Jäger des verlorenen Parkplatzes

Es ist wirklich unglaublich, was manche Leute erfinden, um an knappe Waren oder Ressourcen zu gelangen. Eine besondere Übung in dieser Disziplin haben natürlich wir Ossis erlangt, denn schließlich waren wir von Engpässen lebenslang umgeben.
Natürlich haben sich die Knappheiten stark gewandelt: Gab es früher keine Autos, so gibt es heutzutage eher keine Parkplätze.
Und hier nun greift ein Episode, die mir 2 meiner IM (=interessante Mitmenschen) berichteten. – In einem Dresdner Stadtteil mit ebendieser Parkplatz-Unterversorgung gibt es einen Kollegen, der quasi 2 unmarkierte Privatparkplätze sein Eigen nennt. Diese befinden sich genau zwischen einer Straßenkreuzung und einer Einfahrt. Bei klugem Parken passen dort halt 2 Fahrzeuge hin. Bei noch klügerem Parken sind dies das Taxi und der Privatwagen des Kollegen… – Und bei allerklügstem Parken behält er seine Plätze auch dann, wenn er mit einem Wagen wegfährt! Dann passiert nämlich folgendes: Er fährt mit diesem einen Wagen neben den anderen, steigt aus und schiebt den stehengebliebenen genau in die Mitte dieser 2er-Lücke. Dadurch wird es nämlich eine Einer-Lücke, weil davor oder dahinter keiner mehr hinpaßt.

Der Mann ist derartig bauernschlau, daß er schon allein dafür den Mindestlohn verdient hätte.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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2 Antworten auf Jäger des verlorenen Parkplatzes

  1. Einhorn ohne Horn sagt:

    Das erinnert mich an eine Episode in Barcelona, wo es nicht nur Edel-Restaurants gibt, sondern auch Kneipen. Drei Tische auf der Straße, einer für die Wirtsfamilie reserviert.

    Wir kein Wort katalanisch, die Wirtin kein Wort deutsch, kein bißchen Verstehen unserer Englisch-Brocken.

    So geht´s weiter: Speisekarte gibts nicht. Aber dann bringt die Wirtin einen dreizeiligen Zettel, und wir verstehen, dass wir was ankreuzen sollen.

    Es kommt ein richtig leckerer Imbiss. Zwischendurch entsetzte Blicke vom Familientisch, als ich das Bierglas halbe halbe mit Kirschsaft mische.

    Und nun noch die Episode: Direkt neben uns an der Bordkante schiebt sich Zentimeter um Zentimeter ein kleines Auto an ein anderes kleines Auto heran, beide „nicht mehr ganz neu“. Wir trauen unseren Augen nicht, als der Fahrer andockt und den Vordermann nach vorn schiebt. Der schiebt ihn einfach weg, bis eine Parklücke für seinen Kleinen entstanden ist.

    Und dann staunen wir noch mehr. Er steigt aus und begrüßt am Nebentisch lachend einen Mann mit Handschlag, der ganz offensichtlich der Besitzer des weggeschobenen Vehikels ist.

    Spanien eben. Fast genau die Mentalität wie bei uns in Deutschland. Kein Wunder, beide EU.

    • Bernd Bernd sagt:

      Für die Parkplatzschieberei ist ja auch schon Paris weltbekannt. Es gilt ja dort schon als dumm, wer sein Auto in irgendeiner Form arretiert. Diese Maßnahme verstärkt nur die Beulen, weil man mehr schieben muß, um die Lücke freizukriegen. Wenn sich diese Unsitte dann irgendwann nach Dresden vorgearbeitet hat, sind wahrscheinlich die seligen Tage des Kollegenparkplatzes gezählt

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