Schülerzoo

Ich komme fast jeden Tag mindestens 2mal an der Teplitzer Straße vorbei, aber erst jetzt ist mir etwas aufgefallen. Eingeschlossen zwischen Lockwitzer, Mockritzer und Teplitzer Straße befindet sich dort nämlich die 47. Grundschule der Stadt Dresden, die bis vor einiger Zeit aufwändig saniert wurde. Heute nun fiel mir der Zaun auf. Es ist dieses ein Konstrukt aus etwa 3m hoher Palisade mit einigen mehrere Meter langen Unterbrechungen aus zaunhohem Sicherheitsglas. Irgendwie kam mir diese Bauweise bekannt vor und ich wußte auch sofort, woher: aus dem Leipziger Zoo! Solch ein Zaun hat als Aufgabe einerseits den Schutz der einen vor den anderen als auch die Besichtigung. Nun hat ja ein Zaun immer zwei Seiten, deshalb steht auch hier genau wie im Zoo die Frage: Wer beobachtet wen? Man ist in solcher Situation meist geneigt, die im Inneren des Zaunes befindlichen Individuen als die Betrachteten anzusehen. Was also haben wir hier?
Ich habe es herausgefunden: Es ist das gemeine Schülertier! Wenn man nicht immer im Auto vorbeirasen würde, könnte man es selbstverständlich in seinem angestammten, natürlichen Lebensraum beobachten.
Ich habe das getan und möchte hiermit meine Forschungserkenntnisse veröffentlichen:

Das Schülertier ist ein sehr impulsives Wesen. Meist überlegt es nicht lange, wenn es etwas möchte, sondern kümmert sich einfach. So fragt es z.B. sofort in der ihm eigenen – für Menschen nicht verständlichen – Sprache nach, ob es auch ein Stück der gerade im Umlauf befindlichen Leckerei haben kann. Es handelt sich dabei aber meist um weniger gefragtes Futter, denn die bevorzugte Speise eines Futtermittelherstellers mit einem großen „M“ ist im Zoo nicht erhältlich. Einige Individuen haben sich auch einen eigenen Stil der Bitte zugelegt, nach welchem sie sich das Objekt der Begierde einfach nehmen. Schließlich gehen sie davon aus, daß ja der Geber an einem gesunden Körper interessiert ist und es deshalb freiwillig gibt. Deshalb sprechen sie dann auch nicht von ´Raub´, sondern von ´Abziehen´. Das ist etwa so, als wenn ein Löwenrudel seine Beute vom Kampfplatz an einen sicheren Platz ´abzieht´, ganz natürliche Vorgehensweise also.
Ein ganz besonders typisches Merkmal des Schülertieres ist seine Kommunikationsfähigkeit. Es bewegt sich ständig in einem Kreis gleichartiger Individuen, mit denen es Nachrichten austauscht. Deshalb bildet diese Spezies innerhalb des Geländes riesige Gruppen von Kommunizierenden: Sie sitzen oder stehen in diesen Rudeln meist still auf ihre Hände schauend, in denen sie ein Gerät für direkte Kommunikation halten. Sie sind deshalb nicht zu verwechseln mit Exemplaren früherer Brutzyklen, die sich noch mit Hilfe der oben beschriebenen Sprache über den Umweg der Schallwellen verständigen mußten.
Die Gehegeaufsicht obliegt Personen, die sich meist „Lehrer“ nennen. Das soll suggerieren, daß sie dem Schülertier noch etwas beibringen könnten. Dieses weiß aber schon alles, woraufhin es zu vielerlei Konflikten kommen kann, insbesondere dann, wenn eine Aufsichtsperson ihren Tarnnamen allzu ernst nimmt.

Hier enden meine bisherigen Forschungen. Es wäre schön, wenn mich interessierte Menschen bei weiterführenden Erkundungen unterstützen würden. Alles zusammen könnte am Ende in ein Buch einfließen mit dem Titel:

„Vom Schülertier zum Rentier

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Geschichte, Kultur, Natur, Privat abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Schülerzoo

  1. Thomas sagt:

    Ja und wenn sie ausgewachsen und geschlechtsreif sind werden sie dann ausgewildert und paaren sich mit anderen Spezis.Nur geht das manchmal schief und es kommen dann viele kleine Hartztierchen dabei raus.

    • Bernd Bernd sagt:

      Das kann passieren, ist aber noch nicht das schlimmste, was der Menschheit passieren könnte. Viel schlimmer wäre eine massenhafte Population von großen Tieren. Dann hätten wir überhaupt niemanden mehr, der arbeitet. Dagegen hülfe aber dann ein frontseitig verabreichtes Klistierchen.

      • Thomas sagt:

        Ich glaube das bringt nichts,Klistierchen werden bei 0,5 Promille abgetötet.Darf man Hartztierchen eigentlich in Käfighaltung züchten?Oder müssen sie genauso viel Auslauf haben wie Schülertierchen haben.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.