Schlitzohren

Heute war in der ´Sächsischen Zeitung´ ein Beitrag über den Einfluß von Lebewesen und deren Verteidigern auf größere Bauvorhaben. Darunter war auch diese Rubrik:
Das Lustige an dieser Brücke ist aber die Schlitzohrigkeit der Brückenbefürworter. Folgendermaßen spielte es sich ab:

In der Nähe von Bischofswerda wurde eine regionale Schnellverbindung geplant, die viele Orte der Oberlausitz an das Autobahnnetz anschließen sollte. Diese geplante Straße zerschnitt in der Nähe von Bischofswerda einen Wanderweg, was natürlich viele Wanderfreunde auf den Plan rief. Aber trotz massiven Protestes wurde dieser Weg als nicht förderfähig eingestuft und bekam deshalb keine Brücke.

Doch gibt es Ablehnung des Baus,
erscheint sofort die Haselmaus!

Naturfreunde fanden nämlich heraus, daß das von Wanderweg und Straße durchquerte Waldstück bevorzugter Lebensraum der geschützten Haselmaus ist. Durch die Schnellstraße wurde quasi ihr Lebensraum halbiert bzw. – was noch viel schlimmer ist – zur tödlichen Falle. Da Tiere schließlich Hindernisse in ihrem Revier nicht meiden, sondern überwinden, würden auch die Haselmäuse über die Straße laufen. Das Ergebnis wäre eine Delikatesse für Raubvögel: Haselmauspüree! Deshalb wurde naturschutzgerecht eine Brücke für die Haselmäuse eingeklagt und – genehmigt!
Nun gut, jetzt haben wir also eine Brücke. Da nun aber eine Brücke neben dem Gewicht der Haselmäuse auch ihr eigenes tragen muß, kann man nicht an der Tragfähigkeit sparen. Diese würde dann schon den Bereich einer Fußgängerbrücke erreichen… Moment mal! – Wenn wir also schon eine tragfähige Brücke haben, könnte man da nicht…
Ja, man könnte! Und so kam es, daß eine Brücke nur für Haselmäuse gebaut wurde, die zufälligerweise auch Menschen überqueren können

Ist das nicht genial?  😉

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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4 Antworten auf Schlitzohren

  1. Steffen sagt:

    Immer wieder werden, um etwas für den Menschen zu erreichen, auf einmal Tiere oder Pflanzen (ob imaginär oder nicht, sei mal dahingestellt) vorgeschoben.

    Das hat in meinen Augen wenig mit Genialität zu tun. Es ist eher ein Armutszeugnis, denn es ist nur ein Mittel zum Zweck und zeugt von der logischen und vernünftigen Argumentationsunfähigkeit des Menschen. Denn wenn es heißt der Mensch soll auf etwas verzichten, oder irgendwer will sich mal ein bisschen „aufblasen“ und wichtig machen, werden andere vor´s Loch geschoben. In dem Fall eben Tiere.

    Siehe unser „Groschengrab“. Erst war es die Hufeisennase, dann irgendwelche Insekten und zu guter Letzt kam noch der Biber. Im Falle des Bibers gehe ich sogar soweit und unterstelle den Brückengegnern Tierquälerei. Denn kein Biber der Welt würde sich an dieser Stelle niederlassen. Das arme Tier wurde, da bin ich mir sicher, irgendwo weggefangen und dort ausgesetzt.

    Und jetzt warten wir mal ab, welches Tier als nächstes für den Menschen was durchsetzen darf. 😉

    • Bernd Bernd sagt:

      In Sachen „Groschengrab“ muß ich dir recht geben. Man hätte schon allein aufgrund des horrenden Preises dieser Brücke nicht erst Tiere bemühen müssen, sondern diese wegen erwiesenen Schwachsinns sofort wieder ad acta legen. Dann hätten wir nämlich heute schon zwei neue (kleinere) Brücken und das Blaue Wunder wäre saniert. Das alles wäre wahrscheinlich in der Summe auf den gleichen Preis gekommen. Aber wir haben´s ja!

      • Matthias sagt:

        Dass es in Dresden selten um die Sache selbst geht, sondern oft nur ein Ideologiestreit irgendwie bemäntelt wird, ist ja derzeit an der Albertbrücke deutlich zu erleben.

        Ansonsten sehe ich Dein Beispiel aus Bischofswerda auch noch aus einem anderen Blickwinkel. Es ist doch ärgerlich wenn immer ausgerechnet bei Belangen für Fußgänger und Radfahrer, der Sparwille unserer Landesbehörden die Oberhand gewinnt.
        Wenn in Bischofswerda der Verkehr so umfangreich ist, dass der Neubau einer Schnellstraße nötig wurde, dann sollen doch die Beeinträchtigungen Anderer durch diesen Straßenbau auch gemindert werden.

        Bei der neuen Brücke in Niederwartha hat man auch die Geh- und Radwege einfach weggelassen und feiert sich beim Meißner Landesamt für Straßenbau gar noch ob der Einsparungen dafür.
        Die alternative Elbequerung, auf die Fußgänger und Radfahrer indirekt zwangsweise verwiesen werden, ist aber quasi ein Privatweg und nicht behindertentauglich.

        • Bernd Bernd sagt:

          Da hast du voll recht. Daß es auf der Niederwarthaer gar keine Rad-, Fußwege gibt, habe ich gar nicht gewußt! Ich war eigentlich der Meinung, daß das eigentlich zwangsläufig dazugehört.

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