Mister Makaber

Nachdem der heutige Tag im Prinzip so tot war, wie die Ferienzeit immer ist, hatte ich mich am Nachmittag dann doch als sich mühsam ernährendes Eichhörnchen in den Umsatzbereich vorgearbeitet, der eine Heimfahrt in absehbarer Zeit erlaubt. Als ich gegen 15°° Uhr glaubte, an der „Frieda“ zu versacken, hatte ich doch noch das Glück einer etwas weiteren Tour. Ich hatte mir eine Fahrt der ´SZ-Leserreisen´ gehackt: 6 Personen, Festpreis. Die Personen waren 3 Ehepaare und die Fahrt ging über Arnsdorf nach Bischofswerda. Logischerweise führte die Strecke über die Radeberger Landstraße quer durch die Dresdner Heide. Ich kündigte deshalb an, daß wir gleich die Organspenderallee benutzen würden. Auf die erstaunten Nachfragen erklärte ich, daß man dies an den vielen Kreuzen erkennen könne, die die Strecke säumen. Fälschlicherweise verwechseln viele Freunde und Angehörige von tödlich Verunglückten die Straße mit einem Friedhof. Gräber waren ja mal – ganz, ganz früher – dazu gedacht, die Körper Verstorbener aufzunehmen und den Trauernden einen örtlichen Punkt der Trauer zu geben. Nun hat es sich also durchgesetzt, daß es zwei Erinnerungspunkte gibt, was eigentlich nicht einzusehen ist. Man kann dieses Problem nun auf zwei Arten lösen: Entweder man bringt die sterblichen Überreste wieder auf einen Friedhof und trauert dort, oder man trauert an der Unfallstelle, die man ja sowieso schon zum Friedhof umfunktioniert hat. Dann allerdings müßte man konsequenterweise auch die sterbliche Hülle am Ort lassen. Das hätte im Falle der Radeberger Landstraße auch den Vorteil, daß vielleicht die Wölfe wieder in die Heide zurückfinden…
Hier war es nun interessant zu beobachten, wie unterschiedlich Männer und Frauen auf diesen meinen – zugegebenermaßen etwas makabren – Witz reagierten. 😉
Die Frauen waren still bis entsetzt, während die Männer in sich hineinkicherten. Man machte mir weiblicherseits Vorhaltungen, daß man damit keine Witze mache, aber ich wandte ein, daß eigentlich stets nur die giftigsten, versautesten oder makabersten Witze richtig „zünden“. Man frage doch bitte mal bei Ingo Appelt und Kollegen nach…
Diese würden uns dann erklären, daß ja Witze meist nicht zum Selbstzweck existieren, sondern auch Mißstände aufgreifen sollen und somit eine regulierende Funktion erfüllen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn sich jemand, der meinen o.a. Witz auch sch… lecht findet, sich wenigstens in seinem eigenen Umfeld dafür einsetzt, daß unsere Umwelt nicht zum Friedhof verkommt?!

Mir würde doch glatt die Munition für meine Witze abhanden kommen!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Mister Makaber

  1. Reinhold sagt:

    Haaalt, da kenne ich einen Witz, der nicht giftig, versaut oder makaber ist und trotzdem zündet. Natürlich muß ich ihn jetzt auch erzählen:
    An der französisch / belgischen Grenze stehen sich zwei Zöllner gegenüber. Auf der Schulter des Belgiers sitzt ein Papagei.
    „Kann der sprechen?“ fragt der Franzose
    „Das ist mir egal – Hauptsache der trägt mich herum!“ antwortet der Papagei
    So jetzt höre ich auf, bevor das in eine Witzerunde abflacht.

    • Bernd Bernd sagt:

      Versaut oder makaber ist dein Witz nicht. Ob er giftig ist, erfährst du spätestens, wenn du mal die belgische Grenze überquerst. 😉

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