Dekadenz

Der gestrige Tag fing damit an, daß ich mich bei der versteckten Kamera wähnte:
Wenn ich meinen täglichen Fahrgast abgeliefert habe, habe ich verschiedene Varianten zum Weitermachen. Diesmal hatte ich mir die Geblerstraße ausgesucht, weil dort ein 6-Sitzer mit Gepäck avisiert war. An diesem Ort zu dieser Zeit heißt das immer: *bekanntesHotelinRadebeul* zum Flughafen. Schlimmstenfalls kann das Ziel auch mal der Hbf DD sein, aber der ist auch ein Stück weit weg. Entsprechend hoch war natürlich auch die Vorfreude. Trotz einiger Irrungen hatte ich dann das „Glück“, diesen Auftrag zu bekommen.
Das Hotel stimmte (!), der Flieger war´s zwar nicht, aber Hbf DD… war´s auch nicht, sondern Bf Radebeul Ost – ganze 800m für insgesamt mehr als eine Stunde Wartezeit. Muß man für diesen Hopser eine Großraumtaxe bestellen, wenn es zwei kleine zum selben Preis auch getan hätten?
Das Bild des Desasters wurde abgerundet durch den Rezeptionisten des Hotels. Wie gewohnt ging ich bei meiner Ankunft zur Rezeption und meldete mich und mein Taxi als das Bestellte an. Er antwortete nach kurzem Nachlesen kurz und knapp mit: „Danke, geht in Ordnung.“ Nachdem ich aber nun nicht gleich auf dem Absatz kehrtmachte, fügte er in etwas schärferem Ton an: „Ich schicke die Gäste dann zu Ihnen raus.“ Nun bin ich aber dummerweise überaus hellhörig und habe diese seine in „Hotelsprache“ gesprochenen Worte sehr wohl verstanden und in´s Deutsche übersetzt. Es sollte ganz einfach heißen: „Machst du vielleicht bald mal, daß du ´rauskommst, du Assi!?“…
Das hat mich schwer getroffen und ich habe mir Gedanken gemacht, warum er mich nicht leiden kann. Dabei bin ich so einige Varianten durchgegangen:

1: Roch ich unangenehm? – Das kann es nicht sein, denn selbst wenn: ich war zu weit weg von ihm und außerdem sind auch alle Pflanzen in der Hotellobby stehengeblieben.

2. War ich schlecht rasiert? – Ich muß zugeben, daß das zutraf. Ich hatte allerdings einen sogenannten „Dreitagebart“. Die Medien lehren uns allerdings, daß dieser eher schick macht. Das muß ja auch so sein, denn man stelle sich vor: David Beckham, George Clooney und viele, viele andere Stars wären Assis?! Also auch hier Fehlanzeige.

3. War ich schlecht gekleidet? Das denke ich eher nicht. Meine Dienstkleidung ist in der Branche bekannt. Das einzige zusätzliche Equipment war eine schwarze Fleece-Jacke gegen die Kälte. War sie der Grund – wohl kaum!

Kann es also sein, daß der Rezeptionist ein dekadentes Arschloch ist oder hat er Order von seinem Vorgesetzten für solcherlei Fälle? Dann wäre dieser ein dekadentes Arschloch!

Und bei all dem soll ich mich immer noch über diesen Auftrag freuen?!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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3 Antworten auf Dekadenz

  1. Thomas sagt:

    Eine Stunde warten für 800 Meter ! Ich glaube der Taxigott wollte Dich prüfen.
    Das dekadente Arschloch hat schon recht,nicht daß Du es Dir in der Loppy am Ende noch gemütlich gemacht hättest. Wir haben gefälligst untertänig am Bock (und nicht im Bock) zu warten,wer sind wir denn?

    • Bernd Bernd sagt:

      Mag sein, daß selbiges Arschloch mich in die Kälte schickte, weil es wünschte, daß das meinige recht hart und eng werde. Man weiß ja schließlich nicht, wie solche Leute drauf sind.

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