. Sonntags sollten aber nur die arbeiten, deren Arbeit erforderlich ist und ich MUSS NICHT am Sonntag einen Fernseher oder andere profane Dinge kaufen. Dafür muß der Sonnabend reichen.
    In Sachen E-Mail-Benachrichtigung müßte ich selbst erst mal nachlesen, da habe ich keine Kennung.

  6. Klaus sagt:

    @Bernd
    Die Kirche hängt da nicht nur am Rande mit drin. Der arbeitsfreie Sonntag ist nun aber mal eine „Erfindung“ der christlichen Kirchen. Andere Religionen haben andere arbeitsfreie Tage. Wie @buntklicker oben schon mal erwähnt hat, hätte ein verkaufsoffener Sonntag nicht nur Nachteile für die Beschäftigten. Das meinte ich mit anständigen Manteltarifverträgen. Ein gearbeiteter Sonntag = eineinhalb freie Tage zum Abbummeln. So als Beispiel.
    Und warum muss es der Sonntag sein? Ich und meine Partnerin machen Montags und Dienstags frei. Da können wir dann z.B. auch mal in’s Museum gehen oder andere Aktivitäten, die sonst anhand der schlangestehenden Massen völlig unattraktiv wären.
    Und eine Metropole wie Berlin sollte ihre Gäste nicht vor verschlossenen Türen stehen lassen. Was meinst Du, wie oft ich schon von ausländischen Touristen gehört habe, wie dämlich sie das finden.

  7. Was ist denn an Einkaufen so besonders? Kinos, der Zoo, Restaurants, Museen, Kneipen, Theater und was weiß ich noch alles ist am Sonntag ganz selbstverständlich geöffnet. Müßte man auch alles nicht haben, Du kannst schließlich auch am Sonnabend ins Kino oder in den Zoo gehen. Nur beim Einkaufen wird ein solcher Terz veranstaltet.

    Ich versteh’s nicht.

  8. Bernd Bernd sagt:

    @Klaus & buntklicker
    Wie schon gesagt, man MUSS nicht unbedingt sonntags einkaufen. Für mich ist dieses Sonntags-Geshoppe sowieso nichts anderes als eine Spielart der gegenwärtigen Lifestyle-Happiness, sozusagen ein Wurmfortsatz der Spaßgesellschaft. Nur fehlt mir der Spaß und von einer richtigen Gesellschaft kann man in Deutschland auch nicht sprechen, mehr von einer Anhäufung von Individualisten aller Coleur bis hin zum absoluten Egoisten.
    Deshalb auch hier schnell noch meine egoistischen Motive: Meine Frau hat über Jahre in der Gastronomie gearbeitet, während ich teilweise Schichtdienst gearbeitet habe und zusätzlich nebenberuflich als Diskotheker durch die Gegend gefahren bin (Stichwort Wanderdiskothek). Irgendwann war ich dann kein Diskotheker mehr und meine Frau ist aus der Gastronomie in den Handel gewechselt. Sie verdient jetzt als Kassiererin mehr als sie vorher als Restaurantleiterin verdient hat! Das nur mal so als kleinen Einblick in die Wirtschaftsstruktur im Osten. Meint ihr nicht, daß man irgendwann die Schnauze voll hat vom Rumgehetze?! Der Sonntag ist bis jetzt (weil geschichtlich so gewachsen) der einzige planbare Wochentag für meine Familie, soll ich das freiwillig opfern, nur weil eine Menge Freaks nicht wissen wohin mit ihrem Geld?! Ich hätte doch ´ne Macke, wenn ich das freiwillig geschehen ließe!!!

  9. Klaus sagt:

    @Bernd
    Wie Du persönlich mit den einzelnen Wochentagen umgehst, ist ja Deine Sache. Und Du arbeitest ja, wie ich auch, in einem Bereich, in dem man sich das frei aussuchen kann.
    Aber warum soll das denn vielen Menschen verboten sein? Macht für mich keinen Sinn. Und es ist ja keine gewachsenen Tradition, das ist ein Kirchendogma!
    Aber hier sind die Fronten quer durch alle Schichten. Du hast ja nach der Meinung Deiner Leser gefragt – das hast Du nun davon. 😀

  10. Bernd sagt:

    @Klaus
    Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus! So werde ich nun allein hinausziehen in die weite Welt, um den Drachen Sonntags-Shopping zu erlegen.
    Aber erst will ich dir schnell noch den Zahn mit der Kirche ziehen. Ich sprach ja von mir und meinen Erfahrungen, dazu gehört auch meine Wohnregion. Ich kann dir versprechen, für mich und die meisten Menschen hier war die Kirche 40 Jahre lang nichts, gar nichts. Da kann man auch nicht von Dogma sprechen, denn wo soll das dann herkommen.

  11. Bernd K. sagt:

    Bin zufällig bei dieser Geschichte gelandet und versichere dir hierzu meine Unterstützung – nachdem ich meine Meinung bei GNIT kürzlich auch kundgetan habe.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.