Zockerabzocker

Nun sind es inzwischen schon 4 1/4 Jahre her, seit ich meine letzte Tour gemacht habe. Solange es genug Kundschaft gab, sodaß man hintereinander fahren konnte, war natürlich alles in Ordnung. Wenn es mal nicht so lief, hatte jeder seine eigene Art und Weise, sich die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Viele von denen wie ich zum Beispiel, die immer oder oft am Flughafen aufschlugen, verbrachten ihre Leerlaufzeiten im Spiel-In, der „Spielhölle“ am FH. Wie in jeder Spielhölle bis hin nach Vegas kann man natürlich viel gewinnen, aber auch alles verlieren, sozusagen „Sack und Perücke“. Je nachdem, wie die Automaten eingestellt waren, gestaltete sich die Zockerei mit diesem oder jenem Prozentsatz an Siegen und Niederlagen. In jedem Falle waren die Chancen für alle gleich, denn die Einstellungen können ja nun nicht bei jedem Spieler gewechselt werden. Als dann die Spielautomaten immer „elektronischer“ wurden, sprich „programmierbarer“ konnte man das, allerdings auch wieder nicht bei jedem extra. Aber…

nun zogen die Zockerspiele ins Internet ein und da ahnte ich es schon: da kann man nicht mehr spielen, denn man ist identifizierbar!
Ich möchte diese Erkenntnis vorerst an anderen Beispielen erläutern: Ich selbst habe zum Beispiel 40 Jahre lang Tischtennis gespielt. Gewinnen war zwar auch für mich schön, aber den richtig bissigen Ehrgeiz hatte ich nie. Ich habe also auch nie das gemacht, was z.B. alle Profis machen: den Gegner zu analysieren. Jeder hat zwar seinen grundsätzlichen Spielstil, aber wenn der Gegner mit diesem bestens zurechtkommt, muß ich mich umstellen. Ich beobachte, mit welcher Taktik oder Spielweise er gar nicht zurechtkommt und spiele dann penetrant nur noch genau so. Das alles kann ich aber nur, weil ich meinen Gegner kenne. Und genau das passierte auch mit den Glücksspielen im Internet, denn hier muß man sich schließlich einloggen. Der Automat im Internet weiß also jetzt also genau, wer vor dem Rechner sitzt und richtet sich mit seiner Spielweise nach diesem. Natürlich geht es darum, daß dieser mehr verliert als gewinnt und der Betreiber maximalen Gewinn einstreicht. Ich habe früher selbst mal programmiert und weiß, daß es gar nicht so schwer ist.
Es war mir deshalb klar, daß ich niemals im Internet zocken werde, denn wenn ich Geld loswerden will, kann ich es viel schneller im Klo runterspülen. Bliebe also nur noch die Möglichkeit, direkt in einem Spielcasino zu aktieren, aber dazu hatte ich jahrelang keine Gelegenheit.

Heute nun war sie wieder da – endlich! Groß aber war mein Erstaunen, als die Aufsicht meinen Personalausweis haben wollte – wohlgemerkt: „haben“, nicht sehen. Als sie ihn hatte, zog sie ihn durch ein Lesegerät und erklärte auf meine verwunderte Frage, man lese Namen und Wohnort und könne dadurch feststellen, ob der jenige irgendwo unangenehm aufgefallen sei oder sogar eine Spielsperre habe. Klang merkwürdig, aber der wahre Sinn wurde mir sofort klar, als ich mit einem Zettel zum Automaten ging, auf dem eine vierstellige Nummer stand. Das war nämlich ein Zugangscode, den das Lesegerät meines Ausweises ausgespuckt hatte. Meine Vermutung ist nun: Name und Wohnort interessieren einen „Scheißdreck“. Wahrscheinlich ist es eher eine der eindeutigen Nummern, die Ziel des Interesses sind, also Ausweisnummer oder Personen-ID. Denn was haben wir jetzt auch hier: Identifizierbarkeit! Das heißt, daß einen auch der Automat im Spielcasino „kennt“. Die erzeugte“Mitgliedsnummer“ wird nämlich nur hier, sondern im gesamten Herrschaftsbereich der Automatenfirma gespeichert und verwendet. Das bedeutet, daß der Spieler auch hier niemals mehr so richtig ein Bein auf die Erde kriegt.

Nichtsdestotrotz habe ich heute aus 2 Euro 40 gemacht. Na wenn das keine Widerlegung meiner These ist! – Im Gegenteil! Ich hätte gar keine passendere Bestätigung bekommen können. Heute nämlich war ich das erste Mal überhaupt seit der Personifizierung am Automaten. Also mußte der Automat für zwei Dinge eingestellt sein: Mich erstens kennenzulernen und zweitens „anzufüttern“. Das ist ihm, aber auch mir bestens gelungen. 😀

Die Frage ist nun: „Was mache ich ich? Spiele ich so weiter und riskiere Verluste ohne Ende, höre ich ganz und gar auf zu spielen oder – gibt es eine Lösung? JA!!! Es gibt eine. Es sind ja nach Aussage der Aufsicht nur Sicherheitsfragen, die das Scannen des Ausweises und Ausgabe der Zugangsnummern erfordern. Also hat jeder mit solch einem Zettel auch die Spielerlaubnis. Bei der Übergabe der Zettel nach Eingabe des Ausweises könnte man also mit einem anderen Spieler diese Nummern tauschen, wodurch natürlich die Spielprogramme verwirrt werden, weil ein langjähriger Spieler plötzlich ganz anders spielt. Wenn nun die Aufsicht den Zetteltausch verbieten will, kommt sie in Erklärungsnot, denn schließlich ging es ja NUR um Sicherheitsfragen.  😉

In diesem Sinne: Fette Beute, Kollegen!

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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