Neujahrsansprache

Tja, liebe Freunde, nun ist das Jahr also endgültig vorbei. Gebracht hat es global wahrscheinlich nicht viel, aber das werden wir später noch sehen. In Dresden hat der Jahreswechsel wahrscheinlich zumindest einen Toten gebracht. Ich meine jetzt nicht einen derjenigen Toten, die normalerweise über das ganze Jahr verteilt „planmäßig“ tot sind, sondern einen, dessen Tod ultimativ mit seinem und/oder dem Alkoholspiegel anderer verwoben ist. Genaueres wird man wahrscheinlich aus den Medien erfahren. Erzähltermaßen soll es sich um eine Rangelei in einer Dresdner Disco-Lokalität gehandelt haben, bei welcher final eine abgebrochene Flasche zum Einsatz kam, die in irgendeiner Form mit einer Halsschlagader kollidierte. A propos „Koll…“: Ist solcherlei nun schlicht ein „Kollateralschaden“ oder ist es der Pegelmesser für gesellschaftlichen Schwachsinn im Jugendbereich. Ich glaube nicht, daß der wahrscheinlich maßgeblich vom Alkohol beeinflußte IQ des mutmaßlichen Täters entscheidend über dem Wert 75 lag. Ich glaube aber weiterhin auch nicht, daß er ohne Alkohol sonderlich höher gelegen hätte. Wie heißt es doch so schön: Alkoholeinfluß zeigt den wahren Charakter! Wäre es da nicht eine gute Idee, wenn man Einstellungsgespräche grundsätzlich mit einem längeren Umtrunk begänne?! Die Wahrscheinlichkeit eines Irrtums seitens des Arbeitgebers gänge dann praktisch gegen Null. Jedenfalls empfehle ich für den Täter vorgenannten Ereignisses 20 Jahre Workuta.

Einen ähnlichen Eindruck verminderter Schuldfähigkeit mußte mein Nacht- Compagnon erleben, als er einen 6-Personen Auftrag bekam, bei dem dann aktuell nur 4 Personen anwesend waren. Ich schreibe hier bewußt „Personen“, weil sich die Wahrheit erst später herauskristallisierte.  Es handelte sich hier um 4 weibliche Teenager – ob sie tatsächlich an Tee genagt haben, weiß ich nicht – die zu einem Ziel wollten, das etwa 5,90€ entfernt lag. In der kurzen Zeit haben sie sich zwar weiß Gott nicht benommen wie die berühmte Axt im Walde, aber eben halt wie betrunkene Teenager im Taxi, was eigentlich auf´s Selbe hinausläuft. Nach etwa der dritten Ermahnung meines Kollegen, was das Verhalten in Taxis und speziell das angemessene Schließen der Türen betrifft, flippte eine vollständig aus: „Jetzt hau´ ich dir eine in die Fresse!“ – Ich gäbe viel dafür, sein Gesicht in diesem Moment gesehen zu haben! Gleichwohl weiß ich ganz genau, wie es aussah: Es war von maßlosem Erstaunen und ganz viel Mitleid geprägt.
Warum?
Das kann ich euch erklären: Wer wirklich aktiv Kampfsport betreibt, macht nicht solche Sprüche und noch viel weniger entweiht er seinen Sport durch zweifelhafte Angriffe. Somit wäre schon mal klar, daß sie diese Szene nie kennengelernt hat. Da nun aber mein Kollege Kampfsportler war und auch eine Personenschützer-Ausbildung durchlaufen hat, ist abzusehen, daß es kaum mehr als 5 Sekunden gedauert hätte, daß sie nach einem Angriff nicht mehr auf eigenen Beinen steht. In dieser Situation den Mund so weit aufzureißen, grenzt schon an mittelbaren Selbstmord!
Man könnte das ganze jetzt mit dem Spruch: „Es sind doch nur Kinder!“ abtun, aber ich glaube, das greift zu kurz!

Kann es nicht sein, daß wir es hier mit der bisher unentdeckten Spezies der „Rotznasenaffen“ zu tun haben?!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Alkohol, Geschichte, Gesundheit, Kultur, Taxi abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Neujahrsansprache

  1. felix sagt:

    Workuta – das musste ich erstmal nachschlagen. Meine böse Ahnung hat sich leider bestätigt. Viel geschmackloser geht es ja nicht mehr.
    Was da in Dresden anscheinend geschehen ist, ist tragisch und sollte zu denken geben. Wenn man aber Texte im Internet veröffentlicht sollte man sich schon mal überlegen, was man für ein Menschenbild vermittelt, wenn man Leute ins Gulag schicken will.

    • Bernd Bernd sagt:

      Ich möchte in dieser Frage nicht zurückstecken! Auch ich bin mir bewußt, daß ein Gulag kein Erholungsheim ist und daß die überwiegende Mehrheit der dort zu Sowjetzeiten inhaftierten diesen bei weitem nicht verdient hat. Dieses letztere möchte ich aber im vorliegenden Fall (falls er sich amtlich bestätigt so zugetragen hat) nicht gelten lassen.
      Für viele oftmals noch recht junge Menschen ist das Wort „Spaßgesellschaft“ heutzutage nicht nur mehr ein Wort, sondern Lebensmaxime sowie auch Festlegung der Reihenfolge: Erst kommt der Spaß, dann die Gesellschaft!
      Nein, – liebe Freunde der Sonne – so funktioniert eine Gesellschaft nicht! Und wenn es denn partout nicht in die Köpfe hineinwill, dann wird es eben geübt, und zwar so lange und intensiv, bis es sitzt!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.