Ich bin der King!

Falls ich es nicht schon längst getan habe, möchte ich hiermit meine Meinung untermauern, daß nur etwa 30% des Themenfeldes „Führen eines Fahrzeuges“ mit Wissen und Können zu tun haben. Die restlichen 70% werden vom Charakter der jeweiligen Person bestimmt. Dies ist z.B. auch der Grund, weshalb es auf die Frage: „Fahren Männer oder Frauen besser?“ niemals eine eindeutige Antwort geben wird. Unter „Fahren können“ wird nämlich beidseits etwas völlig anderes verstanden.
In der heutigen Mittagszeit nun konnte man eine sehr deutliche Wortmeldung eines „Charakters“ wahrnehmen. Sie war deshalb so deutlich, weil der sich zu Wort meldende absolut schlecht drauf war. Und das kam so:Während wir an der Frieda auf die Ausgabe der Dialysefahrten warteten, näherten sich ein Autokran und ein nachfolgender Tieflader mit aufgelegtem Strommast. Weil sie nun in das der Frieda gegenüberliegende Baugebiet wollten, gab es einen kurzen Stau wegen des Tor-Aufschließens. Diesen Stau bildeten: Der Kran, der Tieflader, ein Transporter der DREWAG oder einer anderen städtischen oder halbstädtischen Firma, ein dunkler Van und ein Kollege, der gerade eine Dialysefahrt erhalten hatte. Da nun der Transporter und der Van schön brav abwarteten, bis sich beide Brummis endlich glücklich in´s Grundstück gequält hatten, haben Taxifahrer meist nicht die Zeit zur beschaulichen Betrachtung der Umwelt, weswegen der Kollege auch stracks zur Tat schritt und an Van, Transporter und LKW´s seinen Weg mit einem mehrfachen Vorbeifahr-(nicht Überhol-!) Vorgang fortsetzte. Hier hatte er allerdings die Rechnung ohne den Transporter gemacht! Der startete augenblicklich ein derartiges Hupkonzert, daß man hätte glauben können, eine Gruppe Kinder sei unter die Räder gekommen! Als der Tieflader endlich weg war und der Transporter freie Fahrt hatte, traf er plötzlich schon wieder auf unseren Kollegen, der gerade nach links in die Vorwerkstraße abbiegen wollte, aber auf Gegenverkehr warten mußte. Auch hier wieder entblödete sich der Transporterfahrer nicht, dem abbiegenden Kollegen noch ein anklagendes „Määäp-Määäp“ hinterherzuschicken.
Nun fragt man sich doch: Was hat dieser Mann für Probleme? Denn wenn ich hinter einem abbiegenden Fahrzeug warte, anstatt vorbeizufahren, habe ich offenbar Zeit. Dies ist ja bei öffentlichkeitsnahen Firmen nun nicht sooo sehr verwunderlich. Verwunderlich ist dann aber, wenn man sich offenbar über Leute erregt, die nicht so viel Zeit haben, weil sie auch ein paar Pfennige verdienen müssen. Dies alles zusammen klingt dann so nach der Meinung: „Wenn ich warte, hast du das gefälligst auch zu tun!“, denn

„Ich bin der King!“

PS: Ich empfehle Realitätstraining für Fahrzeugführer öffentlich-rechtlicher Firmen.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Ich bin der King!

  1. Reinhold sagt:

    Wie ich dieses ermahnende, sinnlose Hupen hasse. Die Hupe soll ein Warnsignal ein. In Italien und Frankreich z.B. scheint das zu funktionieren. In Deutschland wird oft viiieeel zu spät gehupt. Da hat sich die Gefahrensituation schon lange aufgelöst, dann kommt der Schulmeister und setzt noch sein määääp hinterher. Danke.

    • Bernd Bernd sagt:

      Eines ist natürlich auch klar: Wenn jemand hupt, kann es so schlimm nicht gewesen sein, denn sonst hätte er die Zeit für´s Hupen anderweitig gebraucht.

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