Gefühlswechsel

Eigentlich wollte ich über meine euphorische Stimmung am Freitag schreiben, die ich in den nächstwöchigen Dienst mitnehmen wollte, aber die heutigen Nachrichten haben mir das wieder verkümmelt:
Schon wieder sterben hunderte von Menschen auf dem Mittelmeer, weil ihnen geldgeile Schleuser goldene Berge versprochen haben, wenn sie nach Europa kommen.
Jetzt ist es nun langsam mal genug! Man beginnt zu überlegen, massiv gegen die Schleuser vorzugehen, aber man könnte noch mehr tun! Ist es denn zuviel verlangt, wenn sich deutsche Botschaften für Asylanträge öffnen? Sie sind schließlich viel näher dran und können die Gefährdung besser einschätzen. Speziell in Nordafrika, wo die Quote abgelehnter Asylbewerber bei ca. 90% liegt, ergäbe das eine Lebensrettung von ebenfalls 90% der Menschen. Den wirklich Bedürftigen in Kriegsgebieten könnte man zum Beispiel die Möglichkeit eröffnen, sich von den im Gebiet operierenden humanitären Truppen außer Landes bringen zu lassen. Schon hätten wir keine Toten auf dem Mittelmeer!

Aber – will der Staat das wirklich?!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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10 Antworten auf Gefühlswechsel

  1. Matze sagt:

    „Der Staat“ wiil das nicht, schließlich verdienen viel zu viele Leute an dem Geschäft. Das geht vom Schleuser vor Ort über dessen Hintermänner, die ‚Begleitindustrie‘ bis zur Politik.
    Die ‚Begleitindustrie‘ beginnt bei den Kähnen für die Überfahrt, geht weiter zu den Umsätzen der Handytelefonate von den in Europa Angekommenen in ihre Heimat und ist bei den Betreibern der Notunterkünfte noch nicht zu Ende.

    • Bernd Bernd sagt:

      Na, ich glaube, das wäre etwas zu billig. Der Staat fürchtet wahrscheinlich nur in irgendeiner Form für „böse“ gehalten zu werden. Daß private Personen an den Asylanten auf die eine oder andere Art verdienen, ist natürlich klar.

  2. Uwe sagt:

    Erklär mir mal bitte den Unterschied zwischen einem Menschen, der im Bürgerkrieg erschossen wird und einem, der verhungert.

    • Bernd Bernd sagt:

      Ein Mensch, der im Bürgerkrieg erschossen wird, ist tot.
      Ein Mensch der 3000 € an einen Schleuser bezahlt, damit er nicht verhungert, ist ein Idiot.
      Da hatten es die DDR-Bürger vor 1990 viel billiger. Sie gingen zwar unter Lebensgefahr(Sperrgebiet!), aber sie mußten kein Geld bezahlen, um in den goldenen Westen zu gelangen. Ansonsten wären sie wahrscheinlich alle verhungert.

      • Uwe sagt:

        Die Antwort ist falsch und du bist ein Feigling!

        • Bernd Bernd sagt:

          Was erlaubst du dir, du Würstchen, mich hier öffentlich der Falschaussage und der Feigheit zu bezichtigen!!! Diese Aussage zeigt eigentlich nur, daß du hinter den Ohren noch nicht trocken bist. Das Mindeste, was du tun kannst, um noch als ernstzunehmender Gesprächspartner gelten zu können, ist eine schlüssige Erklärung für deine Aussage.
          PS: Ich gebe zu, daß ich im Kommentar nach dem Satz „Ansonsten wären sie wahrscheinlich alle verhungert.“ den Zwinkersmiley BEWUSST weggelassen habe. So viel Intelligenz erwarte ich einfach!

          • Uwe sagt:

            Was erlaubst du dir, mich öffentlich als Würstchen zu bezeichnen!! Ich bin mir sicher, daß ich dich noch nie mit irgendwelchen Schimpfwörtern angeredet habe. Ich werde gar nichts mehr tun, weder „eine schlüssige Erklärung“ für etwas abgeben, was du eh nicht verstehst, noch in Zukunft dein Geschreibsel hier lesen.

  3. Bernd Bernd sagt:

    @Uwe
    Falschaussage und Feigling sind keine Beleidigungen, nein?! OK! Also dann tschüß und ab dafür.

    PS: “ …was du eh nicht verstehst, …“ – Ich lach mich kaputt! Ganz klein wenig Selbstüberschätzung oder wie? 🙂

  4. Matze sagt:

    Schade dass es hier solche Eskalationen gibt.

    Aber Du machst es Dir mit Deiner Argumentation meiner Meinung nach auch etwas einfach.
    Welche humanitären Truppen in Syrien, im Irak, Jemen, Libyien oder Nigeria sollen denn die von den kriegerischen bzw. terroristischen Kräften bedrohten hunderttausenden bis millionen Menschen außerhalb dieser Länder zu bringen, vorallem wie und wohin.

    Und ich glaube auch nicht, dass ein junger Mensch, der in seiner Heimat (oder einem Flüchtlingslager wie Zaatari oder Dadaab) keine Chance auf eine Zukunft hat und seine Familie vom Verhungern bedroht sieht, sich von einem ablehnenden Zettel eines wohlgenährten, mit Sozial- und Rentenversicherung in einem klimatisierten Büro sitzenden Botschaftsmitarbeiter, von einem weiteren Versuch Europa zu erreichen, abhalten lässt.

    Wer täglich Gefahr läuft, erschossen zu werden (oder zu verhungern), den schrecken auch das Risiko der Mittelmeerüberfahrt und die möglicherweise schlechten (aber eben nicht tödlichen) Lebensbedingungen in Europa nicht so sehr.

    Das Geld für die Schleuser legen die Flüchtlinge übrigens nicht bar auf den Tisch, sondern die Familie verpfändet sich dafür beim lokalen ‚Kredit’geber bzw. Bandenchef. Die Schulden müssen dann mit den Überweisungen aus Europa oder durch Arbeit (Sklaverei) der Angehörigen in der Heimat abgestottert werden.

    Die Schulden aus unseren Lebensverhältnissen gegenüber den Dritte-Welt-Ländern kommen uns Europäern halt immer näher.
    Die USA (und Kanada) haben es da noch recht gut – sie haben nur eine kurze Landgrenze nach Süden und sind ansonsten von sehr viel Wasser umgeben.

    • Bernd Bernd sagt:

      Du hast recht, solcherart Diskussion habe ich mir nicht gewünscht, aber das ging mir dann doch etwas über die Hutschnur.
      Bei dir klingt das doch gleich ganz anders. Aber sei es wie es sei, es gibt hunderte Gründe, weshalb die Menschen herkommen, aber auch hunderte, daß das nicht geht. Gerade finanzielle Hilfe ist im Herkunftsland viel effektiver! Nehmen wir doch einfach mal als Beispiel einen unter hohen Entbehrungen hierher gekommenen jungen Mann. Der verursacht hier Kosten von einigen hundert Euro im Monat. Was glaubst du, wieviele Menschen man in seinem Heimatland aufgrund des Währungsgefälles damit versorgen könnte? Außerdem fehlt dann dieser junge Mann beim Aufbau seines Landes. Wir können schlicht nicht alle Notleidenden zu uns holen. Dabei sind die finanziellen Aspekte noch nicht mal das größte Übel. Das Zusammenleben verschiedenartigster Kulturen auf einem begrenzeten Raum wird immer Zündstoff in sich bergen und je mehr Menschen, um so schlimmer.
      Einen Aspekt haben wir noch gar nicht beleuchtet: Krieg ist der hauptsächlichste Fluchtgrund in aller Welt, das ist richtig. Aber wieso gibt es plötzlich Krieg, wo es doch Dekaden von Jahren wenn schon nicht friedlich, so doch zumindest ruhig war? Und hier habe ich konkret die USA auf dem Monitor! Sobald man dort in irgendeinem Teil der Welt „amerikanische Interessen“ verletzt sieht, konstruiert man schnell mal „Schurkenstaaten“, die vor Massenvernichtungswaffen nur so starren! Das muß natürlich sofort bekämpft werden.
      Wenn man sich die Arsenale auf der Welt und den Umgang damit genau ansieht, dann gibt es solche Schurkenstaaten. Besonders einen, der sogar schon Atomwaffen einsetzte…

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