Invasion der Straßenbahnen

Dresden befindet sich seit Jahren im Würgegriff der Verkehrsbetriebe. Nun kommt wieder ein neues Kapitel hinzu: Die Bautzner Straße.
Weil irgendwann einmal die Straßenbahn mit breiteren Wagen fahren wird, beginnt man schon seit geraumer Zeit bei Gleisbauten mit der Umstellung auf den größeren Gleisabstand wie eben auch bei der jetzt anstehenden Sanierung der Bautzner Straße. Heute nun war in der ´Sächsischen Zeitung´ ein Artikel pro & kontra Gleisverbreiterung zu lesen. Da ich selbst gegen die Verbreiterung bin, brauche ich natürlich nur den Pro-Beitrag zu kommentieren:


Herr Wolf, ich möchte eines anmerken: Entweder ist ihre ganze Meinung ein Fake oder sie fahren noch nicht lange. Damit möchte ich sagen, daß es nicht reicht, seine eigene Fahrtüchtigkeit zu kennen, sondern auch diejenige anderer Verkehrsteilnehmer sowie auch deren Charakter bzw. Psyche!
Ich werde deshalb ihren Beitrag jetzt Stück für Stück analysieren:

Daß bei der Gleisbetterneuerung neue Technologien eingesetzt werden, die geräuschdämmend sind, ist normal. Diese wären aber 50cm weiter innen noch dämmender.
Bei 2,21 m Breite trauen sich höchstens 50% aller Fahrer vorbei (wenn das überhaupt so viele sind). Glauben sie wirklich allen Ernstes, daß sich die Nicht-Durchfahrer so weit hinter die Bahn zurückfallen lassen, daß andere vorbeikommen?! Aus Erfahrung von etwa 800 000 km Fahrpraxis sage ich ihnen: Null Chance! Es werden alle ohne Ausnahme hinterherschleichen. Und es geht ja noch weiter: Die Wagen der Bahn sollen ja breiter werden, es werden also dann höchstens noch 1,80 m Platz sein. Wer kommt dann noch vorbei? Goggomobil? Die Diskussion über wenige sehr große Autos scheint mir somit recht weit hergeholt. Laßt uns doch gleich Nägel mit Köpfen machen: Wenn schon Spurverbreiterung, dann auch Straßenverbreiterung, weil wir dann auch für die Zunahme des Individualverkehrs gerüstet sind! Die Bemerkung, daß sich bei den 50 km/h der Straßenbahn ein Überholen sowieso erübrigt, dürfte wohl höchstens noch Kindergartenkinder zu Beifall hinreißen, denn die wissen noch nicht, daß die Bahn an Haltestellen auch wirklich hält – mit der ganzen Autoschlange hintendran.
Der größte Brüller kommt aber jetzt:

Die meisten Dresdner dürften aber begriffen haben, daß es nicht immer nur einseitig zulasten des Nahverkehrs gehen kann, daß das Gemeinwohl der vielen vor dem Eigennutz weniger kommt.

Erde an Herrn Wolf, Erde an Herrn Wolf: Wo waren sie die letzten 20 Jahre?? Vorrechtsschaltung, eigenes Gleisbett, Rudelführer Straßenbahn usw. – alles noch nie gehört?

Übrigens – Herr Wolf – spielen sie vielleicht mit dem Gedanken, von der ´SZ´ zur DVB zu wechseln? – Guter Schachzug!

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Finanzen, Politik, Regionales und Lokales, Verkehr abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Invasion der Straßenbahnen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.