Wiederholungstäter

Ich weiß, Wiederholungstäter werden härter bestraft, aber ich konnte mich dem Wunsch meiner Familie nicht widersetzen. Meine Tochter wollte unbedingt ins Ägyptische Museum und zu Madame Tussaud in Berlin und deshalb blieb mir nach Check unmöglicher Zugverbindungen nur die Variante des innerfamiliären Taxis übrig. Zu den komischen Figuren bin ich dann nicht mitgegangen. Stattdessen habe ich mir von Klaus sein Kiez zeigen lassen, um den schlechten Eindruck vom letzten Berlinbesuch wettzumachen. Ich muß ehrlich zugeben, daß es auch interessanter ist zu sehen, wo die Leute wohnen, als sich auf der Touristenmeile eine Welt oder Stadt vorgaukeln zu lassen, die es nicht gibt.
Deshalb mein Fazit an dieser Stelle: Ja, Berlin hat schöne Ecken. Auch deine Ecke ist schön, Klaus.
Aber: MultiKulti ist nicht mein Ding! Ich will nicht nur wissen, sondern auch sehen, daß ich zu Hause bin.
Das Ägyptische Museum hat mich dann aber auch interessiert, weshalb ich mich dort meiner Familie wieder anschloß. Nun waren wir ja schon mal im Berliner Ägyptischen Museum, als es noch in Charlottenburg gastierte und auch in dem in Leipzig. Beide wurden von meiner sehr interessierten und informierten Tochter mit „Gut“ bewertet. Daran konnte allerdings die jetzige Ausstellung nicht anknüpfen. Diese hat ihr nicht gefallen und auch mir standen mehr Frage- als Ausrufezeichen über der Stirn. Das ist natürlich aus dem Grunde merkwürdig, als es sich ja im Prinzip um dieselben Exponate handelt. Es muß also an der Art und Weise der Präsentation liegen. – Und schon sind wir wieder bei einem heiklen Thema: Darstellung! Darstellung von historischen Vorgängen kann auch Kunst sein, genauso wie Darstellung von Gebäuden, also Architektur. Haben wir es also hier mit einem ähnlichen Phänomen zu tun, das sich in Dresden auf dem Gebiet der Architektur feststellen läßt, der von mir so bezeichneten „Architektenmasturbation“?! (Definition nur auf Kommentatorenwunsch) Hat also der Darsteller eine eigene Vorstellung der Geschehnisse?
Sei´s drum, für mich war der Besuch im ´Neuen Museum´ jedenfalls atemberaubend, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dies traf aber ausschließlich im untersten Stockwerk am Treffpunkt der Führungen zu und auch nur in den kurzen Momenten, in denen sich die Tür zur Damentoilette für einige Sekunden öffnete.

Mann, hat das einem die Luft genommen!

Bernd

Über Bernd

Baujahr 1955, männlich, nicht mehr zu haben, Mechatroniker, Elektriker, Technikinformatiker und - natürlich - Taxifahrer
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