Gleich und doch nicht gleich

Momentan befindet sich eine meiner Töchter in der Fahrschule und ich kann sagen: Ich bin sehr zufrieden mit ihr. Ihr fahrerisches Vermögen ist zwar logischerweise nach bis dato 4 Fahrstunden noch im Babystadium, dafür ist sie mental besser drauf. Den Beweis dafür durfte sie live antreten:

Da es nun während der 3. Fahrstunde noch seeehhr langsam durch die Stadt geht, sammelte sich hinter ihr so manchesmal allerhand Volk an. Im Normalfall lösen sich solche Knoten sehr schnell auf, indem nachfolgende das Fahrschulschild sehen und wissen: Dieses Fahrzeug wird nicht spontan beschleunigen. Deshalb geht es auch ruck-zuck und alle sind vorbei – alle?! Nein nicht wirklich alle. Da gibt es ab und zu auch mal einen aus der Kategorie „Alter Sack“, der muß erst mal längsseits des Fahrschulwagens gehen, langgezogen hupen, mit der Faust drohen und mit grimmigem Gesicht schimpfen. Der möglichen Ursachen für solches Verhalten gibt es viele. Gehen wir doch mal einige durch und untersuchen, was sie bedeuten:

FS-Schild nicht gesehen -> Augenschädigung -> mediz. fahruntauglich
regt sich oft auf -> dauergereizt, jähzornig -> charakterl. fahruntauglich
hat irgendwas „böses“ gesehen -> Halluzinationen -> psychol. fahruntauglich

Sei es, wie es sei: Wenn man das fahrerische Können und den Charakter eines Fahrers jeweils zusammen zählt und zu einem Wert verschmilzt, – Weil meine eigene Theorie ist, daß Fahren zu 30% aus Wissen und Können, aber zu 70% aus Charakter besteht. – dann sind meine Tochter und der Herr genau auf einem Level, nur halt auf verschiedenen Seiten des Berges namens „Fahrerkarriere“! Genausolange wie sie noch bis zur Erteilung des Führerscheins braucht sollte sich der Mann noch die Zeit lassen, den seinigen abzugeben.
Eines hat mir sehr gut gefallen: Die Reaktion meiner Tochter auf die besagte „Aktion“, denn es war dieselbe wie die des Fahrlehrers:

Beide haben spontan „abgelacht“.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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4 Antworten auf Gleich und doch nicht gleich

  1. Uwe sagt:

    Die Situation ist aber auch pädagogisch wertvoll. Da weiß nämlich der Fahrschüler gleich, was ihn später im rauen Alltagsverkehrschaos erwartet. Das sollte in die Ausbildung aufgenommen werden, und zwar mit einem fingierten Chaoten. Und die Reaktion müsste dann aber auch auf jeden Fall einen Pluspunkt für die Fahrprüfung bringen.

    • Bernd Bernd sagt:

      Diese Idee hat absolut etwas für sich. Man könnte dann noch andere Komplikationen einführen wie z.B. „Frauen-Links“, „Angsthasen-Vorfahrt“ oder auch „Radfahrer-Rot“. Die Fahranfänger könnte dann nichts mehr erschüttern! Also ich bin dafür.

  2. Bernd K. sagt:

    Würden wirklich nur charakterlich gefestigte Menschen, die auch Auto fahren können, Auto fahren dürfen, wären die Strassen ziemlich leer. Bzw. die Busse, Bahnen, Radwege überfüllt…

    • Bernd Bernd sagt:

      Das ist keine unrechte Schlußfolgerung. 🙂 Nur das mit den Radwegen paßt nicht ganz, denn für Radfahrer sollte dasselbe gelten.

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