Des einen Freud…

Diese Geschichte ist typisch für die Rubrik „Geschichten, die das Leben… nicht schreiben sollte“. Für mich persönlich war der Weg dorthin eher erfreulich, aber lest selbst:

Ich hatte bei der Mittags-Dialysentour eine Fahrt zum „Wilden Mann“ erwischt. Am Ziel angekommen, sah ich in die Funke und entdeckte eine Vorbestellung in 5 Minuten am Riegelplatz. Der ist ja eigentlich ein Stück weg, sollte aber bei Geschwindigkeiten oberhalb von 100 km/h in dieser Zeit zu erreichen sein. Also nichts wie rauf auf die „Bahn“ und volles Rohr zum Riegelplatz! Das Glück war mir hier insofern hold, daß ich nicht nur eine halbe Minute vor Übergabe der VB ankam, sondern auch noch knapp vor einem anderen Kollegen – ganze 2 Sekunden!
Die Tour-Angaben, die ich dann erhielt, waren sehr vielversprechend und ich habe sie freudig aufgenommen.
Weniger freudig erregt war allerdings mein Fahrgast. Es war dies eine ältere Dame, die von einer Urnenbeisetzung auf einem Friedhof außerhalb Dresdens zu einer Beerdigung auf einem Friedhof in einem anderen Ort – auch außerhalb Dresdens – fahren wollte(oder besser mußte). Ihr ganzes seelisches Elend wurde dann im Gespräch deutlich, denn sie erzählte, daß sie morgen zur nächsten Beerdigung müsse. Und nicht etwa, daß das Personen gewesen wären, bei denen mal eben so den letzten Gang mitgeht. Nein, es waren alles Familienangehörige. Einer davon war ihr Mann… Er starb einen Tag vor ihrer eisernen Hochzeit!

Irgendwie habe ich das Gefühl, die Scheine brennen in meiner Hosentasche. 🙁

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Des einen Freud…

  1. Huuh sagt:

    Neulich war ich den ganzen Tag mit dem Taxi unterwegs. Mein Pferd war krank. Durchfall.

    Ganz alte Dresdner (so selten sind die gar nicht) kennen noch die drei Worte der Pferdesprache: Hüh, hot und brrr. Letzteres ist eine Abkürzung des Wortes „Bremse“. Als ich „brrr“ sagte, blieb das Pferd ordnungsgemäß stehen, aber auf „hüh“ reagierte es dann nicht mehr.

    Ich brachte es heim und fuhr mit dem Taxi zum Tierarzt nach Leuben. Der verschrieb dreimal täglich ein halbes Brikett (alte Dresdner erinnern sich noch, was ein Brikett ist). Die Apotheke dort führte keine Briketts. Der Apotheker machte auf mich einen unfreundlichen Eindruck.
    Ich sagte, mein Pferd habe noch nie vor einer Apotheke gekotzt. „Dann ist es kein Pferd“, behauptete er. Und fügte hinzu: „Vermutlich ein Einhorn…“

    Eine junge Praktikantin kam hinzu und sagte: „Auf dem Baumarkt kriegen Sie Briketts.“ Wir fuhren nach Kaditz zum Baumarkt und auf der Strecke sinnierte ich vor mich hin. Mein Pferd hatte kein Horn. Ein Einhorn ohne Horn? Ich blieb dabei: es ist ein Pferd.

    Tatsächlich bekam ich auf dem Baumarkt einen Stapel Brikett, und der Fahrer trug sie mir bis zum Kofferraum; sicher will er verhindern, dass ich damit einsteige, dachte ich. Vor der Tür meines Hauses erzählte ich ihm von all dem Elend, das der Besitz eines Pferdes in der Moderne mit sich bringt. Ich fing an zu schluchzen, und siehe, er war ein freundlicher Mann und schluchzte ein bisschen mit.

    Immer noch schluchzend fuhr er dann los, und ich beantworte noch kurz die Frage, warum ich das hier schreibe. Vielleicht findet der Taxiblog diesen Mann, denn er hat vergessen, bei mir zu kassieren.

    Und da fällt mir ein: die Briketts sind auch noch bei ihm im Kofferraum.

    • Bernd Bernd sagt:

      Du hattest recht: Dein Pferd ist kein Einhorn! Es ist aber auch kein Pferd! Es ist nämlich ein „Keinhorn“, das beweisen schließlich die Tatsachen.
      Nach dem Kollegen kann ich leider nicht suchen, dafür habe ich keine Zeit. Du kannst nur hoffen, daß er sich von selbst meldet. Aber ich glaube, im Grunde ist das eh egal, denn wahrscheinlich wird sich der Wert der Fahrt in etwa mit dem der Briketts decken. Das ist für den Fahrer das gleiche Geld. Er wird sie also ehrlich verdient in den Ofen schieben, welches man dann „Geldverbrennung“ nennt. Sei übrigens froh, daß du sie nicht mehr hast, denn du hättest sie deinem Keinhorn sowieso nicht geben können: Immer nämlich, wenn du sagst: „Hier mein Schatz hast du dein ´Br´ikett.“, bleibt es jedesmal stehen. Du weißt schon warum!

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