Armut

Armut ist eine verbreitete Tatsache in unserer heutigen Gesellschaft. Es ist dabei egal, ob sie im Portemonnaie oder im Geiste herrscht. Beides wurde mir gestern wieder einmal deutlich bewußt, als ich – unbelehrbahr, wie ich nun mal bin – Berlin besuchte.
Als erstes fielen mir sofort die vielen Bettler an jeder Ecke auf. Entweder hatte ich früher nicht richtig hingesehen oder war nicht an den richtigen Stellen. Möglich ist aber auch, daß diese wegen des ewigen Regens tagelang nicht arbeiten konnten und nun mit Macht alles nachholen wollen. Besonders schlimm war es auf der Kurfürstenstraße. Dort waren ganz, ganz viele ganz, ganz arme junge Frauen, die sich nicht einmal mehr Kleidung leisten konnten. Bei einigen hatte man den Eindruck, sie trügen das letzte Hemd auf dem blanken A… . Wegen ihrer geringen Bekleidung mußten sie sich allein dadurch erwärmen, daß sie an und auf der Straße ständig auf und ab gingen. Zwischendurch fielen mir auch zwei junge Männer auf, die ebenfalls an der Straße standen, aber scheinbar aufgrund kompletterer Kleidung mehr den Schatten bevorzugten. Diese schienen mir sehr mitfühlend zu sein, denn die Traurigkeit in ihren Augen deutete daraufhin, daß es auch ihnen lieber wäre, wenn die Frauen etwas mehr Geld hätten.
Das Problem der Armut im Geiste durfte ich dann etwas später kennenlernen. Beim abendlichen Kaffee in einem Eiscafe nahe dem Alexanderplatz fiel mir ein Pavillon auf, der dem Tod von Jonny K. gewidmet ist. Ich habe mir das angesehen und heute auch im Internet nachgeschaut. Mir ist die Tat eigentlich unbegreiflich! Wie kann man fehlendes Hirn durch Kraft ersetzen?! Wenn mich ein Fahrgast beleidigt oder mir sonst irgendwie dumm kommt, soll ich ihm dann den Schädel spalten?! Unter diesem Aspekt wäre ich mit Sicherheit schon Mehrfachtäter! Abgesehen davon schien ja die Tat aus dem Nichts zu kommen, da vorher überhaupt nichts stattfand. Wahrscheinlich sind dem Ersttäter nur ein paar Samenstränge zu Kopf gestiegen. Erstaunt war ich aber auch, daß es um die Plätze für Vertreter türkischer Medien nicht denselben Hype gab wie in München, denn schließlich sind doch auch hier 6 türkischstämmige Personen involviert.

Manchmal sind die Unterschiede halt unterschiedlich.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Armut

  1. Olaf sagt:

    Noch unbegreiflicher ist, dass der Prozess auch noch geplatzt ist, weil son Freizeitrichter seine Schnauze (sorry!) nicht halten konnte – überall Armut 🙁

    • Bernd Bernd sagt:

      Menschlich ist es begreiflich, aber wenn man als Profi eingesetzt wird, muß man sich auch so verhalten. Schöne Parallele zum Taxigewerbe!

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