Tropfenweise

Es gibt sehr viele Themen, die mich über das Jahr bewegen, manchmal regelmäßig, manchmal sporadisch. Letzteres tritt gemeinhin auf, wenn ich etwas entsprechendes erlebe. So war das auch heute: Mir wurde schlagartig bewußt, daß ich Bier nicht nur flaschen- oder faßweise liebe, sondern bereits tropfenweise! Ist es denn noch keinem aufgefallen, daß dieses sehr lebendige Gebräu geradezu prädestiniert ist, Familien und auch ganze Völker darzustellen. Vielfach wird in den Medien kolportiert, daß Bier und Wein eine Seele haben, aber keiner lebt danach! Das fängt doch schon bei den Verkehrsmeldungen an.
Ein Beispiel:

In den heutigen Morgenstunden gab es an einer Autobahnauffahrt der A4 Richtung Görlitz in der Nähe von Radeberg einen leichteren LKW-Unfall, nachdem ein soeben beladener Bierlaster durch einen solchen aus Dänemark touchiert wurde. Beide Laster kamen ins Schleudern und kippten um. Zigtausende Liter Bier ergossen sich über die Autobahn und in den naheliegenden Fluß. Nachfolgende Fahrzeuge konnten rechtzeitig stoppen und auch die beiden Fahrer blieben unverletzt. Der Sachschaden bewegt sich im sechsstelligen Bereich. Die Ursache wahr wahrscheinlich Übermüdung des dänischen Fahrers.

Klingt eigentlich normal und sogar fast gut, oder? Ist es aber aus vielen Gründen nicht:

  1. Wenn Radeberger nach Görlitz unterwegs ist, was soll dann das andere dort?
  2. Kann Frage 1 nicht dadurch gelöst werden, daß nur der Verursacher kippt?
  3. Was soll das mit den vielen Litern? Die Lebenszelle, also sozusagen das Individuum des Bieres ist der Tropfen. Also zählt mal gefälligst die Tropfen oder gebt wenigstens eine Schätzung ab, wieviele Milliarden oder ebenTrilliarden Tropfen umgekommen sind. Es ist dabei völlig egal, daß es wahrscheinlich hälftig deutsche beziehungsweise ausländische Tropfen waren, denn wir lieben doch alle!
  4. Warum wird die Unverletztheit von Menschen noch extra erwähnt? Ist denn das nach so vielen verlorenen Biertropfenseelen noch relevant!?

Die Fragen gehen aber noch weiter. Wie haben sich denn z.B. die Bierseelen gefühlt, nachdem ihr Tropfen den Bach runter ging, wobei gerade dieses Beispiel eins der angenehmeren Schicksale darstelle. Der betreffende Tropfen muß zwar seine Geschwister aus der Brauerei verlassen, aber trifft stattdessen diejenigen aus seiner halbfertigen Phase wieder.
Was aber sollen z.B. die Seelen sagen, deren Tropfen auf der Autobahn landete und dann wie Abfall von der Feuerwehr mit Bindemittel entfernt wurde!? Mich schaudert bei diesem Gedanken!

 

Aber dies alles war nur hypothetische Einleitung des folgenden:
Was mich betrifft, so liebe ich besonders die Tropfen aus den Reihen der Weizenbiervölker. Deshalb habe ich heute 6 Behälter mit Großfamilien  mit nach Hause genommen. Um meinen Körper so schnell wie möglich mit denen des Bieres vereinigen zu können, habe ich eine Familie im Tiefkühlschrank etwas schneller frischgemacht. Leider hatte ich kurz darauf ein älteres technisches Gerät zu reparieren, weswegen ich diesen Akt vergaß. Irgendwann aber fiel es mir wieder ein und ich rannte um ihr Leben! Ich hatte das Glück, die Tropfen noch vor dem Tod durch Kristallisierung zu retten, allerdings konnte man sie so kalt auch nicht mehr trinken. Hier kam ich auf eine großartige Idee: Wenn ich das Glas jetzt halb und halb mit verschieden temperiertem Bier fülle, stimmt die Temperatur und außerdem sehen sich die Tropfen, die beim Zuordnen zu Großfamilien getrennt worden waren, nun doch noch einmal wieder.

Weizenglas

Das war der Plan!

Gesagt, getan: zuerst das kalte, dann das fast noch warme ins Glas. Meine eigene Freude, es gleich trinken zu können war noch nichts gegen die Freude der Biertropfen, ihre Geschwister wiederzusehen…

Ich habe noch nie eine solch grenzenlose, überschäumende Wiedersehensfreude erlebt!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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