Kriegsopfer

Kaum macht man mal eine Woche Urlaub, läuft sofort alles aus dem Ruder! Ausgerechnet im Vorfeld des Gedenkens an die Dresdner Kriegsopfer deutet sich ein neuer Krieg an, wobei scheinbar die Dresdner Taxifahrer die Opfer sein sollen. Die Vermutung rührt daher, daß Kollegen in letzter Zeit häufig mit absolut bizarren Vorwürfen konfrontiert sind.
Ich will mal versuchen, das mir erzählte einigermaßen genau wiederzugeben:
1. Der Kollege steht als dritter an einem Taxistand und nutzt die Zeit, sich etwas zu essen zu holen. Als er wiederkommt, hat er einen Zettel am Wagen! Begründung: Am Taxistand halten sich die Wagen für die Vermittlung bereit und die Fahrer müssen deshalb im oder am Wagen sein.
2. Im Bereich des Neumarktes befinden sich sehr viele Restaurants. Wenn man einen Abholauftrag von dort erhält, darf man aber nicht hinfahren, denn das ist Fußgängerzone! Es funktioniert aber auch nicht, den Wagen vor der Fußgängerzone stehen zu lassen und den Fahrgast zu holen, denn dann steht das Fahrzeug ja im Parkverbot oder im gebührenpflichtigen Bereich. Der Fahrer müßte also einen Parkschein ziehen, um seine Arbeit machen zu können!

Dies sind nur mal zwei Dinge, die mir heute berichtet wurden, aber es soll derer noch mehr geben. Ich hoffe, es kommen noch mehr Informationen.
Man macht sich nun ernsthaft Gedanken, warum das Ordnungsamt so restriktiv eingreift in Dinge, die gar kein Problem darstellen. Sehr weit muß man aber nicht denken, denn der Verdacht, daß das etwas mit Geld zu tun haben könnte, dürfte schon in´s Schwarze treffen. – Warum?!
Tja, schauen wir uns doch mal die Politessen/Politessriche genauer an. Ich glaube kaum, daß mehr als 5% von ihnen älter als 25 ist. Das heißt also, es dürften Anfänger im Ordnungsamt sein. Da die Stadt permanent Geld braucht, muß diese nun nur noch ihre recht jungen Mitarbeiter motivieren, möglichst viel Geld „einzufahren“. Die Stadt behauptet zwar immer, es gäbe für Zettelschreiber keine Quote, aber das halte ich für eine Schutzbehauptung. Es ist in meinen Augen kein Unterschied, ob man sagt: „Du mußt am Tag x Zettel schreiben, sonst bist du bald wieder weg vom Fenster!“, oder ob man säuselt: „Bitte, bitte – mein Guter – sieh zu, daß du am Tag x Zettel schreibst.“. Für x würde ich einfach mal so auf Verdacht eine 70 einsetzen. Wer eine andere Zahl weiß, kann sie mir gern sagen. Die jungen Herrschaften wissen es bestimmt genauer.
Tja, und nun??

Das Ordnungsamt sollte sich langsam überlegen, ob es mit uns oder gegen uns arbeiten will. Wir werden unseren Ärger nämlich nicht hinunterschlucken, sondern mit unseren Fahrgästen teilen, ganz egal ob durch pure Information oder dadurch, daß sie weitere Wege laufen müssen. Das werden dann natürlich auch oftmals Touristen sein, die damit ihr Bild von unserer Stadt vervollständigen können.

PS: Ich habe im gesamten Artikel nicht einmal das Wort „Knöllchen“ benutzt, obwohl es ständig um solche ging. Das liegt daran, daß ich es für einen der bescheuertsten Begriffe halte, die unsere Sprache hervorgebracht hat( übrigens erst seit 1990).
Ich kenne das Wort nur von früher, als ich noch jünger war. Da hatte ich sehr oft ein Knöllchen. Ich habe mich dann aber immer schnell umgedreht, damit keiner sieht, wie sich die Hose beult.

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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8 Antworten auf Kriegsopfer

  1. Klaus sagt:

    Das Wort Knöllchen ist vielleicht in Dresden erst seit 1990 bekannt, aber es hat seinen Ursprung im Rheinland.
    Der Duden sagt:
    „Herkunft:
    wohl umgeformt aus der landschaftlichen (besonders rheinischen) Verkleinerungsform (Proto)köllchen von Protokoll unter scherzhafter Anlehnung an Knolle.“
    Nicht alles was in Dresden erst seit 1990 bekannt ist, ist auch automatisch bescheuert, lieber Bernd.

  2. Daniel sagt:

    Da bist du als „normaler“ Taxifahrer nicht der einzige, der in letzter Zeit geärgert wird: Bei unseren Blaulichttaxis gab es in letzter Zeit auch zwei Fälle, in denen Zettel am Scheibenwische hängen. Rein juristisch ist es leider in Ordnung, da Sonderrechte nur zur Abwendung von schweren gesundheitlichen Schäden und Lebensgefahr genutzt werden dürfen. Das ist ja beim Krankentransport nicht der Fall. Also müssen nun die Patienten und Personal drunter leiden und längere Wege zurücklegen.

  3. felix sagt:

    Also das erste Beispiel finde ich aber OK. Der Taxistand ist nunmal kein Parkplatz. Ich verstehe, dass die Arbeits- und Pausenzeiten bei Taxifahrern manchmal nicht klar voneinander zu trennen sind. Wenn man aber Essenspause macht und sich dazu etwas kaufen geht muss man eben das Auto irgendwo parken, wie alle anderen auch.
    Wenn da längere Zeit ein Taxi ohne Fahrer den Halteplatz blockiert, findet sich sicherlich auch bald ein anderer Taxifahrer, der das nicht so super findet.
    Woher sollen die von Ordnungsamt denn wissen, ob der in 2 Minuten wieder da ist oder „Mutti“ zu ihrem Zug bringt, der in 20 Minuten fährt und nur einen kostenlosen Parkplatz brauchte?

    Ich würde mich als Kunde auch sehr bedanken wenn jemand seinen Frust über Dinge bei mir rauslässt für die ich nichts kann.

    • Bernd Bernd sagt:

      Daß du das erste Beispiel abstrafbar findest zeigt, daß du kein Taxifahrer bist. Deshalb hier die Erklärung: Wir Taxifahrer haben zu mehr als 90% aller Kollegen einen umsatzabhängigen Lohn. Damit ist aber nicht ein Grundlohn mit Umsatzprämie gemeint, sondern ein „Nur“-Umsatzlohn. Die meisten bekommen so um 40% ihres Umsatzes als Bruttolohn und sonst nichts. Das heißt auch, Essenspausen sind in der herkömmlichen Form gar nicht machbar, denn jeder muß in jedem Moment einsatzbereit sein. Da wird eben dann die „Bemme“ in die Dose reingepfeffert und ab geht die Post. Echte Pausen werden wir dann machen, wenn wir verbeamtet werden. 😉
      Das hätte gleichzeitig auch den Vorteil, daß wir nie mehr Strafzettel bekämen.

      • felix sagt:

        Ich hatte ja extra betont, dass ich mir bewusst bin, dass Taxifahrer häufig dann Pause machen wenn gerade sowieso kein Kunde da ist und das leider häufig „am Arbeitsplatz“ tun müssen. Im beschriebenen Fall hat der Kollege von dir aber wohl sein Taxi am Taxistand abgestellt und ist weggegangen.
        Mit der gleichen Begründung könnte doch jeder sein Auto im Halteverbot parken weil er ja gleich schnell weiterarbeiten muss und keine Zeit für die Parkplatzsuche hat.

        • Bernd Bernd sagt:

          Also nochmal in Zeitlupe: Der Kollege stellt sein Auto nicht am THP „ab“, weil er sich was zu essen holen will, sondern er stellt es in die Reihe, um so bald als möglich einen Kunden zu „erhaschen“! Soweit klar? Nun geht´s weiter: Wie wahrscheinlich ist es an einem wenig frequentierten THP als Dritter innerhalb von etwa 3 Minuten (Zeit zum Essenholen) einen Auftrag zu bekommen? Der Wert liegt nahe Null! Der Kollege erkennt also, er kann schnell mal weg und wieder zurück.
          Um es genau zu sagen: Der Kollege geht seiner Arbeit nach, auch wenn er für eine kurze Zeit nicht am Wagen ist. Kontrolliere ich vielleicht, wo die städtischen Angestellten und Beamten während ihrer Arbeitszeit hingehen?
          Um es noch mal ganz klar zu sagen: Kaum ein Taxifahrer macht Essens“pause“! Das kann er sich nicht leisten. Deshalb ißt er am oder im Wagen während der Zeit des Wartens. Wenn man die Zeit des Wartens natürlich als Pause bezeichnet, dann hätten wir den schönsten Job der Welt: Mit 75% der Arbeitszeit Pause! Statistisch nachgewiesen! Und in diesen 15 Minuten pro Stunde an „Arbeits“zeit muß man Aufträge im Wert von 15 Euro erlangen, um auf einen Bruttolohn von 6 Euro zu kommen. Erquickend, nicht wahr?!

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