Schnüffeleien

Willkommen im neuen Jahr, liebe Leser!

Ob aber altes Jahr, neues Jahr, mittleres Jahr oder welches auch immer: Es ist immer dasselbe im Taxigeschäft. Mal guter Umsatz, mal schlechter Umsatz, mal freundlicher Umgang, mal Sittenverfall. Und, wie habe ich das wieder gemacht, schon sind wir beim Thema.
Tatort THP Kempinski: Um 16:30 Uhr erhalte ich einen Auftrag für ein nicht weit entferntes Hotel mit Zimmernummer. Ich fahre hin und gehe rein, ein Hotelangestellter kommt an seinen Tresen, begrüßt mich mit „Guten Abend“ und einem fragenden Blick. Ich sage mein Sprüchlein auf: „Taxi für [Zimmernummer] um 16:45 Uhr… und er taucht ab. (?) Er hatte etwas in seinem Pult verstaut. Nach dem Wiederauftauchen ein fragender Blick auf mich und das Wort: „Danke“. Gute Ohren wie die meinigen hörten gleichzeitig auch das schneidende Pfeifen eines Schwertes in der Luft. Ich bin nun leider schon 61 und nicht mehr 16, weshalb ich die gesamte Message auch verstanden habe. Sie hieß nicht anders als: „Ja, ist ja gut. Was willst du also noch hier? Verpiß dich!“ Wenn das nun jemand sagt, der von den besagten 16 Jahren nicht sehr weit entfernt ist, dann sollte das doch schon verwundern. Ich frage mich nun: Ist er noch grün oder schon gereift. Das soll meinen, ob er das nun aus Dummheit sagt oder ob der Sittenverfall im öffentlichen Kommunizieren schon diese Stufe erreicht hat.
Sei es, wie es sei, ich ging raus und wartete auf die Gäste. Sicherheitshalber rangierte ich mich noch so ein, daß ich herauskommende Personen sofort sehen konnte. Nach etwa 10 Minuten kamen auch 3 Personen, drehten aber nach rechts ab. Plötzlich hatte ich das Gefühl, daß irgendwo eine Tür offen ist. Ein Blick nach hinten bestätigte mir das. Als ich nach hinten ging, sah ich ein Paar im mittleren Alter und ebendiesen Schnösel von vorhin, der einfach die Hecktür geöffnet und die Koffer hineingestellt hatte, natürlich völlig blödsinnig. Als ich das Desaster bereinigt hatte, war er aber leider schon verschwunden. Ich hätte ihm ansonsten noch sagen können, daß solche grünen Jungs wie er erst einmal alle Stellen beschnüffeln sollten, die ich schon markiert habe, bevor sie den Mann von Welt mimen. Wahrscheinlich wollte er sich durch diese Extra-Dienstleistung an meinem Auto noch ein Extra-Bakschisch sichern.
Mein lieber grüner Junge: Ich brauche in meinem Umfeld keine Laienschauspieler!

Das kann ich selbst viel besser.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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4 Antworten auf Schnüffeleien

  1. Cuitlahac sagt:

    Was hat er eigentlich falsch gemacht?

    • Bernd Bernd sagt:

      Tja, für sein Hotel: Nichts! Für Ethik und Moral: Alles! Der junge Mann hat bestimmt gemacht, was ihm die Richtlinien für modernes Hotelmanagement sagen. Er befolgt Anweisungen und ist zwar deren Vasall, suggeriert aber, er habe eine eigene Präsenz und Wichtigkeit. Ich glaube aber nicht, daß er in seinem kurzen Leben so viel geleistet hat wie ich in meinem vielleicht 3mal so langen, selbst wenn ich in dieser Zeit überwiegend faul gewesen wäre. Daher rührt meine Einschätzung „Schauspieler“.
      Seine Gäste dagegen könnten die größten Dödel sein, dann würde er ihnen trotzdem mit der Zunge in der Arschkimme entlangfahren.

    • Fastdäne sagt:

      Offenbar seiner Majestät Taxifahrer nicht ausreichend Huldigung und Respekt entgegengebracht. Schon spannend, was Bernd aus einem „Danke“ alles raushören kann. Gegen diese Paranoia gibt’s doch bestimmt was in der Apotheke.
      Mensch Bernd, ansonsten ist dein Selbstbewusstsein größer als dein Schatten.
      Und nein, der junge Mann hat nix falsch gemacht. Natürlich hätte er am Auto anklopfen sollen, aber ganz ehrlich, Gäste, die sich meinem Auto so unbemerkt nähern können, dass ich nicht merke, dass die mit mir fahren wollen, das zeugt von echter Schläfrigkeit. Wenn der Fahrer seinen Kadaver nicht aus dem Sitz kriegt, lädt eben der Hotelpage ein. Das ist Dienstleistung im besten Sinne.

      • Bernd Bernd sagt:

        Mein lieber Frank, bei dem Wort „Paranoia“ bin ich stutzig geworden und habe mich mal schlau gemacht, was du das liebe lange Jahr so treibst. Ich konnte feststellen, daß du offenbar in jedem deutschen Blog zu Hause bist. Offenbar hast du Unmengen an Zeit, die ich leider nicht habe. Deshalb bin ich es leid, über jeden Eimer Gülle, den du in meinen Garten kippst, auch noch zu diskutieren.
        Alsdann tschüß und schon mal im Voraus Frohe Weihnachten für alle kommenden Jahre.

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