Teufel in Weiß

Ja, es gibt sie noch: Die Momente, wo mir der Mund offenstehen bleibt. Man könnte denken, im vorgerückten Alter und ca. 20 Jahren im Taxi hat man genug erlebt, aber die heutige Zeit ist schnelllebig und niemandem ist mehr irgendwas zu blöd, um es mit Schmackes hinauszuposaunen.
So brachte ich z.B. Heute früh eine Patientin in die Uniklinik. Den ganzen Weg lang passierte fast nichts. Nur kurz vor der Uni erlaubte ich mir, aufgrund fehlenden Platzes die goldene Regel „Ein Radfahrer ist so breit wie hoch zu mißachten“, weil man ja sonst auf der zugeparkten Fiedlerstr. niemals vorbeikommt. – Kaum war ich neben ihm, setzte eine Schimpfkanonade ein, die jeder Vorstadtschmiere in den Slums der dritten Welt Ehre gemacht hätte. Nur Sekunden später, als ich an der Schranke warten mußte, setzte sich dieses fort, indem der Radfahrer an meine Seite heranfuhr und mich anbrüllte: „1 Meter und 50 hat man beim Überholen Platz zu lassen!“ Nach einem weiteren Satz, der mir aufgrund seiner Wichtigkeit  leider entfallen ist, folgte dann der Knaller: Es entfuhr ihm der Satz: „Ihr kotzt mich nur noch an, ihr Scheiß-Ossis!!“ Sprach´s  und entradelte flink in´s  Unigelände. ????????????????
Die Frau sah mich mit großen Augen an, ich sie mit noch größeren. Hätten die Fragezeichen über unserer beider Köpfe metallische Schneiden gehabt, würde ich künftig Vito-Kabrio fahren.
Nun aber zunächst erst mal zu den Tatsachen: Das mit dem Abstand ist nominell korrekt. Wenn wir auf der Straße alles korrekt machen würden, käme der Verkehr zum Erliegen; soviel dazu. Im dargestellten konkreten Fall hätte der Herr allerdings sehr große Mühen auf sich nehmen müssen, um von mir touchiert zu werden. War das sein Plan und er hat´s  nicht geschafft? Tut mir leid, das nächste Mal fahre ich näher ran, damit er es nicht so schwer hat, mich zum Buhmann zu machen. Übrigens gilt beim Überholen von Fahrzeugen durch Radfahrer auch die 1,5 – allerdings in Zentimetern! Oder hat vielleicht jemand irgendwo eine gesetzliche Regelung gefunden, die diesen Tatsachen widerspricht? Na gut, lassen wir das verkehrsrechtliche mal beiseite und kümmern uns um uns Scheiß-Ossis.
Ich weiß nicht, wo das 25 Jahre nach der Einheit noch herkommt, noch dazu von einem Exemplar der Siegerseite. Es hört sich aber hier an wie ein enttäuschter Verlierer. Ist dies etwa einer der Herrschaften aus der dritten oder vierten Reihe bundesdeutscher Hierarchie, der in den wilden Osten reiste, um den Urwaldvölkern mal so richtig zu zeigen, wo der Hammer hängt?!
Und jetzt kommt die scheußlichste Überlegung: Wenn ein Mann in den 40ern mit dem Fahrrad in die Uniklinik fährt, ist das gewiß kein Patient. Krankenpfleger in diesem Alter habe ich dort auch noch nicht gesehen. Wäre es also möglich, daß es sich hier um einen Arzt handelte?! Wenn ja, dann scheint mir dieser per se anfällig für Kunstfehler zu sein, weil er gestresst ist. Wenn man dann noch seine Äußerung mit den Ossis einbezieht, dann muß man sein Auftauchen am Bett eines Patienten der ungebrauchten Bundesländer mit einem Skalpell in der Hand schon im Vorhinein als versuchten Mord werten!

Aber saache ma, mei Guudster, wennde disch hier ni dorheeme fiehlst und die Ossis gotzen disch alle an, …

Was machst´n du dann hier noch?

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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