Helm? Oder ´Platsch´?

Ich gebe zu: Das Thema klingt etwas überspitzt. Aber genau darauf reduziert sich doch eigentlich die ganze Frage!
Das Thema lautet:

`Sächsische Zeitung´ vom 22.10.2011

Nun ist ja über das Thema ´Radfahren´ schon sehr viel geschrieben worden, aber es wird immer wieder gern genommen. Das Schönste an solchen Diskussionen sind doch immer wieder die Argumente! Aus der Sicht des Vortragenden sind diese auch immer tragfähig und verständlich – aber eben wie gesagt immer nur aus dessen Sicht. Ich selbst habe das große Glück, beide Seiten zu kennen, trotzdem kann ich der Meinung von Herrn Pohlemann eher folgen als der vom Vertreter des ADFC. Ganz einfach deshalb, weil das bei ihm so klingt, als sollten gefälligst alle Verkehrsteilnehmer auf die Radfahrer aufpassen, damit denen nichts passiert. So funktioniert aber Demokratie im Straßenverkehr nicht!
Zuallererst ist immer jeder selbst für sich verantwortlich. In zweiter Linie sollte jeder auch mitdenken(das kann man gar nicht dick genug schreiben). Gerade Radfahrer sollten sich immer vor Augen halten:
1. Motorisierte Verkehrsteilnehmer sind nicht fehlerfrei, dafür aber stärker(PS- und kilomäßig)!
2. Wie zufriedenheitsbringend ist es, sich während seiner 4-6 Wochen Gipsbett darüber zu freuen, daß der Andere schuld ist?
Ich persönlich trage beim Radfahren auch keinen Helm, bin mir aber im Gegensatz zu manch Anderem der Gefahren dessen bewußt. Und ich denke auch mit, ebenfalls im Gegensatz zu manch Anderem. Und als Taxifahrer habe ich auch die Kennung im Straßenverkehr, und zwar nicht im Gegensatz zu manch anderen, sondern den meisten Radfahrern(schließlich kann ich diese ja nur nach ihrem Tun und nicht nach ihrem theoretischen Wissen beurteilen).

Deshalb hier mein Vorschlag: Laßt die Helmpflicht weg! Schließlich heißt es doch: Jedem Tierchen sein Plaisirchen. Aber berücksichtigt auch die juristische Seite! Sollte ein Radfahrer verletzt werden, dann müssen die Verletzungen juristisch so „zurückgerechnet“ werden, als wenn der Radfahrer einen Helm aufgehabt hätte.
Ich weiß, wovon ich rede, nachdem ich aus 3 Meter Distanz erlebte, wie ein Radfahrer mit Helm in die Frontscheibe eines Autos eine Beule schlug, die den vollen Durchmesser und die halbe Tiefe des Kopfes hatte! Hat schon mal jemand versucht, die Frontscheibe eines PKW einzuschlagen? Nein? Dann geht mal auf den Schrottplatz und probiert es, am besten wegen der besseren Anschauung mit einem ungeschützten Schweinekopf! Ich wäre auch gespannt, was davon noch übrigbleibt.

Ach ja – das hätte ich fast vergessen – der besagte Radfahrer war selber schuld. Es war das alte Leiden: Fahren bei Rot!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Helm? Oder ´Platsch´?

  1. Hans sagt:

    Hallo,

    ich bin selbst Radfahrer, halte mich aber an alle Regeln. Ich trage immer eine neongelbe Jacke und habe sehr helles (zugelassenes) Licht am Rad. Einen Helm trage ich selbstverständlich immer. Ich bin einmal angefahren worden (ohne Schuld meinerseits) und mit dem Kopf auf einem spitzen Naturbordstein aufgeschlagen. Ohne Helm würde ich heute wohl gefüttert werden…

    Darauf zu pochen dass der Autofahrer der Stärkere ist und sich deshalb der Radfahrer anzupassen habe ist falsch.

    Bei Unfällen mit KFZ und Radfahrern bleibt der Autofahrer in der Regel unverletzt. Der Radfahrer hat in der Regel die (meist schweren) Verletzungen. Diese Verletzungen präventiv durch einen Helm (notfalls per Pflicht) zu reduzieren ist erstmal gut und sinnvoll. Deshalb trage ich ja auch selbst einen Helm.

    Die Hauptunfallverursacher bei Unfällen zwischen KFZ und Radfahrern sind aber zu 75 Prozent die Autofahrer.

    Um Unfälle zwischen KFZ und Radfahrern zu vermeiden muss deshalb eine Verhaltensänderung bei Autofahrern erfolgen (d.h. Problembewusstsein bei den klassischen Risikosituationen geschärft werden: Ausfahrt, Rechtsabbiegen, Überholabstand, Überholen, Überfahren eines Radwegs etc).
    Pro Woche gibt es bei mir zwischen einer und drei kritische Situationen. Der Klassiker ist die überforderte Mutter im SUV, die telefonierend (ohne Freisprechanlage natürlich) ohne Schulterblick rechts abbiegt, mir die Vorfahrt nimmt (weil sie mich ja gar nicht sieht) und dann an der nächsten Ampel anfängt zu weinen, weil sie plötzlich von einem tobenden Radfahrer zusammengebrüllt wird.
    Ist nicht die feine Art, hilft aber sehr, den Ärger abzubauen.
    Wäre sicher auch hilfreich, wenn man das bei idiotischen Radfahrern macht (gleiches Recht für alle!).

    Sehr gerne darf aber Fehlverhalten von Radfahrern (Rotfahrten, Fahrt ohne Licht, ohne Bremsen, ohne helle Kleidung etc) auch verfolgt und teuer abgezettelt werden. Mich kotzt sowas, wenn ich doch mal Auto fahre, genauso an die jeden anderen Autofahrer auch. Manche fahren echt wie die allerletzten Deppen und ich komme mir da fast schon ein bißchen „dumm“ oder „spießig“ vor, wenn ich als einziger Radler an einer roten Ampel stehenbleibe…

    Langer rede kurzer Sinn: Es ist aus meiner Sicht falsch, vom unterlegenen Verkehrsteilnehmer zu erwarten, zurückzustecken und Maßnahmen zu ergreifen, Unfallfolgen abzumildern, wenn man eigentlich beim überlegenen Verkehrsteilnehmer ansetzen muss, um die Entstehung von Unfällen besser überhaupt zu verhindern.

    Gruß
    Hans

    • Bernd Bernd sagt:

      Erst einmal bitte ich um Entschuldigung, daß ich den anstehenden Beitrag so spät gesehen habe.
      Und dann fange ich beim Ende an: Daß man beim prozentmäßig öfter Schuldigen ansetzen muß ist eine natürliche Frage der Logik, aber… Das schafft niemand! Die Annahme, daß jemand mit dem Erhalt des Führerscheins auch eine Bescheinigung über das Vorhandensein von Hirn erhalten hat, ist falsch. Es wird immer wieder und wieder Führer von „schwereren“ Fahrzeugen geben, die ihre Pflichten nicht in vollem Umfang erfüllen (können?). Genau daraus ergibt sich meine Befürwortung der Helmpflicht. Das ist für mich keine Glaubensfrage, sondern eine Art der Selbstverteidigung.
      Du als „verständiger“ Radfahrer befindet sich etwa in der gleichen Lage wie ein gesetzestreuer Rumäne. Dieser denkt sich auch: „Es ist doch eine Frechheit, daß alle Leute bei dem Wort ´Rumäne´ sofort an Kriminalität denken.“ Aber das ist ganz einfach eine Frage der Wahrnehmung, sogar noch schlimmer als bei Rumänen, denn die gesetzesfern agierenden Radfahrer sieht man immer.

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